Review
von Leimbacher-Mario
Oh du Höllische!
Das letztjährige Remake zu „Black Christmas“ war schmerzhaft schlecht, klipp und klar möchtegern-feministischer Schmarn und vergeudete Lebenszeit. Das Original ist ein wegweisende Früh-Slasher, eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen Giallo und Slasher, ein grandioser, stilvoller und unblutiger, extrem atmosphärischer Gänsehautgefrierbrand. Und das 2006er-Remake? Eine Schlachtplatte vor dem Herrn und die andere Seite der Medaille zum Original - aber kein Stück ignorierenswert! Erzählt wird wie zu erwarten von einer weiblichen Studentenverbindung zu Weihnachten - und wie ein legendärer, traumatisierter Killer das Haus und die Mädels brutal und systematisch terrorisiert und dezimiert. Das klingt zwar sehr nach dem Original - hat dann aber doch etliche neue Haken und Ösen, Wendungen und Überraschungen, Neuigkeiten und Abbiegungen, die blutverschmierter und gegensätzlicher zum zahmen Klassiker kaum sein könnten...
Viele Remakes sind düsterer und vor allem härter, zeigefreudiger und extremer als die Vorlagen - von „The Hills Have Eyes“ bis zu „Rob Zombies Halloween“ gibt es kaum Ausnahmen. „Black Christmas“ setzt(e) diesen Trend aber die blutige (Dornen)Krone auf! Während „Jessy“ Mitte der Siebziger noch fast ausschließlich auf Atmosphäre und Angst (sehr erfolgreich!) sein Gewicht legte, ist die 2006er-Version unfassbar gory und fast schon lustig brutal. Keine Übertreibungen: hier gibt es Bäume mit Menschenteilen, ekelhaften Inzucht und Unmengen an gegessenen Augen!!! Das ist der Wahnsinn... Wenn man sturer Fan des Originals und seiner unterschwelligen Stimmung, seines erfolgreichen Understatements ist, kann man das durchaus verreißen, zu oberflächlich und zum Kotzen finden. Gerade weil es Unmengen an plakativen Hintergründen und Erklärungen gibt, die das Original fein den Köpfen der Zuschauer überlässt. Oder man genießt einfach diesen Over-The-Top-Ansatz und die etlichen krassen Effekte, Szenen, Kills. Manchmal ist das etwas schnell geschnitten und echte Charakterisierungen sind Mangelware, vielleicht spielt auch der noch frische Schock des wirklich grausigen letztjährigen Ableger in die Karten - aber ich feiere „Black Christmas“ (2006) ohne Wenn und Aber! Einer der fetzigsten und absurdesten Weihnachtsschlitzer!
Fazit: härter, heftiger, hirnloser - eines der bösesten und positiv „verkehrtesten“ Horrorremakes der letzten 20 Jahre! Verdammt unterschätzt, das überraschende Gegenteil des subtilen Originals - dadurch aber definitiv mit Reiz. Und zehnmal besser als das scheußliche Remake aus 2019. Die 2006er-„Black Christmas“-Version rockt jede Vorweihnachtszeit und ist ein waschechter Splatterfilm. Klasse. Mit mittlerweile einigen bekannten weiblichen Gesichtern. Xmas war selten roter.