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I wear my Sunglasses in Space

"Sunshine" erzählt von einer Rettungsmission zur Sonne, da diese immer schwächer wird und die Erde zu erfrieren droht. Eine riesige Bombe soll dem gelben Riesen wieder etwas mehr Dampf verleihen und die achtköpfige Crew der Icarus II hat das Schicksal der gesamten Menschheit in ihren Händen... "Sunshine" ist ein höchst modernes Sci-Fi-Abenteuer, wie man es nicht anders von Regisseur Danny Boyle erwarten würde. Dennoch zieht er sichtbar den Hut vor Meilensteinen des Genres, ohne diese zu sehr zu imitieren, ohne zu sehr zu entschleunigen, ohne zu sehr abzulenken. "Sunshine" macht Spaß und nachdenklich zugleich und ist eine der filmischen Rettungsaktionen unserer Spezies, wie man sie nicht so schnell vergisst... eine audiovisuell bahnbrechende Fusion aus Alt und Neu! Danny Boyle ist einer dieser unterschätzten Allrounder, der alles kann, vieles sogar sehr gut, doch an den man trotzdem nie als erstes denkt, wenn es um die besten Regisseure geht. Eigentlich seltsam nach Filmen wie "Trainspotting", "Slumdog Millionaire" oder eben dem polarisierenden "Sunshine"...

Die spannende Reise zur Sonne ist mal meditativ und mal nervenaufreibend, mal entschleunigt und gegen Ende dann doch wieder sehr stromlinienförmig. Fast wirkt es so, als ob sich die Macher nicht entscheiden konnten, was ihr Baby im Endeffekt werden sollte. Oder dass keiner die dicken Eier hatte, sich final durchzusetzen. Nichtsdestotrotz überwiegen die positiven Aspekte für mich deutlich. Jedes Bild ist ein Kunstwerk, das Schiff als unsere letzte Hoffnung ist spürbar, ist fühlbar, ist berühbar. Ebenso sind die Figuren glaubhaft, sympathisch und trotz überlebensgroßer Bilder und überwältigenden Tönen wirkt das Spektakel nie aufgesetzt oder gar kitschig. Alles hat seinen (realistischen) Platz und weiß, wohin es gehört. Mit dem letzten Drittel hat sich der Regisseur zwar etwas selbst hintergegangen und keinen Gefallen getan - doch beeindruckt und mitgenommen bleibt man dennoch zurück. Für jeden Sci-Fi-Fan ist "Sunshine" schlicht ein Must-See. Jedes der Einzelteile kennt man, doch derart nahtlos zusammenhängend und majestätisch angeordnet, hat man sie nur ganz selten gesehen.

Fazit: lange Zeit nahe an einem Sci-Fi-Meisterwerk - berührend, strahlend, hell, aufwühlend. Hintenraus mit seinem Horroranteil dann etwas generischer und berechenbarer, schon etwas enttäuschend. Trotzdem: Danny Boyle macht hier sehr viel richtig und fasziniert im All fast wie die größten vorangegangenen Pioniere seiner Zunft (Kubrick, Tarkowski, Scott, Carpenter).

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