Schwieriges Thema. Schwer zu verfilmendes Thema. Doch eins kann vorweg genommen werden: dem Norweger Erik Richter Strand gelingt hier mit seinem Debütfilm etwas Beachtliches; nicht nur, dass er sich zu Beginn seiner Karriere an einen solchen Stoff wagt. Nein, er versucht trotz der großen Gefahr der Schwarzweiß-Malerei, an das Thema neutral und ohne Vorurteile heranzugehen. Was per se ja eigentlich schon ein großes Wagnis und Diskussionsstoff darstellt.
Hauptthema dieses wirklich gelungenen Machwerks ist Pädophilie. Getragen wird die Story von 3 Leuten.
Zum Einen ist da Lars. Ein 25-Jähriger, der aushilfsweise als Bademeister in einem Hallenbad arbeitet und - was im Film nur angedeutet wird - schon das ein oder andere, kleinere dunkle Kapitel hinter sich hat. Dennoch - oder gerade deswegen - hat er für die Badegäste - vorwiegend Jugendliche - immer ein offenes Ohr und ist daher sehr beliebt.
Dann ist dort Tim. Ein 14 Jähriger, hin und wieder Gast in diesem Hallenbad. Tim hat keinen Vater (bzw. kommt dieser im Film nicht vor oder wird zumindest nicht erwähnt), ist viel unterwegs, wenig zuhause und, auch das deutet der Film an, verdient sich sein Geld mit Oralverkehr mit der dritten Hauptperson im Bunde: Hans
Hans wird eines Tages von Lars auch im Hallenbad entdeckt. Von dort an bekommt der Zuschauer auch etwas von Lars' Vergangenheit mit. Heutzutage arbeitet er als Bademeister und verdient sich nebenher noch seine Kohle als Geldeintreiber für eine befreundete Prostituierte. Doch in früheren Tagen scheint auch er Opfer oder Lustknabe von Hans gewesen zu sein.
Fortan geht es im Film, ich möchte nicht zu viel verraten, darum, wie Lars sich anschickt, Hans ein für allemal einen Denkzettel zu verpassen, ihn dafür zu rächen, was er ihm selbst angetan hat.
Die Stärke des Films bzw. seiner Erzählweise liegt meiner Meinung nach darin, dass er keine Partei ergreift und durchweg versucht, Objektivität zu bewahren, auch wenn von Anfang an eigentlich klar sein sollte, für wen der Zuschauer Sympathien trägt.
Doch bei all den finsteren Stunden, die Lars in seiner Vergangenheit erlebt hat. Ist es ihm gestattet, auf so destruktive Weise Rache zu üben ? Man mag ihn verstehen, man mag es vordergründig für richtig halten. Doch moralisch gesehen, ist Lars' Verhaltensweise adäquat und angemessen, und vor allem ist sie für irgendjemand der Beteiligten oder selbst für die Geschädigten von Vorteil ?
Der Film zeigt dabei auch wirklich knifflige und komplizierte Situationen auf, die im ersten Augenblick so einfach und klar erscheinen. Lars hat Beweismaterial gegen Hans, könnte und müsste damit zur Polizei gehen. Seine Bekannten und Freunde reden ihm dabei ins Gewissen, halten ihm vor, dass seine Denkweise und sein Vorgehen durchaus lobenswert und richtig sein mag, aber sie zeigen ihm auch auf, welche Konsequenzen das für die Geschädigten haben kann, die - bis jetzt - heimlich auf diese - sicherlich zu verachtende Art und Weise - Geld und - auch das zeigt der Film - ihnen anscheinend fehlende Zuwendung vedienen. Die Öffentlichkeit würde Wind von ihrem Tun bekommen, es wird in den Medien ausgeschlachtet und ihr Ruf und vielleicht auch ihr weiteres Leben wäre ruiniert.
Andererseits zeigt Lars Zivilcourage, auch wenn er die falschen Schlüsse und Reaktionen daraus zieht. Doch wo die anderen Mitwissenden nichts damit zu tun haben möchten, nimmt Lars die Dinge in die Hand. Leider nur nicht angemessen. Wobei man das auch so deuten kann, dass Lars an die ganze Sache natürlich nicht neutral und besonnen herangeht, weil bei ihm Dinge wie Verdrängung, fehlende Verarbeitung der Vorfälle und gestörte Sexualität durchaus eine große Rolle spielen, auch wenn dieser das nicht zugeben möchte.
Man könnte hier noch stundenlang über diesen Film weiterreden oder -diskutieren, zumal sich das Thema "fehlende Aufmerksamkeit/Sex für Bezahlung", das hier ständig miteinander korreliert, durch den ganzen Film zieht. Man beachte dabei nur Lars' sich prostituierende Freundin, die nicht nur für Geld mit Männern schläft, sondern dann auch noch Lars anheuert, die vermeintlich nicht bezahlenden Kunden zu vermöbeln, obwohl sie eigentlich schon bezahlt haben.
Es ist also vieles schlecht und im Argen, bei Sönner - Dunkle Geheimnisse. Und er zeigt auf, wie unüberlegtes Vorgehen, egal wie emotional und physisch man in Dinge verwickelt ist oder war, enden kann. So kann man Lars emotional natürlich verstehen, teilweise findet sich der Zuschauer auch in der Position wieder, dem Pädophilen etwas Böses an den Hals zu wünschen, doch nach einer Sekunde oder Minute des Überlegens weiß man, dass so weder den Geschädigten noch dem Zuschauer selbst geholfen ist.
Ein schwieriges Thema, das gut angegangen wurde. Minuspunkte, wenn man so will, gibt es von mir nur dafür, dass gegen Ende das ein oder andere Thrillerelement eingebaut wurde. Das mag vordergründig der Spannung zwar dienen, doch dem Gesamtbild tut es in diesem Sinne Abbruch, dass manche Dinge ein wenig konstruiert klingen. (Polizeifunk-Abhöranlage, geklaute Autos, etc. ...)
Ansonsten gute Schauspielerleistungen, ein passender Soundtrack und ein offenes Ende, das ich für meinen Teil für gar nicht so offen halte.
7,5/10 Punkte