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Südstaaten kurz vor dem Bürgerkrieg: Auf der Plantage Falconhurst lebt der Plantagenbesitzer Warren Maxwell mit seinem Sohn Hammond und unzähligen Sklaven. Maxwell züchtet gezielt kräftige Sklaven, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Sein besonderes Ziel ist es, Mandingos zu züchten, doch dazu fehlt ihm noch ein männlicher Mandingo. Und auch sein Sohn soll endlich heiraten und Nachwuchs zeugen.


Thematisch ist Mandingo extrem provokant: Rassismus, sexuelle Ausbeutung und Gewalt werden direkt gezeigt. Sklaven sind nicht mehr als menschliches Vieh, dienen allein der Ausbeutung und sind mit Leben und Körper den Launen der Weißen unterworfen. Und ihre Ansichten zu den Sklaven sind in einem Maße menschenverachtend, dass einem die Luft wegbleibt. Macht, sexuelle Gewalt, Intrigen und die brutale Realität der Sklaverei dominieren das tägliche Leben auf der Plantage, während jeder Charakter seinen eigenen moralischen, sexuellen und sozialen Konflikten ausgesetzt ist. Besonders im Fokus steht der Mandingo-Sklave Mede, der für Kämpfe gegen andere Sklaven trainiert wird. 


Richard Fleischer inszeniert das Geschehen ungeschönt und kompromisslos, mit roher, fast schockierender Direktheit. Einige Szenen wirken fast wie aus Exploitation-Filmen entlehnt. Wobei Ausstattung, Kostüme und Kulissen die historische Atmosphäre glaubwürdig wiedergeben und so ein realistisch wirkendes, moralisch verkommenes Südstaaten-Setting erzeugen. Doch Mandingo nimmt die historischen Verhältnisse nicht als bloßes Hintergrundbild, sondern zeigt die Gewalt und Dehumanisierung der Sklaverei unverblümt. Und Fleischer fügt das Ganze zu einem eindringlichen, moralisch beklemmenden Südstaaten-Drama zusammen. 


James Mason als skrupelloser Plantagenbesitzer liefert eine überzeugend kalte Performance ab. Susan George treibt als frustrierte, manipulative Blanche das Drama bis zur Eskalation voran. Aber auch Perry King als Maxwells Sohn liefert eine ebenso solide Leistung wie Ken Norton, der den titelgebenden, physisch beeindruckenden Mandingo-Sklaven Mede mit stoischer Ruhe verkörpert. Die Schauspieler agieren konsequent in einem Setting, das oft erschreckend wirkt, aber den Bezug zur historischen Realität (vermutlich) nur selten verliert.

Mandingo ist einerseits historisches Südstaaten-Drama und Sozialkritik, bedient auf der anderen Seite durch die provokante, oft brutale Darstellung der Sklaverei auch bis zu einem gewissen Grad Voyeurismus. Wer sich darauf einlässt, wird ein sorgfältig inszeniertes, spannendes Drama sehen, das mit seinen Figuren und Konflikten durchaus funktioniert. Wer jedoch eine subtilere, weniger schockierende Geschichtsaufarbeitung erwartet, wird schnell angewidert sein.


Handwerklich solide und dramatisch dicht, bietet Mandingo spannendes Drama mit starken Figurenkonflikten und ein packendes, wenn auch kontroverses Setting. Der Film schockiert und ist streckenweise moralisch verstörend, aber gerade diese radikale Direktheit macht ihn zu einem bemerkenswerten Stück US-Kino der 70er Jahre. Ein harter, provokativer Blick auf die dunkle Seite der Südstaaten.

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