Der Brite Danny Boyle (28 Days Later, The Beach) startete damals mit "Trainspotting" richtig durch, zu letzt inszenierte er den Oscar gekrönten "Slumdog Millionär". Und obwohl sein "Sunshine" eine erfrischende Abwechslung zu den sonstigen Erduntergangsszenarien darstellt, floppte er an den Kinokassen. Das Drehbuch hierzu schrieb Alex Garland (The Beach, 28 Days Later).
In der Zukunft ist die gesamte Welt unter einer Schneedecke begraben, denn die Sonne stirbt. Schon vor sieben Jahre schickte man die Icarus I zur Sonne, um sie mit Hilfe einer Bombe neu zu entfachen. Doch die Operation schlug fehl, die Icarus I verschwand spurlos. Nun wird ein zweites Raumschiff auf den Weg geschickt als letzte Chance die gesamte Menschheit zu retten. Die Crew um Captain Kaneda (Hiroyuki Sanada) und den Physiker Capa (Cillian Murphy) merkt schnell, warum die erste Mission scheiterte. Sie spüren die Icarus I kurz vor dem Abwurfpunkt der Bombe auf, doch durch die Kursänderung kommt es bald zur Katastrophe. Schnell gibt es die ersten Opfer zu beklagen und bald ist nicht mal genügend Sauerstoff vorhanden, um die Bombe ordnungsgemäß abzuwerfen.
Mit irgendwelchen Vorgeschichten hält sich Boyle nicht auf. Zu Filmbeginn befindet sich die Icarus II schon auf der Reise zur Sonne. Das technisch versierte Personal an Bord wird uns im Schnellverfahren vorgestellt, nur über Capa darf man ein wenig mehr erfahren. Doch man fragt sich schnell, warum nicht eine zweite Kapazität an Bord ist, welche die Bombe starten kann, falls Capa etwas zustößt. So genießt er beim Personal zwar eine sehr hohe Priorität, dennoch könnte so diese wichtige Mission schnell zum Scheitern verurteilt sein. Optisch bietet uns Boyle einen absoluten Leckerbissen, selbst die zahlreichen CGI-Effekte fallen kaum negativ ins Gewicht. Aber mit Stilmitteln könnte er ein wenig haushalten, besonders das Finale geizt nicht mit hektischen Schnitten und seltsam verzerrten Bildern. Die Leere und Abgeschiedenheit im All strahlt stets eine gewisse Bedrohung aus, der kleinste Fehler kann hier eine Katastrophe auslösen. Und tatsächlich macht hier nicht das Material schlapp, sondern ein minimaler Denkfehler löst eine ganze Kettenreaktion aus. Denn nach Ortung der Icarus I ändert man den Kurs geringfügig, hätte man dies nicht getan, wäre einem guten Ausgang der Mission wohl nichts im Wege gestanden. Aber es befinden sich nun mal nur Menschen an Bord und die sind nicht unfehlbar. Schnell wird klar, das Scheitern der Icarus I basiert auf menschlichem Versagen.
Und von nun an folgt ein spannender Moment dem nächsten, denn es gilt Reperaturen an der Außenhülle durchzuführen, ein Crewmitglied verliert den Verstand und der botanische Garten welcher den nötigen Sauerstoff liefert wird zerstört. Den Kontakt zur Erde hat man verloren und die Crew wird kontinuirlich dezimiert. Im letzten Drittel finden sogar einige Horrorelemente in den Film, ich möchte an dieser Stelle nicht zuviel verraten. Vor allem spielt sich das Ganze völlig ohne Pathos ab, es wird in keinster Weise mit der Fahne geschwenkt, wenn sich ein einzelnes Crewmitglied opfern muss. Die Mission hat oberste Priorität, selbst wenn es den Verlust der Menschlichkeit bedeutet. Boyle hält die hohe Spannung tatsächlich bis zum Ende durch, auch wenn es da ein wenig absurd wird. Und trotz der eher oberflächlichen Figuren fiebert man bis zum Schluss mit. Die recht prominente Besetzung, bestehend aus Cillian Murphy (28 Days Later, Batman Begins), Michelle Yeoh (Der Morgen stirbt nie, Police Story 3), Cliff Curtis (Stirb Langsam 4.0, Collateral Damage), Rose Byrne (28 Weeks Later, Troja), Hiroyuki Sanada (Last Samurai, Rush Hour 3) und Mark Strong (Sherlock Holmes, Robin Hood) macht ihre Sache durchweg überzeugend.
Es beginnt gediegen, doch Boyle zieht die Spannungsschraube an und verpackt seinen Film in beeindruckende Bilder. Im letzten Drittel wird es ein wenig abwegig und der erhöhte Einsatz von Stilmitteln nervt. Doch "Sunshine" ist trotzdem ganz anders, als die sonstigen Beiträge, erfreulicherweise ohne triefenden Pathos. So kann man hier ohne Bedenken einen Blick riskieren und es bleibt unverständlich, warum dieser Film an den Kinokassen durchfiel.