Review


Der Vietnamkrieg gilt als das Trauma einer Generation. Auch wenn es viele Filme gibt, die das Thema behandeln, ist Platoon der erste Film über Vietnam, der von einem Veteranen selbst erzählt wird: Oliver Stone war Ende der Sechziger in Vietnam und zog sich schwere Schussverletzungen zu.
Dennoch oder vielleicht gerade deswegen drehte er diesen Film, der trotz vier Oscars inklusive für den besten Film sehr zwiespältig aufgenommen wurde - und das kann ich verstehen. Doch dazu später.

Mit Willem Dafoe und Tom Berenger ist der Film recht prominent besetzt, die Hauptrolle übernimmt der damals noch recht unbekannte Charlie Sheen, dessen Vater sieben Jahre zuvor die Rolle des Cpt. Williards in Coppolas Vietnamepos Apocalypse Now übernommen hatte.
Der Film erzählt die Geschichte dreier Soldaten: Der junge Student Chris ist neu in Vietnam, er stammt aus besseren Kreisen und hat sich freiwillig zum Einsatz gemeldet. Aufgrund mangelnder Erfahrung, achten ihn die meisten anderen Soldaten nicht. Bis auf Elias, der mithilfe von Drogen über die Schrecken des Krieges hinwegsieht und so sein menschliches Mitleidgefühl aufrecht erhält und Verständnis mit dem Jungspund Chris hat, der von den anderen Soldaten eher belächelt wird.
Das krasse Gegenteil von Elias ist der Hardliner Barnes - über die Kriegsjahre hinweg hat er sich jedes menschliche Denken abgewöhnt.
Im Wesentlichen beschreibt der Film den Konflikt zwischen Barnes und Elias. Als Barnes in einem vietnamesischen Dorf eine Frau exekutiert, weil er in ihr eine Spionin der Nordvietnamesen vermutet, kommt es zum offenen Konflikt, der solange anhält, bis Barnes Elias im Dschungel auflauert und tötet. Obgleich Chris es nicht direkt gesehen hat, weiß er, dass Barnes der Schuldige ist und will ihn vor das Kriegsverbrechertribunal bringen...

Als ich las, dass der Film von einem Vietnamveteranen gedreht wurde, erwartete ich einen schonungslos realistischen, aufklärenden und nicht pathetischen Film. Mehr oder weniger erfüllt - Platoon ist ein realistischer Kriegsfilm, leider aber auch unnötig pathetisch. Gerade der Tod von Sergeant Elias trieft dank Slow-Motion, mitreißendem Soundtrack und der theatralischen Bewegung Dafoes geradezu von Pathos. Auch wenn diese Szene zweifelsohne toll inszeniert ist, sie riecht arg nach Hollywood-Kino. Auch die prominenten Besetzung bietet Anlass zur Kritik.
Willem Dafoe spielt passabel, man hat ihn aber schon weitaus besser gesehen. Der Schwachpunkt schlechthin ist leider Charlie Sheen. Im Gegensatz zu seinem talentierten Vater ist er meiner Meinung nach nur ein katastrophaler Schauspieler. Immer der gleichen Mimik und ohne großes Schauspiel dürfte er nur wenige vom Hocker reißen. Richtig überzeugen kann aber Tom Berenger in der Rolle des Barnes, die ihm ins Gesicht geschrieben ist. Ein Pluspunkt für den gesamten Film.Trotz der genannten Schwächen handelt es sich mit „Platoon“ aber um einen zweifelslos guten Film.Die Atmosphäre ist bedrückend, der sich zuspitzende Konflikt zwischen Elias und Barnes wurde gut umgesetzt.Auch das actionreiche Ende kann sich sehen lassen. Es verdeutlicht die Sinnlosigkeit des Krieges.Ein überzeugender Einblick in den Vietnamkrieg, der mit der Darstellung des internen Konflikts der Amerikaner andere Wege geht als seine Artgenossen. Stone beschreibt nicht den Krieg gegen Nordvietnam, für ihn tobt die wahre Schlacht in den eigenen Reihen.Die Frage, ob es sich wirklich um einen Anti-Kriegsfilm handelt, ist schwer.Einerseits wirken Szenen wie die Exekution im Dorf sehr schockierend, andererseits wirkt der Film doch sehr pathetisch. Und überhaupt, es gibt doch nur einen wirklichen Anti-Kriegsfilm:Lewis Milestone´s „All Quiet on the Western Front“Dass der Film umstritten ist, hat vielleicht auch mit seiner Botschaft zu tun. Zwar werden gelegentlich Antikriegselemente verwendet, gegen Ende will man dem Zuschauer aber eher weismachen, dass man durch den Krieg etwas gelernt hat, sprich: der Krieg und der damit verbundene Einsatz der Soldaten hatte einen Sinn. Ist das nicht eher das Gegenteil des eigentlichen Zieles - der Antikriegsbotschaft?
Zur DVD: Ein großes Problem ist der Sound: Obwohl ich die Special Edition besitze, ist der Sound auch mit Dolby Surround katastrophal. Im Vergleich zu den Umgebungsgeräuschen ist die Sprachausgabe viel zu leise Ich weiß nicht, wie sich das auf den zehntausend anderen DVD-Versionen des Filmes verhält, aber gerade von der Synchronisation und dem Soundverhältnis war ich sehr enttäuscht.

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