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Mit starken und extravaganten Rollen in Filmen wie "Mysterious Skin" oder "Brick" hat sich Joseph Gordon-Levitt in den vergangenen Jahren in Hollywood einen Namen gemacht - das dürfte spätestens sein Part in dem Blockbuster "Inception" bewiesen haben. Doch auch die Hauptrolle in dem weniger bekannten Gangster-Drama "Die Regeln der Gewalt" trägt er souverän und ausdrucksstark: Er spielt den durch einen Unfall traumatisierten Chris, der von einer Gangster-Bande gezwungen wird, ihnen bei einem Banküberfall zu helfen. Natürlich geht alles schief und ein Kampf auf Leben und Tod entbrennt.

Die Dramatik der Handlung entfaltet sich langsam und sehr zurückhaltend. Den Großteil des Films über steht der Kampf gegen die Spätfolgen des Unfalltraumas im Mittelpunkt - Ticks und schwer kontrollierbare Wutausbrüche scheinen ein gewöhnliches Leben unmöglich zu machen. Dank Gordon-Levitts Präsenz baut sich eine große emotionale Nähe auf, die durch die etwas klischeehafte Nebenfigur des blinden Kumpels mit den lockeren Sprüchen (Jeff Daniels, ebenfalls sehr überzeugend) konterkariert wird. Sehr sensibel wird der Gegensatz zwischen der traumatisierten Auffassung der Umwelt und dem Handeln der Umgebung aufgezeigt.

Nur Stück für Stück webt sich der Handlungsfaden um die Verbrecherbande in den Lauf der Dinge. Diese zurückhaltende Entwicklung verleiht der Story eine große Ruhe, die den dramatischen Passagen zum Ende hin umso mehr Gewicht verleiht. Dazu passt die unaufdringliche Kameraführung ebenso wie der Musikeinsatz und der Verzicht auf unnötige Gewaltszenen - auch wenn diese sich im Finale angeboten hätten.

Obwohl die Story an sich nicht gerade neu ist und dem Film definitiv die inhaltliche und formale Stringenz fehlt, um ein Klassiker zu werden, bietet er doch gut zubereitete Genrekost. Dank der einfühlsamen Geschichte und vielschichtig gezeichneter Figuren bietet er allemal mehr Tiefgang als viele herkömmliche Gangsterfilme. Und Gordon-Levitt hat einmal mehr Gelegenheit, zu zeigen, was in ihm steckt. Und das scheint eine ganze Menge zu sein.

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