Nach
der Hochzeit
Dogma
goes Mainstream, so oder ähnlich könnte man Susanne Biers
Versuch empfinden mit ihrem neuen Film ein etwas größeres
Publikum zu erreichen. Da verwundert es nicht, dass die Handlung auch
recht einfach gestrickt ist, wenn auch mit dem einen oder anderen
Twist versehen:
Der
Däne Jacob (Mads Mikkelsen) arbeitet als Sozialarbeiter in einem
indischen Waisenhaus. Geldmangel ist hier nun seit Jahren an der
Tagesordnung, so dass Jacob das Angebot des dänischen
Industriellen Jörgen (Rolf Lassgård), der das Waisenhaus
finanziell unterstützen möchte, zunächst nur
widerwillig annimmt, aber dennoch in seine alte Heimat fährt um
diesen zu treffen. Doch Jörgen zeigt wenig Interesse an Jacobs
Projekt, vielmehr zögert er die Vereinbarung immer weiter
hinaus, lädt ihn darüber hinaus zu der Hochzeit seiner
Tochter Anna ( Stine Fischer Christensen) ein. Hier lernt Jacob auch
Annas Mutter und Jörgens Ehefrau kennen: Helene (Sidse Babett
Knudsen), seine ehemalige Freundin, mit der er schon Indien bereiste.
Bald wird Jacob offensichtlich, dass Jörgen ihn kaum mehr nach
Indien abreisen lassen möchte, nur der Grund der Verzögerungen
bleibt ihm zunächst unklar.
Ratlos wie Jacob, steht auch der
Zuschauer vor einem Rätsel und sich, was die Regisseurin denn
nun bezweckt. Eine relevante Kernaussage ist einfach nicht
auszumachen.
So bleibt Jacobs Beruf(ung) als
Sozialarbeiter nicht mehr als ein konstruierter Aufhänger, bei
dem
der eine oder andere auch mal
moralische Bauchschmerzen bekommt. Die komplette Handlung und
Inszenierung befindet sich auf einem besseren TV-Niveau.
Erfolgreicher, aber grundgütiger Industrieller, trifft schroffen
Sozialarbeiter, dessen frühere Freundin nun dessen verbrämte,
aber im Herzen grundgütige Frau ist.Solche banalen Charaktere
mögen für Actionfilme reichen, doch wenn diese Figuren nun
im Mittelpunkt des Geschehens stehen, ist man nach ca. 30 Minuten
schon sehr genervt.
Natürlich bleibt Biers Dogma
Vergangenheit nicht unbemerkt. Handkamera und Großaufnahmen auf
Augen, Münder sind ein zu leichtfertig benutztes Stilmittel.
Gerade der Einsatz der Handkamera stört in den wenigen wirklich
intimen Szenen ungemein, wenn die Darsteller wie losgelöst von
der Handlung agieren, besitzt der Film seine größten
Momente. Das Zusammentreffen zwischen Jacob, Jorgen und Helene in der
Küche sprüht vor Energie und Intimität. Ohne große
Stilmittel nur das losgelöste Spiel der Darsteller reicht um
eine glaubhafte Atmosphäre zu schaffen, die leider allzu oft
leider fehlt. Ebenso Jorgens Zusammenbruch im gemeinsamen
Schlafzimmer: eine der wenigen Szenen die Gefühle der Figuren zu
transportieren vermag. Rolf Lassgards Spiel zeichnet sich gerade hier
aus, wie er den schmalen Grad zwischen Verzweiflung und Kampf
unpathetisch darstellt.
Leider werden auch diese seltenen
Augenblicke werden banal zerstört.
Jede noch so kleine Gefühlsregung,
jede noch so kleine Geste, wird nicht nur ausgedehnt, vielmehr
erstickt in unzweideutigen Szenen. Ein Haare streicheln, eine
Berührung an der Schulter, ein Händchenhalten. Bier
überlässt hier nichts der eigenen Interpretation, nichts
wird angedeutet, sondern fast schon unsäglich zelebriert.
Nun sind die Darsteller auch der
einzige Lichtblick , alle spielen im Rahmen der engen Handlung
durchaus überzeugend, doch fehlt der entscheidende Funke, der
nicht überspringe vermag. Es fehlt eben die letzte Konsequenz,
um wirklich mitfiebern zu können. Dafür ist die Regie zu
unausgegoren, die jegliche aufkeimende Stimmung sofort abtötet.
Furchtbar enervierend zeichnen sich neben dem die Schnittfolgen aus.
Gänzlich unmotiviert wird jegliche Stimmung durch jump cuts
zerstört. Diese Unzulänglichkeit wird eigentlich nur noch
durch die völlig banal-metaphorische Darstellung des Todes durch
verwelkte Blumen übertroffen. Willkommen beim
ZDF-Sonntagabend-Film.