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Nachdem das Frühjahr 2007 eine recht lange Durststrecke für Cineasten darstellte, beginnen nun endlich die ersten heißen Sonnenstrahlen auch im Kino. "Sunshine" vereint erneut Regisseur Danny Boyle ("Trainspotting", "The beach") und Autor Alex Garland, die bereits mit "28 days later" ein in Erinnerung bleibendes Filmerlebnis kreierten, ebenfalls mit Cillian Murphy ("Red eye", "Batman begins") in der Hauptrolle.

Nachdem die Raumfähre "Icarus I" auf Ihrer Mission, der Sonne durch eine Sprengladung neue Energie einzuhauchen (deren Energie hält wohl doch nicht mehr ganz so lange), verschwand, startet man einige Jahre später mit den gleichen Mitteln einen finalen Versuch, die Menschheit zu retten. Nur noch für eine letzte Nuklearbombe reichen die Ressourcen der Erde aus. Auf Ihrer Route empfängt die Crew plötzlich ein Hilfesignal des Vorgängerschiffes. Physiker Capa (Cillian Murphy) trifft eine folgeschwere Entscheidung: die "Icarus II" soll vom Kurs abweichen, um die erste Bombe einzusammeln, was einen möglichen, alternativen Sprengversuch bringen könnte und somit auch die Erfolgschancen erhöhen würde.

Die "Icarus II" entfernt sich immer weiter von ihrem eigentlichen Kurs, die Story schließt sich dem leider an. Boyle schafft gekonnt eine sehr gute, dichte Atmosphäre. Er zaubert wunderbare Bilder und der Soundtrack ergänzt diese zu einer wunderbaren Komposition. Die Mission gerät in Gefahr zu scheitern; oder vielleicht ist es auch nur das Überleben der Crew? Wie in der intergalaktischen Enttäuschung "Armageddon" werden unsere Helden mit vielen Hürden konfrontiert, man verliert Mitglieder der Besatzung - und das Drehbuch den roten Faden.

Nachdem "Sunshine" eine volle Stunde versteht, den Kinobesucher die Leinwand bestaunen zu lassen, nimmt sich der Film selbst Teile seiner Substanz. Das Drehbuch holpert durch einen Sternenhagel und bekommt einen Schlag auf voller Breitseite. Viel Innovation weiß der komplette Film nicht zu bieten, eher einen erst sehr lecker erscheinenden Cocktail aus altbekanntem. Nach einer gekonnten Homage an "2001 - Odyssee im Weltraum", misslingt es dem Film, tiefer in Materie einzutauchen. Jeder Ansatz einer Erstaunen verursachenden Wendung oder eines philosophischen Touches wirkt sich inkonsequent auf das komplette Werk aus und am Ende bleibt eine Story, die knapp an dem Ziel vorbeischießt! Elemente, die an "Abyss" und "Event Horizon" (ja, wirklich... der!!!) erinnern, vermischen sich und lassen einen faden Nachgeschmack auf dem visuell erstaunlichen Ende. Wir verlassen das Kino und versuchen noch einen Ausweg aus der verworrenen Story zu finden - aber jeder Ausweg erweißt sich als undurchdringliche Luftschleuse.

Wirklich, ein paar Dinge kann ich gerne schlucken - z.B. (Spoiler vom Autor entfernt) in dem hervorragenden "The prestige". Hier gibt es aber zu viel zu schlucken - ein fetter Klos, der nicht runter will. Das Drehbuch drübt trotz guter Ideen den Gesamteindruck - der laute, krelle CGI-Kosmos wirkt am Ende leider nur noch - laut und krell.

Ein Meisterwerk ist Danny Boyle somit leider nicht gelungen, handelt es sich zwar um einen überdurchschnittlichen Film - aber unterdurchschnittlich für ihn, hat er doch schon recht häufig sein Können bewiesen. Dies hat er sicher auch hier - leider reicht nun mal die Optik und die intensive Atmosphäre nicht über das einbrechende Drehbuch hinweg. Wenigstens ist unsere Erde gerettet.

Oder doch nicht?
(7 Punkte)

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