Hmmm...Journalistin stolpert in Vampiraffäre, wird selbst zum Blutsauger und macht sich dann auf den Weg, ihre Erschaffer zu vernichten. Klingt das vertraut? Schon! Klingt das interessant? Daraus wurden schon flotte Streifen geschneidert. Klingt es noch besser, wenn Lucy Liu die Hauptrolle spielt? Auf jeden Fall!
Wäre allerdings noch schöner, wenn dabei zufällig auch noch ein halbwegs dezenter Film bei heraus gekommen wäre, denn „Rise“ ist ein Murks par excellence. Man mag ja nicht immer zu viel erwarten, aber es gibt so gewisse Standards, die TV-Serien wie „Angel“ oder Filme wie „Blade“ gesetzt haben und die sicher nicht einfach zu erreichen sind, die man aber im Blick behalten sollte, wenn es um Qualitätsmaßstäbe geht.
Freunde des blutlüsternen Haudraufkinos sollten also weder extrem spritzige Effekte, noch geschliffene Dialoge, noch Gimmicks und schon gar keine Frau Liu im hautengen Lederkostüm erwarten – hier dreht es sich um das genaue Gegenteil.
Was schade ist, denn genau diese Zutaten hätten Sebastian Gutierrez‘ Möchtegernthriller ein wenig interessant gemacht.
Stattdessen wird hier offenbar auf Drama und noch dazu auf „mal was anderes“ gesetzt – und heraus kommt das neueste Schlafmittel für Zuschauer aller Altersklassen. Dafür verzichtet man auf den Terminus „Vampir“ dann auch ganz, ebenso auf spitze Zähne; stattdessen schlitzen die Blutsäufer hier Halsschlagadern mit einem kleinen Schmuckstück auf und sauen natürlich dementsprechend bei ihren Mahlzeiten rum. Das wars dann aber schon von der Schlachteplatte.
Ansonsten läuft der Film so vorhersagbar und langweilig wie möglich ab: ein paar Opfer, dann ist die gute Sadie Blake (Liu) dran, die aber von den Toten wiederkehrt und von einem sinistren und im Weiteren auch irgendwie redundanten Mentor mit ein paar Weisheiten gegeißelt und angeblich trainiert (nicht im Bild) wird. Fortan hakt sie dann munterst die fünf Peiniger von vorher ab, sucht sie der Reihe nach auf und erschießt sie mit einer adretten kleinen Bolzenarmbrust, die ebenfalls nicht weiter beschrieben wird.
Das geht übrigens alles relativ schnell und unkompliziert vonstatten, es wird eine Menge gesülzt, nur der finale Bösling, den James D’Arcy als eine Art dramaturgisch anämische Version von Stephen Dorffs Frost aus „Blade“ gibt (nur eben langweiliger, geschwätziger und antriebsloser), braucht ein bißchen länger.
Für etwas mehr menschliche Emotionen stapft dann auch noch Michael Chiklis in einer „Shield“-Drehpause als vom Todes seiner Tochter betroffener harter Bulle durch die Gegend und bastelt am Showdown mit.
Dennoch: hier ergibt sich wirklich nichts von Interesse. Liu ist uns wie auch die Vampire (die scheinbar motivations- und antriebsarm sind) herzlich egal, eine tiefgründige Charaktererforschung gibt’s schon mal gar nicht. Action ist absolute Sparware, Blut nur beim Trinken als Gematsche und das trostlose Abschießen ohne echte Gegenwehr ist jetzt auch nicht der Hammer. Das Tempo ist schleppend, die Kamera steht zumeist am falschen Platz, der Schnitt unterdurchschnittlich und das Ganze ist irgendwo zwischen Alternativhorror und Independentfilm halbherzig verreckt, von Coolness schon mal gar nicht zu reden.
Der Gesamteindruck zeitigt nur, daß der Film so neben den zu erwartenden Konventionen surft, daß er schon irgendwas bieten müßte, um enttäuschte Erwartungen zu mildern – nur gibt es da wenig, allenfalls etwas abgründige Schicksalstragik, die wir aber schon öfters und besser hatten. Ein fades Stück Stückwerk. (3/10)