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In naher Zukunft droht die Leuchtkraft der Sonne zu erlöschen und die Erde versinkt in einem solaren Winter. So wird ein Plan ersonnen, das komplette spaltbare Kernmaterial der Welt zum Bau einer Bombe zu verwenden, die die Größe von Manhattan Island/ New York hat. Ein Missionsraumschiff, die Ikarus, soll diese Bombe zur Sonne fliegen und sie im Kern derselben zünden.
Doch die Ikarus geht verloren und sieben Jahre später wird eine erneute Mission, die Ikarus 2 auf die gleiche Mission geschickt, mit an Bord der Erbauer und Konstrukteur des gewaltigen Sprengkörpers.
Kurz vor dem Ziel entdeckt die Crew ihr Vorgänger-Raumschiff in der Nähe des Merkur und entscheidet sich, die noch äußerlich intakte zweite (also eigentlich erste) Bombe als Chancenerhöhung der Mission zu verwenden.
Doch bereits nach dem Kurswechsel der Flugbahn werden erste Verluste hingenommen und als die Crew der Ikarus 2 an der Ikarus andockt und das Schiff untersucht, droht die gesamte Mission zu scheitern...
Klingt ein bißchen nach "Event Horizon", nur dass hier nicht das Schiff oder die Schiffe im Mittelpunkt stehen sondern der menschliche Forschergeist, Entwicklungswillen und die Überlebenskraft.

Im Angesicht drohenden Scheiterns die richtigen Entscheidungen zu treffen, diese Maxime war wohl eines der Leitsätze im Drehbuch des Autors Alex Garland, mit dem Regisseur Danny Boyle bereits bei "The Beach" und "28 Days later" zusammenarbeitete.
Und auch in "Sunshine" gelingt den beiden Briten wieder eine Neusicht auf das Genre Science-Fiction, ebenso wie beim Vorgänger, der die beiden Filmarten "apokalyptische Endzeitversion" mit dem der Vampir-/ Zombiefilme verband.
Die Figuren werden in der Exposition ausreichend genug eingeführt, um die üblichen Charakterklischees erfolgreich zu umschiffen, auch wenn Chris Evans und Cillian Murphy sich alleine wegen ihres Körperbaus als gegensätzliche Pole charakterisieren lassen.
Der eine der übliche Hau-drauf-Amerikaner, der andere der besonnenere und durchdachte Wissenschaftler. Doch Garland gelingt hier das Kunststück, beide Personen um einige ungewohnte Charaktereigenschaften zu ergänzen. So lässt sich der hagere junge Physiker auch mal hitzköpfig auf die ein oder andere Schlägerei ein, während der auf den ersten Blick oberflächlich entwickelte Muskelprotz im Laufe der Handlung stets als einziger einen kühlen Kopf bewahrt.

Um der Crew der Ikarus 2 einen möglichst multikulturellen Anstrich zu verleiehen, setzt sie sich aus Menschen unterschiedlicher Rassen- und Kulturangehörigkeit zusammen. So ist der Kapitän ein Japaner, die Ökologin und der Wissenschaftsoffizier Chinesen und der Bordarzt arabischer oder südamerikanischer Abstammung.
Wie natürlich nicht zu vermeiden, kommen da ein paar der handelnden Personen zu kurz und ehe sie vollständig charakterisiert wurden, hat man sie auch schon aus der Handlung verbannt oder in den Hintergrund gedrängt. "Sunshine" hält über seine komplette Lauflänge stetig eine konstante Spannung aufrecht und erliegt niemals der Versuchung, die Effekte über die Charaktere zu stellen, obwohl hier ein paar tolle Sonnenbilder zu sehen sind. Dabei wird man jedoch das Gefühl nicht los, alles irgendwo schon einmal gesehen zu haben, sei es in Paul Andersons "Event Horizon", Brian De Palmas "Mission To Mars", Walter Hills "Supernova" oder gar Michael Bays "Die Insel".

Doch Danny Boyle wäre nicht Danny Boyle, wenn er dem Publikum nicht auch hier die Gewissheit geben würde, sich in jedem Genre gut auszukennen und zu beweisen, dass er seine Vorbilder aufs genaueste studiert hat.

So entwickelt sich die Storyline dann doch zu der einen oder anderen Überraschung und zusammen mit der Musik (ein tolles Gastspiel von UNDERWORLD) und den wirklich grandiosen Effekten erweitert sich das Boyle/Garland-Spektrum um einen weiteren leicht philosophisch angehauchten Unterhaltungsfilm mit Botschaft auch wenn diese dann doch schon mit Holzhammer-Methode eingeführt wird.
Wen es nicht kümmert, was große Filmmagazine schreiben und wer auch noch mal einem britischen Science-Fiction-Film eine Chance geben möchte, der kommt mit "Sunshine" voll auf seine Kosten. Nicht alles ist bereits bekannt und sowohl Darsteller als auch Inszenierung unterstützen den Zuschauer auf einer beeindruckend inszenierten, niemals ins plumpe Action-Fach abrutschenden Odysse zu einem Planeten, der sowohl Beginn als auch Ende allen Lebens bedeuten könnte. Eine solide und sehr spannende Reise ins Orbit und ein wirklich guter Vertreter des Science-Fiction-Genres der letzten Jahre!

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