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Als der geliebte Vater des 9jährigen Joey plötzlich stirbt, und der Junge auch sonst keine Freunde hat, steht der Junge ganz allein da und wird nur schwer mit dem Verlust fertig. Als eines Tages Joeys rotes Spielzeugtelefon klingelt und unvorstellbarer Weise sein Vater aus dem Jenseits am Apparat ist, blüht Joey wieder auf! Er verleiht dem Jungen telekinetische Kräfte bei dem er in der Lage ist, Dinge schweben zu lassen. Nachdem Joey beim Spielen im Nachbarshaus die Bauchrednerpuppe Fletcher findet, und zu sich holt, entwickelt diese ein grausames Eigenleben und ist richtig bösartig!

Das waren noch Zeiten als Roland Emmerich mit deutschen Schauspielern in einer alten Waschmaschinenfabrik in Sindelfingen Filme machte. Allerdings merkt man bei Joey schon mehr als deutlich, das seine Vorbilder auf der anderen Seite des Atlantik zu suchen sind. Sein zweiter Spielfilm schreit dies schon deutlich voraus und gibt's sich als eine Art Kopie von Poltergeist mit einem kleinen Schuß ET.
Die FSK 12 Freigabe verrät allerdings schon vorab, das die Mär um die böse Puppe in etwa auch diesem Zielpublikum entspricht. Für Erwachsene ist im Grunde eigentlich eher nur die letzte halbe Stunde interessant, alles weitere ist doch sehr kindlich zugeschnitten, seien es jetzt Joeys Außenseiterrolle in der Schule oder die Kabbeleien und Überwachungsaktionen seiner Mitschüler, als plötzlich das Haus voller Wissenschaftler ist, könnten auch locker in jeder beliebigen Kindersendung Platz finden.
Loben darf man hier auf jeden Fall die Special FX Abteilung, deren Tricks man zwar das Jahr 1985 mittlerweile ansieht. Dafür sind die Menge und die Qualität sehr groß, zumal Emmerich hier ja noch nicht mit Trilliarden-Budgets um sich werfen konnte. Die böse Fletcher Puppe strahlt dann auch eine starke Bedrohlichkeit (allerdings erkennt man sofort allein am Monokel auf den ersten Blick deren abgrundtiefe Verdorbenheit, irgendwo angesiedelt zwischen despotischem Adligen und einem Nazibonzen). Zusammen mit dem monsterintensiven (von Darth Vader bis menschenfressenden Hamburgern ist alles dabei) Showdown im Labyrinth kann man hier durchaus schon von einem gewissen Horrortouch sprechen.
Die Story ist dafür weit weniger ausgereift. Wir haben es hier zwar mit einem phantastischen Stoff zu tun, aber speziell in der zweiten Halbzeit kann von logischer Entwicklung keine Rede mehr sein. Alle Welt hat da telekinetische Kräfte, was die Puppe motiviert bleibt im dunkeln und die Abläufe im Finale kann man locker mit einem "ist halt so" zusammen fassen. Entsprechend unglücklich ist dann der kurze mentale Showdown und das Ende ausgefallen, das gleichzeitig tragisch und zuckrig daherkommt. Für jemand der gerade seinen zweiten Film fertig gestellt hat ist das alles sehr vielversprechend, aber als Film ist Joey jetzt wirklich keine Granate geworden.
6/10

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