Review

Manche Filme versetzen dich in Erregung, manche reißen dich mit sich fort und zu manchen gewinnt man einfach keine Verbindung.
Jerzy Skolimowskis „The Shout“, bei uns „Der Todesschrei“ zählt für mich eher zur letzten Kategorie, ein visuell zeitweise beeindruckend abfotografierter, aber inhaltlich oder narrativ niemals zupackender Film, der sich auch weitestgehend einer Deutung oder eines Motivs verweigert.
Ich will hier keinem Kunstsachverständigen oder Genießer in die Parade fahren, aber ich würde für meinen Teil dann zum nächsten Objekt weitergehen.

Skolimowski bastelt hier sehr geschickt ein Verwirrspiel um Wahrnehmungen und Identität zusammen, was man besonders in der Rahmenhandlung sehr geschickt merkt. In einer Nervenheilanstalt erzählt Alan Bates während eines nachmittäglichen Cricket-Matches dem interessierten Tim Curry von einem der Insassen, dargestellt von John Hurt und seinen seltsamen Kräften. Ob Bates Insasse oder Personal ist, wird nicht ganz klar, doch die Erzählung von der Vereinnahmung eines Paares durch einen – ggf magisch begabtgen – Eindringling zeigt dann Hurt als das Opfer und Bates als den seltsamen Fremden.

Der drängt sich durch allerlei Manipulation in das Leben des Organisten Hurt und seiner Frau Susanna York, quartiert sich trotz begrenzter Kommunikation und allerlei leisen Unhöflichkeiten bei ihnen erst zum Essen, dann zum Wohnen ein. Bald schon nimmt der Fremde, der seine „Kräfte“ wohl aus australisch-mythologischen Quellen bezieht Einfluss auf Mann und Weib, verwirrt sie, spielt sie gegeneinander aus und treibt den Mann durch die grasige Küstenlandschaft. Später geht es dann um magische Steine im Sand und nebenbei kann der seltsame Fremde eben auch noch den besagten Todesschrei ausstoßen, bei dessen ersten Versuch gleich das nebenbei grasende Viehzeugs terminal ins Selbige beißt.

Leider gibt es weder einen nachvollziehbaren narrativen Faden, noch ein erkennbares Motiv oder Ziel und die stete Diskontinuität, ob etwas nun Traum oder Realität ist, wer sich das Geschehen gerade einbildet, erträumt oder erlebt, bedingt schon ein starkes Interesse. Ich für meinen Teil fand sogar Lynchs „Eraserhead“ aufschlussreicher. Irgendwann setzt sich schließlich der Ehemann zur Wehr, aber da der Erzähler schon angekündigt hatte, einiges umzustellen und zu verfremden, muss man schon mit sehr viel Genuss auf dieses Puzzle starren, was mir nach gut der Hälfte immer schwerer fiel.
Optisch ist das Ergebnis faszinierend, traumartig, versponnen und manchmal bedrohlich, aber anders als etwa bei dem ähnlich schwülen „The Reflecting Skin“ kam hier keine persönliche Verbindung zustande.

Da ich gänzlich Undechiffrierbares eher ablehne, sofern nicht gewisse Elemente zielführend oder zumindest interessant sind, kann ich „The Shout“ nicht bedenkenlos weiterempfehlen, will aber Studientreibende nicht vom Selbstversuch abhalten. Ein Horrorfilm ist es aber auf keinen Fall, eher Mystery-Mystik mit einem Hauch Fantasy darin – insofern bitte nicht täuschen lassen, falls das Werk durch Hahn/Janssen ggf. hängen geblieben ist. (4/10)

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