Mit Filmen wie "Die Höllenfahrt der Poseidon" oder "Flammendes Inferno" wurden Katastrophenfilme salonfähig.
Die europäische Antwort auf die Hollywood-Kinohits entstand in der bereits fortgeschrittenen Rezession des Genres. 1976 produzierte Carlo Ponti "The Cassandra Crossing" als Star-Vehikel für seine Frau Sophia Loren.
Ein an Lungenpest erkrankter Terrorist flüchtet in einen vollbesetzten Zug. Schon bald zeigen einige Reisende erste Symptome der tödlichen Krankheit. Colonel Mackenzie (Burt Lancaster) von der Weltgesundheitsorganisation möchte um jeden Preis verhindern, dass bekannt wird, wo sich der Terrorist mit der Pest angesteckt hat: in den Laboren der WHO nämlich! Um alle Beweise für die Entwicklung einer bakteriologischen Waffe seitens der Amerikaner verschwinden zu lassen, leitet Mackenzie den Zug über die einsturzgefährdete Cassandra-Brücke ...
Bei seiner Premiere erhielt "Cassandra Crossing" kaum gute Kritiken. Zu weit hergeholt, zu verworren hieß es damals. Aus heutiger Sicht ist das Szenario allerdings mehr als nur blanke Fiktion. Das Image der USA hat durch viele internationale Brennpunkte gelitten und Terrorismus ist allgegenwärtig. Insofern ist "Cassandra Crossing" ein kritischer Thriller, der trotz seines Alters eher in die Gegenwart passt als in die Vergangenheit.
Als Regisseur wurde der spätere "Rambo 2"-Regisseur George P. Cosmatos verpflichtet. Sein klaustrophobischer Überlebenskampf ist bis zum Ende hin spannend und packend inszeniert. Cosmatos bemüht sich ständig um eine politische Aussage, dennoch verlässt sich das Drehbuch vor allem auf die äußeren Effekte - sprich die Action. Besonders das Crash-Finale ist recht eindrucksvoll umgesetzt worden, selbst wenn die antiquierten Modell-Tricks mittlerweile locker überholt sind.
„Cassandra Crossing“ ist ein exzellent besetzter Genrebeitrag, der zum Nachdenken anregt und den Zuschauer mit flauem Gefühl in der Magengegend zurück lässt; offenes Ende inklusive. Unbedingt anschauen! 10/10 Punkten.