Die am lautesten gestellte Frage bei diesem Film wird sicherlich sein: Hat eine zweifache Oscarpreisträgerin das nötig, im zweiundsiebzigsten Aufguß rund um biblischen Apokalypsenhorror mitzuspielen?
Die Frage ist eigentlich obsolet, vielleicht hat es sie einfach gereizt und ehrlich gesagt kommt Hilary Swank tatsächlich noch am besten aus diesem Film heraus.
Stephen Hopkins, der Herr des noch erträglichen Mittelmaßes, saß nämlich an der Regieflüstertüte und da kann man wohl kaum Wunderdinge erwarten, sondern maximal solide Genrekost.
Und so ist „The Reaping“ dann auch geworden, ein ordentlicher, aber relativ unaufgeregter Abzählreim rund um die zehn biblischen Plagen, die scheinbar in einer kleinen Südstaatenstadt das Ende der Welt verkünden.
Nicht weniger, leider auch nicht mehr.
Produziert hat diesen Reißer „Dark Castle“, die sich ja inzwischen schon auf Durchschnittsware spezialisiert haben und man froh sein kann, wenn man sich nicht allzu sehr im Sessel winden muß.
Swank gibt hier die Wissenschaftsgläubige, deren Job es ist, sogenannte Wunder als erklärbare Geschehnisse zu entlarven. Gleich am Anfang klärt sie einen Fall von wundersamer Leichenerhaltung, die verdächtig nach „The Exorzist 2“ schnuppert, aber am Ende auf einem Giftmüllskandal beruht.
Von da an geht die Schlittenfahrt talabwärts in die Vorhersehbarkeit hinein.
Der neue Fall ruft, und dass da wirklich üble Mächte ihre Finger im Spiel haben, sagt uns schon eine fotoübergreifende Gesichtsverbrennung bei einem befreundeten Geistlichen.
Also ab in die Sümpfe, wo ausnahmsweise mal nicht die dicken Rednecks in jeder Pfütze hausen, es aber auch sonst irgendwie nicht ganz koscher ist.
Munter fliegen von nun an dem Zuschauer die Plagen um die Ohren, mal zweifelt unsere Schöne, mal glaubt sie an Tricks.
Daß natürlich was faul im Staate Hinterwald ist, kann jeder bemerken, der sich nicht total den Tricksequenzen hingibt, wobei die Heuschreckenattacke zwar am eindrucksvollsten ist, jedoch ihre PC-Herkunft nicht verhehlen kann. Natürlich sind alle und keiner verdächtig und das der schwarze Assi den Film überlebt, mag man schon von Anfang an nicht glauben.
Als Verursacher des Chaos hat man schon bald ein Kindelein enttarnt, doch letzten Endes geht’s dann doch (seltsamerweise) um eine Höllensekte und den Antichristen in Personaluninon und alles wendet sich noch öfter gar sehr um 180 Grad plus Schlußpointe, die zwar nicht ganz abgedroschen ist, die man aber auch riechen kann.
Schlüssig ist das natürlich alles überhaupt nicht und wie das Grüppchen aufrechter Satansverehrer hier es schafft, den Kreuzesmann Stephen Rea fernab des Geschehens in die nächste Welt zu befördern, überlassen wir mal dem Lallen des bierbeschwipsten Publikums.
Da man eh das Gefühl hat, einem „Malen-nach-Zahlen“ beizuwohnen, spielt das auch keine Rolle mehr.
Fakt ist aber: es gibt schlechtere Gruselfilme (u.a. das Omen-Remake, der direkte Verwandte) und dieser hier schmeckt ohne allzu grobe Geschmacklosigkeiten sogar zu Pizza, Riesenbaguette und Dosenbierpalette.
Am Ende bleibt ein Nachgeschmack von „Omen“, „Rosemaries Baby“ und „Das siebte Zeichen“, nur das die Vorgänger alle besser waren als dieser Epigone.
Wie gesagt, Hopkins kann keine guten Filme drehen, richtig schlechte sind aber nicht darunter.
Es ist schon platter geklaut worden für einen Zwischendurchsnack. (6/10)