Der Regisseur Danny Boyle hatte seinen ersten großen Erfolg 1996 mit "Trainspotting". Dadurch wurde auch Ewan McGregor einer breiten Öffentlichkeit bekannt und Boyle drehte mit ihm ein paar Jahre später die etwas schwächere Komödie "Lebe lieber ungewöhnlich". Weniger bekannt aber gut ist seine schwarze Komödie aus dem Jahre 1994 "Kleine Morde unter Freunden". Zur Jahrtausendwende folgte mit "The Beach" mit Leonardo di Caprio eine größere, aber mittelmäßige Produktion. Zwei Jahre später der Horrorstreifen "28 days later". Nach einem Abstecher in das Reich des fantastischen Dramas "Millions" nun ein Science Fiction: "Sunshine". Eines muss man Boyle lassen, vielseitig ist er.
Als Schauspieler holte er sich wieder Cillian Murphy und Rose Byrne an Bord, die schon in "28 days later" zu überzeugen wussten sowie den US-Amerikaner Chris Evans ("Fantastic Four"), der über die gesamte Filmlänger eher blass bleibt.
Erstaunlich gut, wenn auch nicht herausragend, schlägt sich Michelle Yeoh, die hier eindeutig eine bessere Figur abgibt als damals in "Der Morgen stirbt nie" als Bondgirl an der Seite von Pierce Brosnan.
Die Story beginnt auch gleich auf dem Raumschiff nach einer kurz gesprochenen Einleitung: Die zum Überleben auf der Erde notwendige Sonne stirbt und ein Raumschiff wurde ausgesandt, um eine Bombe zu zünden, die Sonne wieder zu erleuchten. Das Raumschiff scheitert bei dieser Mission. Nun sind wir an Bord der IKARUS II, die mit acht Mann starker Besatzung einen zweiten Anlauf nimmt.
Der Icarus aus der griechischen Mythologie ist bei seinem Versuch, der Sonne zu nah gekommen. Wird es der Crew ähnlich ergehen und sie scheitern? Doch das ist nicht die einzige Frage, die sich beim Betrachten des Films stellt. Da kommt es noch zu einem Notruf, der aufgeschnappt wird und alle Mitglieder der Besatzung sind sich auch nicht grün. Reichlich Stoff also.
Boyle gelingt es, in eindrucksvollen – aber nicht allzu kitschigen – Bildern eine spannende Atmosphäre zu erzeugen. Inwieweit das alles astronomisch korrekt und physikalisch machbar ist, kann und will ich nicht beurteilen. Das ist dann was für die, die mit dem Notizblock vorm Bildschirm sitzen und nach Fehlern suchen. Wenn es ihnen Spaß macht. Als spannende Unterhaltung ist Boyles Werk nämlich sehr gut gelungen und kann weitgehend überzeugen.
Es kommt auch ein bißchen Erinnerung an Science-Fiction-Klassiker der Marke "Lautlos im Weltraum – Silent Running" oder auch "Alien" auf. Das gelingt Boyle zudem, ohne die zitierten Werke zu kopieren. Es gelingt ihm eine eigenständige Darstellung und Erzählweise. Klasse. Er baut geschickt eine leicht ansteigende Spannung auf und präsentiert uns auch die eine oder andere Überraschung. Natürlich bleiben die Konflikte und Spannungen unter den Mitgliedern nicht aus; auch diese sind nicht übertrieben dargestellt und sind interessant – die Vorhersehbarkeit hält sich in Grenzen.
Leider und das ist sehr schade, ist das letzte Drittel ein bißchen zu konfus und hektisch, ja fast undurchsichtig geraten und trübt den Gesamteindruck ein wenig. Zum Klassiker reicht es daher nicht, aber wenn man sich als Vergleich dazu "Armageddon" anschaut, der eine ähnlich Thematik hat, dann weiss man was Boyle richtig gemacht hat.
7/10