Review
von Alex Kiensch
Die Leuchtkraft der Sonne schwindet - die Menschheit steht vor dem Ende. Als letzte Rettung wird ein Team in Richtung Sonne geschickt, das mit einer gigantischen Bombe neue Energie in ihr Zentrum schießen soll. Es ist bereits das zweite Team - das erste ist sieben Jahre zuvor verschollen. Als die neue Crew hinter dem Merkur Funksignale des ursprünglichen Raumschiffs auffängt, beschließt sie, ihren Kurs zu ändern und der Mannschaft, wenn möglich, zu helfen. Eine Entscheidung mit fatalen Folgen.
Danny Boyle, der mit seinen Zombiefilmen "28 Days Later" und "28 Weeks Later" frischen Wind ins Genre gebracht hatte, wendet sich mit diesem Film der Science-Fiction-Ecke zu. Dazu bedient er sich modernster, wirklich überzeugender Tricktechnik und einer ebenso klugen wie hochspannenden Story. Und auch wenn der Großteil der Bilder computergeneriert ist, findet er eine Formensprache von wirklich beeindruckender Ästhetik. Wenn sich die Crewmitglieder in einem speziellen Raum die Sonne durch extrem verdunkeltes Glas anschauen oder wenn im späteren Verlauf dieser Raum von purem Licht durchstrahlt wird, eröffnet das eine faszinierende Perspektive auf Details, die uns sonst alltäglich und kaum erwähnenswert vorkommen.
Über die Inszenierung hinaus machen die Schauspieler ihre Sache gut. Je weiter die Story fortschreitet, desto intensiver wird das beklemmende Gefühl der Klaustrophobie und Abgeschiedenheit, das nicht nur durch das Setting erzeugt, sondern auch von den Darstellern glaubhaft vermittelt wird. Und spätestens im Finale schlägt der Film noch zu einem handfesten Horrorstreifen um, der mit beängstigender Hochspannung punktet. Und über all dem schwebt ununterbrochen die Bildkraft einer gigantischen, strahlenden Sonne.
Da stören auch eine Reihe kleinerer und größerer Schwächen nicht übermäßig. Zum einen merkt man dem Film an, dass er gern anspruchsvoller wäre als er tatsächlich ist. Dialoge über Bedeutung von Licht und Dunkel oder Wert und Unwert einzelner Menschenleben im Vergleich zum Schicksal der Menschheit implizieren immer wieder Vergleiche mit Genrevorbildern, allen voran natürlich Kubricks Meisterwerk "2001 - Odyssee im Weltraum". Dass "Sunshine" dessen intellektuelles Niveau zu keinem Zeitpunkt auch nur streift, sollte aber nicht weiter stören - wenn man ihn als reinen Spannungsfilm und nicht etwa als Kunstfilm versteht. Weiterhin gibt es die eine oder andere logische Schwachstelle und vor allem in der ersten Hälfte durchaus einige weniger spannende, um nicht zu sagen langatmige Szenen - so ist etwa die Reparatur des Raumschiffs nicht annähernd so packend, wie die dramatische Musik behaupten will.
Dafür entschädigt "Sunshine" aber wie gesagt mit einem Hochspannungsfinale, genial-faszinierenden Spezialeffekten und einer durchaus originell inszenierten Story. Und auch die dramatische Auflösung passt zur Atmosphäre des ganzen Films. Insgesamt also ein Beitrag zum Science-Fiction-Genre, den man sich gern mal anschauen kann.