Als Protest gegen die Behandlung von Indianern kam es 1973 während der Oscar-Verleihung zum Eklat. Eigentlich sollte Marlon Brando die Trophäe für „Der Pate“ entgegen nehmen, doch als Mitglied der Bürgerrechtsbewegung „American Indian Movement“ schickte er Schauspielerin Maria Cruz auf die Bühne, um auf Missstände aufmerksam zu machen.
Diese Dame ist auch unter dem Namen Sacheen Littlefeather bekannt und – da schließt sich der Kreis – wirkt in diesem Rache-Drama mit, in dem ein Indianer zum blutigen Gegenschlag ausholt.
Johnny Firecloud, ein Vietnam-Veteran, hat es nicht leicht im provinziellen Kaff Craven. Der Ort wird vom schmierigen Colby kontrolliert, der sowohl ein paar Rednecks, als auch die Dorfsheriffs unter seiner Fuchtel hat. Nachdem Johnnys Großvater gelyncht und seine Schwester vergewaltigt wird, dreht der auf Rache sinnende Mann den Spieß um…
Rache ist immer wieder ein beeindruckendes Motiv, um damit eine Geschichte auszustatten, sogar Genre übergreifend.
Wobei sie innerhalb des Westerns besonders gut funktioniert und das Duell zwischen Gut und Böse im finalen Duell gipfelt, - vor der Kirche, zwischen den Felsen oder auf der Ranch.
Ähnlich hier: Nach einem etwas betagten Vorlauf packt Firecloud allerlei Gedöns aus, um die Reihe seiner Peiniger nach und nach zu dezimieren.
Natürlich geht es auch um soziale Integration, um die Balance aus Tradition und Anpassung an die „moderne“ Welt der Weißen. Wie zerklüftet dieses Verhältnis ist und wie zerrüttet manche Figuren dadurch sind, zeigt sich am besten anhand von Johnnys Großvater, der einerseits indianische Philosophien predigt, andererseits aber in einer Spelunke bedient und stark zum Alkohol neigt. Johnny ergeht es da kaum besser, denn Colby zerstörte nicht nur die Liebe zwischen seiner Tochter und dem Indianer, er sorgt auch für die allgemeine Ablehnung: Kein Job, Schikane durch die Cops und immer wieder Provokationen bis hin zur perfiden Falle, die ihn schließlich hinter Gitter bringt. Als er von dort aus hilflos mit ansehen muss, wie der Mob sich über seinen Großvater in Häuptlings-Montur lächerlich macht und der dabei mehr oder minder versehentlich am Strick baumelt, ist es vorbei mit der Geduld und Zurückhaltung.
Was Firecloud und einige andere Figuren glaubhaft erscheinen lässt, ist ihre Ambivalenz.
Der Indianer provoziert einige Male den Sheriff, warum der sich von einem Zivilisten scheuchen lässt und behält damit natürlich stets Recht. Andererseits handelt der Außenseiter nicht immer konsequent und verpasst die Chance, seiner alten Liebe eine zweite Chance zu geben, als auch dessen Vater nachdrücklich zur Verantwortung zu ziehen, obgleich er die Gelegenheit dazu hat.
Auch dem Sheriff als auch dem Deputy haftet etwas Zweischneidiges an. Ein latent homosexueller Unterton schwingt im Hintergrund genauso mit wie etwas vordergründiger die Moral, zu kuschen oder Eigenverantwortung zu zeigen, was immer wieder nachdenkliche Szenen aufwirft.
Nur leider schwingt bei alledem auch ein wenig Ereignisarmut mit, denn bis der Rachefeldzug losgeht, vergeht rund eine Stunde, in der zwar erstaunlicherweise gleich mehrfach Oberweite präsentiert und ein paar Mal derbe gedemütigt wird, doch einigen Nebenfiguren wird dabei etwas zuviel Zeit eingeräumt.
Die Racheakte zeugen hernach von überraschender Mannigfaltigkeit des American Native.
Da wird der Tomahawk in die Stirn geschleudert, ein Mann bis zum Kopf eingegraben und den Adlern überlassen, ein Sack mit einer Giftschlange übergezogen, skalpiert und eine Bombe gezündet, was insgesamt durchaus blutig vonstatten geht.
Am Ende gerät der Showdown allerdings nicht so klassisch wie vermutet. Er fällt nicht eindeutig aus, lässt aber zwischen den Zeilen eine Menge Freiraum und verschafft insgesamt ein zufrieden stellendes Gefühl.
Nur hätte man mit der Wahl der Final-Kulisse ein wenig feinfühliger umgehen können, als auch etwas mehr Dramatik mit einbringen dürfen.
Insgesamt fällt dieser Streifen also durch eine recht gelungene Charakterisierung als auch sozialkritischer Untertöne auf. Die glaubwürdigen Darsteller tun ihr Übriges, um mit den Figuren zu bangen, sie zu hinterfragen oder schlicht zu verabscheuen.
Etwas mehr Pep und weniger Dialoglast hätten dem Geschehen bisweilen gut getan, es bleibt aber ein grundsolides Drama, welches sich nicht scheut, zeitgenössische Tabu-Themen anzureißen.
6,5 von 10