Sich einen zeitgenössischen Vampirfilm reinzutun, muss schon einen gewissen Anreiz bieten, da es auf diesem Sektor kaum etwas Neues gibt, wohl seit „Underworld“ schon nicht mehr.
Allerdings schürt eine gewisse Lucy Liu schon die Erwartungshaltung, eine sexy Rachekämpferin zu erleben, die sich über eine schmierige Horde von Blutsaugern hermacht, - bestenfalls mit ein paar gut choreographierten Martial Arts Einlagen.
Dem ist leider nicht so, Liu präsentiert nur Ansätze ihres erotischen Potentials, mit ordentlicher Vampiraction ist hier jedoch nahezu gar nichts.
Immerhin gibt sie die coole Frau auf einem Rachefeldzug, denn als Reporterin Sadie kam sie mit ihren Recherchen einer Vampirsippe zu Nahe und sollte dran glauben. Doch sie erwacht in der Leichenhalle und meuchelt sich, mit einer Armbrust bewaffnet, so langsam durch die Sippschaft, um am Ende dem Oberhaupt gegenüber zu stehen.
Die überaus simpel gestrickte Story über dekadente Vampire und einem Neu-Vampir, der seinen körperlichen Zustand nicht hinnehmen und Rache ausüben will, ist durchaus nicht neu und so kommt innerhalb der fast 100 Minuten Laufzeit auch nie das Gefühl auf, ein sonderlich ambitioniertes Werk zu sehen.
Im Gegenteil, man erfährt überhaupt keine Hintergründe über die Blutsauger und muss diese die meiste Zeit als gegeben hinnehmen, genauso wie die vagen Eigenschaften, die man ausschließlich über ihr Verhalten (trinken menschliches Blut, haben kein Spiegelbild, aber auch keine auffallend körperlichen Kräfte) ausmachen kann.
Auch innerhalb des Handlungsverlaufs wird man nicht überrascht, sämtliche Abfolgen lassen sich jeweils weit im Voraus erahnen. Sadie will ihren Zustand nicht akzeptieren, kann dem Blutdurst aber nicht widerstehen und tötet deshalb einen Obdachlosen, später einen Tramper, nachdem sie ihn vorsorglich und voller sozialer Rücksichtnahme über seine Familienverhältnisse ausgefragt hat.
Indes fragt sie sich von Vampir zu Vampir durch und plättet alle recht wortkarg mit ihrer Armbrust, während ein Cop, der seine Tochter an die Blutsauger verlor, auf ihre Spur kommt und zum Finale gegen den Obervampir mitmischen darf.
Was dem Ganzen völlig fehlt, ist eine adäquat mitreißende Umsetzung, die man eigentlich bei einer solchen Rachestory erwarten dürfte. Doch bis auf eine Rangelei-Szene mit einem asiatischen Vampir-Butler (Mako in seiner letzten Rolle) fehlt es hier komplett an körperlichen Auseinandersetzungen, von Kämpfen kann erst gar nicht die Rede sein.
Selbst der Showdown in einem verlassenen Fabrikgebäude lässt kaum Spannung aufkommen, zumal sämtliche Figurenkonstellationen, wer zu welchem Zeitpunkt doch noch herbeieilt und wer am Ende den großen Trumpf aus dem Ärmel zieht, einem wenig einfallsreichen Grundschema folgen.
Überdies wirkt die Erzählung oftmals bruchstückhaft, etwa mit der Sequenz des spanischen Lehrers, der sich kurz nach Sadies Selbstmordversuch um sie kümmert. Der gibt ihr zwar ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg, doch kurz darauf erscheint die Heldin mit Armbrust, neuer Frisur und gestähltem Gesichtsausdruck, - als wenn dazwischen ganze Passagen fehlen würden.
Genauso unentschlossen wankt das Script zwischen Heldin und Einbeziehung der Blutsauger, die einfach nicht böse genug rüberkommen, um wirklich Suspense zu erzeugen.
Nicht nur, dass der Obervampir in Form von James DÀrcy komplett austauschbar erscheint, auch seine Taten unterliegen der harmlosen Darstellung eines neureichen Blutsaugers, der eine Schöne in sein Anwesen einlädt, um sie später beim Liebesspiel zu töten, - das hat beileibe keinen Biss.
Obgleich, ein paar ordentliche Bisse sind durchaus vorhanden, ferner auch einige Kehlenschnitte, denn die feinen Herrschaften ritzen erst, um zu trinken. Daneben sieht man noch ein paar Leichenteile und blutüberströmte Opfer, allerdings nicht derb genug für wahre Gorehounds.
Und Lucy Liu? Okay, die zieht stellenweise tatsächlich blank, was allerdings im Halbdunkeln und aus der – für Voyeure ungeschickten Kameraposition – eingefangen wurde.
In „Drei Engel für Charlie“ und „Kill Bill“ wirkten ihre körperlichen Attribute vergleichsweise wesentlich stärker.
Darstellerisch wirkt ihre Verkörperung des Racheengels hingegen zeitweise ein wenig eindimensional und hölzern.
Hölzern ist aber der komplette Streifen, wenn auch nicht gänzlich schlecht oder gar langweilig. Nur hätte man da etwas mehr Pfeffer reinstreuen müssen, um einigen einfältigen Passagen mit den sich stetig wiederholenden Abfolgen etwas mehr Abwechslung zu verschaffen. Da können weder der unauffällige Soundtrack, noch die 08/15-Kulissen etwas ausrichten, - es bleibt ein austauschbarer Vampirfilm, der sein Potential zu keiner Zeit ausschöpft und vor allem viel zu wenig Spannung und Tempo bietet, ja noch nicht einmal irgendwelche visuellen Kniffe anwendet.
Für Nebenher okay, für Besseres dann doch lieber noch mal auf „Blade“ oder „Underworld“ zurückgreifen.
4 von 10