Review

"Kein Film für Pastorentöchter!" warnte das deutsche Plakat 1973 zu dem Film "Anita" - natürlich zu Recht, schildert er doch das schockierende Schicksal der jungen Schwedin Anita, die aus Rebellion gegen die Kälte und Unfähigkeit ihrer Eltern wahllos mit allem schläft, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Egal, ob dick, dünn, alt, jung, fies, sympathisch, Mann oder Frau: Anita will sie alle, aber selbst nette Typen will sie danach wieder sehen, da sie alle "wertlos" seien, so wie selbst.
Erst der junge Erik (Stellan Skarsgard in einer seiner ersten Filmrollen), Musik- und Psychologiestudent, schafft es, ihr Selbstwertgefühl zu geben und analysiert treffend, dass nur ein richtiger Orgasmus mit jemanden, der sie liebt, wie sie ist, von ihrer Promiskuität heilen kann... was natürlich nur unter Aufbringung all seiner Männlichkeit gelingen kann.
Ich gebe zu, ich habe mir diesen Film nur angeguckt, weil Christina "Thriller - a cruel picture" Lindberg mitspielt - ihr würde ich wohl auch beim Vorlesen der Gelben Seiten von Södertälje zugucken. Und sie ist wieder mal unwiderstehlich und bildschön. Der Rest des Films ist immerhin unterhaltsam und z. T. sogar entlarvend, so in der Szene, in der AnitaChristine vor den Gästen der elterlichen Party strippt, nachdem sie zuvor brav mit ihrer strebsamen Schwester schwedische Volkslieder gesungen hat.
Zudem ist der Film bemüht (Regie: Torgny Wickman), das ganze brisante Thema tatsächlich ernsthaft zu schildern. Peinliche Witzszenen wie man sie aus den deutschen Schulmädchen-Filme kennt, gibt es gar nicht. Wobei das natürlich nicht heißt, der Film sei ernst zu nehmen. Er ist eher ein höchst unterhaltsames Zeitdokument, der Versuch der ernsthaften Auseinandersetzung mit Nymphomanie (Erik doziert in seiner WG in Christinas Anwesenheit vor allen anderen über ihr "Leiden"), dabei stellenweise etwas unbeholfen inszeniert, mit banalen, langen Alltagsszenen, die "Anita" einen bizarr-dokumentarischen Anstrich geben, ihn aber auch nicht so klamottig wie besagte Schulmädchenfilme macht.
Kurzum: unterhaltsamer Unsinn mit einer umwerfenden Christina Lindberg.

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