Chris Taylor hat sich freiwillig für den Einsatz in Vietnam gemeldet. Und so landet der Grünschnabel 1967 an der Front und stößt bald auf allerlei feindlichen Kontakt. Und das nicht nur vom sich überall herumtreibenden Vietcong, denn auch in der Truppe brechen sich manche Konflikte Bahn.
Durch die grüne Hölle folgt man in den zwei Stunden des von Oliver Stone geschriebenen und inszenierten Kriegsdramas den unterschiedlichen Figuren. „Platoon“ kümmert sich weniger um den Krieg gegen den Vietcong, sondern um den Kampf der US-Soldaten untereinander und mit sich selbst. Stone möchte das Bewusstsein für die Situation der eingesetzten Massenware Mensch schärfen und steht auch Chris Taylor (Charlie Sheen) im Mittelpunkt, so ist es die Gruppe als Ganzes und im Einzelnen, sind es die Bestandteile in Uniform, die hier betrachtet werden. Taylors Entwicklung wirkt dabei ebenso sprunghaft wie die Figurenzeichnung der restlichen Typen eindeutig ist. Allerlei Charaktere, die man bald irgendwo verorten kann, quasi laufende Schubladen.
Und dennoch bekommt man mit der Zeit, in der die Gruppen in immer wieder konfliktreiche Situationen geschickt werden, ein etwas klareres Bild. Sofern das möglich ist, denn letztlich bebildert Stone den Krieg hier als Chaos. Mit überforderten Gestalten, Egos und der Abwesenheit von Moral und Anstand. Der desillusionierte Blick, den Stone präsentiert, gibt dabei seine eigenen Erfahrungen wider.
Die eingestreuten inneren Monologe von Taylor wirken dabei wie ein Fremdkörper. Nicht aufgrund des Stilmittels selbst, sondern wegen ihres Inhalts. Hier packt Stone alles komprimiert rein, was er sonst nicht in Worte fasst, wodurch diese Passagen wie das brave Aufsagen von Schlussfolgerungen wirken. Hätte man dies breiter über den Film verteilt und weniger pathetisch formuliert, wäre es nahbarer und weniger theatralisch geworden.
Musikalisch bleibt in erster Linie das oft eingespielte „Adagio for Strings“ Samuel Barber in Erinnerung. Dazu ein paar Popsongs von damals, wobei einer davon zu dem Zeitpunkt, zu welchem „Platoon“ spielt, noch gar nicht erschienen war. Kollateralschaden.
Beeindruckend liest sich die Besetzungsliste, die mit Willem Dafoe, Tom Berenger, John C. McGinley oder Forest Whitaker lange nicht durch ist. Darstellerisch ist „Platoon“ durchaus gelungen, gerade Berenger und Dafoe brillieren in ihren Rollen.
Der ultimative Antikriegsfilm ist Stone bei all seinen Qualitäten nicht geglückt. Zwar bietet „Platoon“ durchaus erinnerungswürdige Szenen und bebildert den Krieg als völlig unheroisches Unterfangen. Erzählerisch ist er aber ohne Fluss, mitunter sprunghafte Charakterzeichnung und aufgesetzte Monologe verleiden ihm eine höhere Trefferquote. Kein klassisch handlungsgetriebener Film, eher eine Aneinanderreihung von Erinnerungen. Trotzdem gehört er zu den sehenswerten Beiträgen der desillusionierten Kriegsdramen, wenn es da auch stärkere Vertreter gibt.