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Die Tragik an modernen nordischen Dramen ist, dass diese oftmals exzellenten Verfilmungen kaum ein Mainstreamer zu Gesicht bekommen wird. NACH DER HOCHZEIT bildet da keine Ausnahme, obwohl er leichter zugänglich inszeniert wurde als vergleichbare Filme dieser Art.
Die Regisseurin Susanne Bier legte Wert auf Authentizität der Bilder und wählte den bekannten DOGMA-Style, inklusive Wackelkamera, Nahaufnahmen und ohne künstliche Beleuchtung. Allerdings wurde hier die verträglichere Lightversion DOGMA praktiziert und zelebriert, die den Normalseher nicht außen vor lässt. Gelegentliche Jump Cuts sind dennoch ungewöhnlich und irritieren ein wenig. Das hervorragende Schauspieler-Quartett spielt prägnant die gesamte Palette an menschlichen Gefühlen rauf und runter. Hervorzuheben ist hierbei Rolf Lassgards Spiel, der den komplexesten Charakter der Geschichte darstellt und die Messlatte für alle anderen Mitspieler sehr hoch legt.
Irrungen, Wirrungen und Emotionen satt gibt es zuhauf in NACH DER HOCHZEIT – gelegentlich wirkt das zu überfrachtet. Dem gegenüber steht eine recht schlichte Geschichte, die weniger die grauen Zellen als das Herz beansprucht.

Fazit: Wer sich mit Familiendramen in Filmform schwertut, sollte NACH DER HOCHZEIT meiden. Wer einen leichten Einstieg in tiefgründige skandinavische Filme möchte, ist mit dieser Geschichte entsprechend gut bedient.

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