Review

Zielgruppenorientiertes Drehbuchschreiben muß nicht zwingend Grütze bedingen, allerdings kommen Meisterwerke auf diese Art und Weise nie zustande. Aber manchmal begnügt man sich ja auch mal mit leckerer Imbißware und hat keinen Grund zur Beschwerde.

„Die Regeln der Gewalt“ (übrigens ein erfrischend sinnloser Titel) ist so ein Fall und die Tatsache, dass Joseph Gordon-Lewitt, der in „Brick“ brillierte, die Hauptrolle spielt, lässt den Filminteressierten schon mal milde gestimmt. Zwar entbehrt „The Lookout“ des genialen Funkens, den „Brick“ auszeichnete, aber solide Arbeit soll man auch loben.

Im Wesentlichen ist „The Lookout“ so eine Art „Memento“-Neufassung für die MTV-Generation – ein ehemaliger Eishockeycrack endet nach einem Autounfall mit Hirnschaden in einer Behinderten-WG bei einem Blinden und gerät an falsche Freunde und einen Bankraub, den er zunächst, unzufrieden mit seinen Lebensaussichten (daher der Originaltitel), unterstützt. Natürlich überlegt er sich es am Ende anders und akzeptiert seine Situation…so oder ähnlich…dies ist einer von den Filmen, die einen schon zur Halbzeit von ihrem Ausgang überzeugt haben und dann auch genau auf den erwarteten Punkt zusteuern.

Das ist nicht mal schlecht, in einer „Fargo“-ähnlichen Wintergegend kommt der Film sogar stets gut aus den Puschen, übertreibt es weder mit Drama noch mit Thriller und vermeidet extreme Langeweile recht ordentlich, ohne wirklich tief zu schürfen.

Die Konstruktion ist relativ solide, das Finale natürlich etwas hanebüchen happy endend und wenn ich über etwas nörgeln sollte, dann darüber, dass die Folgen des Hirnschadens so ungeschickt eingebaut wurden, dass sie manchmal nur wegen des dramtatischen Effekts im Buch stehen. Wenn ein Charakter Probleme hat, eine Dose zu öffnen, um ein Essen zu bereiten, sich an gewisse Dinge nicht erinnern kann (einfach Substraktionen), aber beständig selbst Auto fährt, dann wirkt das willkürlich und man kann sich nur deshalb nicht laut beschweren, weil das Gehirn eben ein relativ unerforschtes Ding ist.

Überraschenderweise kommt „The Lookout“ ab der Halbzeit fast komplett ohne aufgesetzte Love Story aus, sondern die Macher konzentrieren sich auf die Spannungskurve.
Die Bad Guys und falschen Freunde kommen dann auch so manches Mal unentschieden zwischen brutalen Killern und Fachidioten des Weges.
Als muntere Matineeunterhaltung muß man sich darüber aber nur wenig ärgern, vor allem weil Jeff Daniels als blinder Mitbewohner problemlos jede Szene stiehlt, in die er seine Nase reinhalten kann und dem Drama den nötigen Schuß Humor verpasst.

Alles in allem ein Film, der wirklich für Teens und Twens konzipiert wurde und mangels bekannter Gesichter wohl nur ein Kleinerfolg in den Kinos wird, aber durchaus sein Geld auf DVD machen wird – eben weil er in kaum einer Hinsicht richtig schlecht ist.
Wenn man aber ähnliche Zielgruppenware betrachtet und die mäßige bis schlechte Qualität vergleicht, wünscht man doch, solche Filme würden etwas besser beworben werden. (6,5/10)

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