Review

Smoothe Spannungsspirale


Bevor diesen Oktober (oder durch Corona eher nächstes Jahr) der neue „Saw“-Ableger unter diesem Titel erscheint, gab es „Spiral“, ein amerikanisches Thrillerdrama mit Jazzeinflüssen und depressiven Einschlägen über einen introvertierten Sonderling, Maler und Einzelgänger mit womöglich dunklen Geheimnissen, der in einem Callcenter für eine Versicherung arbeitet und irgendwann eine Frau trifft, die fast schon zu perfekt wirkt, um wahr zu sein...

Joel David Moore (hier Protagonist und Regisseur in Personalunion!) kennt man sonst meist eher als Sidekick, Ergänzung oder gar Comic Relief - hier tritt er endlich mal in den Vordergrund und zeigt zudem noch deutlich, dass er auch eine ernstere, emotionale und nachdenkliche Seite hat. Ich hoffe die sieht man von ihm noch öfters, ich hoffe ihm wird in Zukunft mal mehr zugetraut! Das in Kombi mit der ruhigen Inszenierung unter tollen, ungewöhnlichen Jazztönen deutet an, dass „Spiral“ das Zeug zu einem Geheimtipp gehabt hätte. Ein wenig Hitchcock meets Stromberg in C-Moll. Doch er erreicht das Level dann nicht. Sogar deutlich nicht. Denn anstatt den behutsamen Spannungsaufbau zu nutzen, zahlte sich für mich das Warten leider gar nicht aus. Wenn ein Film mehr als zwei Drittel braucht, „bis es richtig los geht“, er kurz vor Schluss endlich ans „Eingemachte“ kommt, dann muss er dann auch liefern und ernten, was er mühsam zu sähen versucht hat. Das schafft „Spiral“ für mich kaum, sackt er spät doch eher in sich zusammen und verwirrt eher, da man nicht fassen kann, für wie ausgefuchst er sich hält und wie wenig davon der Wahrheit entspricht. In der A-Note fällt er komplett auf die Nase. Die oft exzellente B-Note hätte mehr verdient gehabt. 

Fazit: der lässige Jazz-Score, eine triste Atmosphäre und ein starker, voll motivierter Darsteller federn den Aufprall etwas ab - denn bis es hier endlich mal spannend wird, vergeht einfach viel, viel, viel zu viel Zeit... Und dann verpufft es sogar. Platsch. Statt Knall noch nichtmal ein befriedigendes Zischen. Sehr unprickelnd. 

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