Review
von Leimbacher-Mario
Myst(ery) & Shout
Aborigines-Magie. Eifersucht. Angst. Das Unbekannte. Verzweiflung. Und vor allem ein mörderischer Schrei. All das hält Einzug in das Leben eines verheirateten Tontechnikers/Musikers in „The Shout“, einem Mysterythriller der Grenzen und Gehörgänge sprengt...
Etwas mehr Geschrei und Horror hätte ich erwartet, so irgendwo zwischen „Die letzte Flut“ und „Scanners“. Aber „The Shout“ von Jerzy Skolimowski ist dann doch sein ganz eigenes Ding. Schwer zu fassen und zu deuten, definitiv Arthouse, am ehesten untergründig wirksam in dem die Angst der Gesellschaft und eines ganz normalen Ehemanns enorm gesteigert wird. Mehr Metapher als echte Geschichte. Ein auf den ersten Blick eher unbefriedigendes Finale. Und doch durchgängig einnehmend und für meinen Geschmack ziemlich toll. Beunruhigend und atmosphärisch. Zwischen Giallo und mildem Folk Horror. John Hurt scheint wie gemacht für die verletzliche Rolle, die Unsicherheit und andersartige Kraft in dem Eindringling ist jederzeit spürbar. Es knistert und knattert im Gebälk. Eine passenderweise klasse Soundkulisse. Viele Fragen, noch mehr Bilder und Töne die bleiben. Gut in jedem Fall. Zu mehr fehlt mir persönlich etwas der Bezug und der ein oder andere Schock.
Fazit: geheimnisvoll, (alp)traumhaft, sehr eigen - man versteht sofort, warum „The Shout“ nie über den Geheimtippstatus hinaus kam. Was aber natürlich nichts an seiner Magie ändert. Speziell und schön, voller Neid, Eifersucht und skurrilen Schreien. Angriff der Zahnkronen. Nicht der letzte Schrei - aber nah dran.