Aus der Wüste in den Geheimdienst (Vorhang auf – 2.Akt!)
Mehr als anderthalb Jahre vergingen nach „The Castle in the Desert“, ehe man eine neue Spur von Charlie Chan in den Kinos erspüren konnte. Der letzte Film der Fox war im Frühjahr 1942 herausgekommen und weitere Filme waren nun nicht mehr geplant, aber der sehr populäre Darsteller Sidney Toler wollte sich damit nicht begnügen.
In einem beachtlichen Coup erwarb er die Produktionsrechte für weitere Filme von der Witwe Earl Derr Biggers und musste nun nur noch ein Studio finden, das die Filme auch produzieren wollte. Monogram, noch eins der größten unter den Poverty Row-Kleinstudios, wollte durchaus. Und so gingen im Herbst 1943 die Lichter wieder an für den chinesischen Detektiv, wenn auch unter anderen Umständen.
Die Gründe dafür – man ahnt es schon – waren das liebe Geld.
Waren die Chans schon keine Prestigeproduktionen für die Fox, musste man dort schon mit Studiosets und ein wenig Stock Footage vorlieb nehmen – immerhin waren es große Studiosets. Monogram hatte weder den Fundus, noch das Budget, noch die Klasse, um sich auf dem Sumpf der Mittelmäßigkeit zu erheben. In Sachen Budget sprach man von 40 Prozent der Summe, die die Fox aufgewendet hatte. Das führte zu einschneidenden Sparmaßnahmen: Außenaufnahmen kamen immer seltener vor, Ortswechsel wurden tunlichst vermieden, stattdessen spielten die Monogram-Filme meistens an einem zentralen Ort, den man nie verließ, so dass man alle Örtlichkeiten im Studio aufbauen konnte, wenn auch nicht der vergangenen Pracht.
Auch bei der Figurenkonstellation hatte sich einiges getan. Sen Yung, lange Zeit Sohn Nr 2, Jimmy, war nun bei der Armee und es musste ein neuer Begleiter her: folglich Sohn Nr. 3, Tommy. Gewillt, einiges auszuprobieren, tauschte man aber noch eine Weile mit anderen Chan-Abkömmlingen durch.
Und noch etwas war neu, denn Monogramm fischte nach neuen Zuschauerschichtten: mit Mantan Moreland, einem versierten schwarzen Comedy-Darsteller kam ein dauerhafter, wenn auch klischeehafter Nebendarsteller ins Team, den man verblüffend organisch auf- und einbaute.
Leiden musste unter diesem Stamm von Darstellern leider die Riege der Gaststars, denn es gab eigentlich keine mehr. Stattdessen wandte man sich den Vertragsdarstellern des Studios zu, die als die zunehmend austauschbaren Verdächtigen antraten. Gleichzeitig sorgte Toler dafür, dass Chan etwas mehr im Mittelpunkt stand und die jungen Helfer leicht im Handlungsanteil zurücktraten.
Was man leider nicht kompensieren konnte, war der Verlust der Autorenteams, die Stärken und Schwächen recht unterhaltsam ausbalanciert hatten. Bei Monogram schrieb George Callahan in Reihe ein Drehbuch nach dem anderen (insgesamt acht), eine beeindruckende Leistung, aber leider war er lediglich ein ordentlicher Serienschreiber, ohne wirkliche Finesse und Glanzpunkte – und das sollte die Reihe noch stark belasten.
Erkennbar wird das alles aber bereits bei den ersten Beiträgen der neuen Reihe, die ein wenig wie Testballons wirken, ob der neue Look denn angenommen werden würden.
So ist dann „Secret Service“ auch überraschend dröge ausgefallen: die komplette Handlung spielt am Tatort des ersten Mordes, der erst einmal als solcher identifiziert werden muss und dreht sich um die unwilligen Anwesenden, die eigentlich wenig mehr zu tun haben, als sich verdächtig zu machen. Glänzen kann dabei niemand.
Am besten schneidet noch Chan-Tochter Iris ab, die aber nach diesem Film nie wieder mitspielen durfte, während Benson Fongs Sohn „Jimmy“, wahrlich der unbrauchbarste aller Filmsöhne, immer wieder auftauchen durfte. Mantan Moreland, den man künftig als „Assistent Nr.2“ fest in die Handlung schreiben sollte, ist hier noch der Chauffeur des Hauses, erfüllt seinen Auftrag aber schon ganz gut als vor sich hinmurmelnder und leicht mit den Augen rollender Angsthase.
Für Qualität gewöhnte Augen, ist der Film ein kleiner Schock, sogar die Zimmerausstattungen sind ernüchternd karg, die Pläne und Torpedoentwürfe albern, sogar Chans Deduktionen sind wenig überzeugend. So bleibt nur ein Standard-Whodunit, der dann halbwegs kompentent abgewickelt wird, aber nicht eben Großtaten erwarten lässt. Behalten hat man immerhin den „Überraschungstäter“, der aber zunehmend unspektakulärer wurde, weil man die „Verdächtigen“ kaum noch glänzen ließ – sogar der Vorspann wurde zunehmend auf Vater, Sohn und Assistent ausgelegt. (5/10)