Review

Chris wacht auf. Er duscht sich. Mit Seife. Er frühstückt. Er liest keine Zeitung. Chris geht in die Schule um Verhalten und Gedächtnis zu erlernen. Und abends arbeitet er als Hausmeister in einer Bank. Chris ist ein ganz normaler junger Mann, der nach einem schweren Unfall vor 4 Jahren Probleme hat. Er kann sich vieles nicht merken, und die ganz alltäglichen Dinge muss er in sein kleines Notizbuch schreiben. Das Öffnen einer Büchse Tomaten stellt ihn vor schier unüberwindbare Hindernisse. Was ihn natürlich hemmt und in eine Rolle drängt, die er als früherer Eishockey-Star auf dem College nie kannte. Alles ändert sich, als er Gary trifft. Gary ist cool. Gary hat Erfolg bei Frauen. Gary akzeptiert Chris wie er ist. Und Garys Freundin Luvlee steht total auf Chris. Gary will mit seinen Freunden die Bank überfallen, in der Chris arbeitet. Und Gary weiß verdammt genau, wie er Chris anpacken muss, damit der mitzieht. Luvlee ist da ein wesentlicher Teil des Plans …

Mir gefällt, wie Scott Frank sich die Zeit nimmt um die Charaktere einzuführen, die Geschichte von Grund auf aufzubauen, und einfach Wert legt auf klassisch-altmodisches Storytelling. Mir gefällt, wie die Schauspieler, vor allem der überragende Joseph Gordon-Levitt, mit ihren Rollen verwachsen und das Leben am Rand der Gesellschaft so natürlich darstellen, als würde es kein anderes geben. Mir gefällt, wie in der kalten und frostigen Atmosphäre einer winterlichen Kleinstadt ein tödliches Uhrwerk mit großer Präzision abläuft: Der Plan von Gary ist definitiv nicht schlecht, “nur“ den menschlichen Faktor lässt er dummerweise außen vor. Mir gefällt, wie Chris die Waffen von Gary gegen ihn selbst einsetzt und den Spieß umdreht. Und mir gefällt das eisige Showdown im besten Westernstil, das gern ein klein wenig ausgewalzter hätte sein können.
Normalerweise mag ich Filme mit Loosern in der Hauptrolle nicht. Aber Joseph Gordon-Levitt gibt der Rolle so dermaßen viel Leben, dass hier einfach alles anders ist als in so vielen anderen der kleinen US-Filme der letzten 20 Jahre. Ein ruhiges und sich geschickt steigerndes Krimi-Drama, das mit einer unglaublichen Logik zielsicher auf einen bleihaltigen Schluss hinsteuert. Leider muss ich aber Punkte abziehen für das seicht-biedere Ende (warum sind diese Filme eigentlich immer 3 Minuten zu lang geraten?) und für die Vorhersehbarkeit der meisten Szenen. Aber dank der Schauspieler und der schön erzählten Geschichte allemal sehenswert.

Details
Ähnliche Filme