Mit den Katastrophenfilmen aus Hollywood ist es ja bekanntlich immer dasselbe: Irgendein zerzauster Hobbywissenschaftler erklärt dem als Präsidenten getarnten Kinopublikum per Overhead-Projektor, wie und warum denn diesmal auf möglichst abstruse Weise die Welt gerettet werden muss und am Ende liegen sich der Vater-Held und sein aufmüpfiger Nachwuchs in den Armen. Mein Sitznachbar und ich vereinbarten so schon mal im Voraus, dass wir beim ersten Anzeichen eines Overhead-Projektors den Saal verlassen würden.
Aber hoppla! Der Film beginnt bereits mitten in der Mission, niemand ist von irgendwem der Vater und man erfährt tatsächlich den ganzen Film nicht, warum die Sonne eigentlich das zeitliche segnet. Elegant das Klischee umschifft, Herr Boyle, und auch noch von der Notwendigkeit einer wissenschaftlich hanebüchenen Erklärung befreit! Sollte eigentlich das beste für das Drehbuch hoffen lassen, doch leider liegt genau hier die große Schwäche des Films: Das Skript strotzt nur so von hanebüchenen Logikbrüchen und Handlungsfehlern, gerade zum Ende des Films hin, dass die mühsam aufgebaute Spannung und Atmosphäre leider zusehends verpufft. Die ganzen Ungereimtheiten hier aufzuzählen, würde zum einen den Rahmen jedes Reviews sprengen und zum anderen zu viel vom Film spoilern, daher soll's hier bei der virtuellen Ohrfeige für die Drehbuchautoren bleiben...
Zum anderen nervt mit der Zeit das digitale CGI-Gewitter. Dem Zuschauer muss natürlich wiederholt unter die Nase gerieben werden, dass die Sonne ganz doll heiß und hell ist, und wiedeholt ist es im Kino taghell, weil die Leinwand überwiegend weiß erstrahlt. Den digital verzerrten Hitzebildern wird aber gegen Ende überhaußt kein Einhalt mehr geboten, dass er scheint, auch Danny Boyle lag wohl, ähnlich wie Drehbuchautor Alex Garland, ein wenig zu lange in der Sonne. Das Sounddesign schließt sich dem visuellen Lärm natürlich an, und alles, was sich durchs Bild bewegt und kein Mensch ist, muss natürlich irgendwie ein "wuuuusch" von sich geben. Ganz schön laut im Weltraum mal wieder... Das ging bei Kubricks "2001" doch auch ohne...
Die Darsteller sind da noch das beste - Cillian Murphy natürlich sowieso, aber auch die Asien-Superstars Sanada Hiroyuki und Michelle Yeoh in ungewohnten Rollen wissen zu überzeugen. Über weite Strecken ist das Ganze auch durchaus spannend und unterhaltsam - aber mit der Glaubwürdigkeit verabschiedet sich gegen Ende leider auch jegliches Zuschauerinteresse - was bleibt, sind ein wenig Budenzauber und gute Absichten. Hätte echt mehr draus werden können!
Ach ja, der Overhead-Projektor in technisch upgedateter Form taucht im Film natürlich doch noch auf. Wir sind jedenfalls trotzdem nicht gegangen...
(5/10)