"Platoon" ist mit Abstand der realistischste Kriegsfilm, der mir bisher unter die Augen gekommen ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken, die den Krieg behandeln, gibt es in "Platoon" nicht die ach so tollen amerikanischen Soldaten, die immer richtig handeln, denken und sich als Beschützer der Welt sehen.
Dieser Kriegsfilm zeigt meiner Meinung nach die wirklichen Gründe, warum man in Vietnam so schlecht aussah. Die Army bestand nämlich aus zu vielen unterschiedlichen Soldaten, die sich vom Charakter zu sehr unterschieden haben, als dass sie eine Einheit hätten sein können. Es herrschte eine Anti-Kriegsstimmung. Es gab kaum Soldaten, die wirklich scharf waren, in den Krieg zu ziehen. Diejenigen, wie der Rekrut Chris, welcher die Hauptfigur hier spielt, die sich freiwillig für den Kreig meldeten, mussten dem bitteren Kriegsalltag schnell ins Auge sehen und zählten genauso wie fast alle anderen die Tage bis zur Entlassung aus dieser Hölle.
Man hatte bis auf einige Ausnahmen im wahrsten Sinne des Wortes kein Bock auf die ganze Scheiße. Denn Krieg war die tiefste Scheiße, so wird es im Film sehr treffend beschrieben, in der man nur sitzen konnte. Zudem erschwerte der Dschungel und das Wetter den Soldaten ihren Aufenthalt. Dies alles wird im Film auf sehr realistische Art und Weise dargestellt.
Und hat man keine Lust, dann ist man auch nicht motiviert. Ist man nicht motiviert und keine Einheit, so gibt es Konflikte in den eigenen Reihen. Dazu kamen eine schlechte Planung und viele Fehlschläge, bei denen sich die Amis selbst bombardiert haben, die wahrscheinlich Hauptgrund für die hohen Verluste damals im Vietnamkrieg auf Seiten der Amis waren.
Von dem Eintreffen auf dem Stützpunkt bis zum Abzug aus dem Krieg begleitet man Rekrut Chris im Geschehen. Schnell muss er erkennen, dass es ein großer Fehler war, sich freiwillig für den Krieg zu melden. Anfangs gelingt es ihm nicht einmal, sich als Neuling in die Truppe zu integrieren. Später freundet er sich mit ein paar Soldaten an und versucht mit ihnen durch Kiffen Abstand von der harten Realität zu gewinnen.
Eines Tages muss er mit ansehen wie der Konflikt zwischen Sergeant Barnes, der äußerst patriotistisch veranlagt ist, und Sergeant Elias in einem kleinen vietnamesischen Dorf seinen ersten Höhepunkt erreicht. Denn dort spielen sich mit der Hinrichtung unschuldiger Zivilisten drastische Szenen ab. Auch wenn Elias im Kampf keine Skrupel kennt, so kann er Barnes' Verhalten hier nicht tolerieren. Der Kampf Gut gegen Böse findet in den eigenen Reihen statt.
Gefechte mit vietnamesischen Soldaten gibt es selbstverständlich trotzdem. Diese wurden für damalige Verhältnisse gut in Szene gesetzt. Heut zu Tage wären einige Explosionen und Schießereien sicherlich noch etwas "hübscher" inszeniert worden. Auch die Übersichtlichkeit leidet an einige Stellen etwas, da manche Szenen ungünstig aneinander gereiht wurden, sprich: Die Schnitte sind nicht unbedingt die besten.
Dafür zeigen uns die Schauspieler wirklich erstklassige Leistungen. Wirklich heraus kristallisieren kann sich von den drei Hauptfiguren Rekrut Chris, Sergeant Barnes und Sergeant Elias keiner. Alle überzeugen auf ihre Weise und stellen unterschiedliche Charaktere dar.
Charlie Sheen ist hier noch wesentlich dünner, als heut zu Tage. Aber gerade dadurch hat er hier auch keine Rambo-Austrahlung (wie zum Beispiel teilweise in "Hot Shots 2"), sondern ist passenderweise ein unerfahrener Jungspunt. Den philosophisch angehauchten Monologen sollte der Zuschauer besonders zuhören, weil sie das seelische Leben eines Soldaten sehr gut wiedergeben.
Tom Berenger ist eisenhart und macht einem allein schon mit seinem vernarbten Gesicht (Der Mann wurde schon 7 mal angeschossen) angst.
Und Willem Dafoe ist der Soldat, dessen Ansichten hier die völlig richtigen sind. Er kämpf für sein Land, ist aber trotzdem Realist.
Fazit: Mit seinen Konflikten innerhalb der Army, der Null-Bock-Stimmung und den Bombardierungen, die teilweise die eigenen Männer trafen, ist "Platoon" realistischer als jeder andere Vietnam-Kriegsfilm, den ich kenne.