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Lange habe ich warten müssen, bis Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler in die Kinos kam. Fast ein Jahr ist es schon her, als vor dem Berliner Dom der letzte Drehtag zu diesem Film stattfand und ich als Komparse mir 12 Stunden lang die Beine in den Bauch stehen mußte um ab und zu "Heil Hitler" schreien zu dürfen (was wirklich genauso unangenehm ist wie es klingt). Die billigen CGI-Effekte können den Starttermin doch nicht so weit hinausgezögert haben. Aber nun ist sie in den Kinos, die wirklich wahrste Wahrheit über den großen, abscheulichen Diktator, in einer Form, in der sie jedem Geschichtsschreiber den Magen rumdrehen dürfte.

Es ist Dezember 1944. Der Krieg ist für Deutschland so gut wie verloren, doch Dr. Goebbels (ab und zu ein kleiner Lichtblick: Sylvester Groth) will sich um keinen Preis geschlagen geben. Die Neujahrsrede steht an und der Führer ist psychisch am Ende. Goebbels läßt den ehemaligen Schauspiellehrer Hitlers (Helge Schneider), Prof. Grünbaum (Ulrich Mühe), aus dem KZ Sachsenhausen holen, damit dieser den Führer wieder in seine alte Form bringt.

Darf man Regisseur Dani Levy Glauben schenken, so lag seine Inspiration nicht darin, durch einen Verfremdungseffekt dem Publikum die Möglichkeit für den Aufstieg von Hitler vor Augen zu führen (vergleiche Brechts Der Aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui). Des weiteren versucht er nicht, die Entwicklung der Person Hitler zu erläutern (was leider mit dem Wissen, daß ihn Alice Miller´s Am Anfang war Erziehung sehr inspiriert hat nur als logisch erscheint). Er wollte nur einen kleinen, politisch unkorrekten Gegenschlag auf das Monumentalwerk Der Untergang drehen. Das ist ihm gelungen. Nur leider ist ihm bei dem Projekt auch einiges nicht gelungen.

Neu ist diese Form des Umgangs mit dem Thema Hitler in Deutschland nicht, Herr Levy. Nur waren es stets Projekte, die man leicht übersehen konnte, z.B. aus der Feder Christoph Schlingensiefs, einem alten Bekannten von Schneider. Solchen unbändig scheinenden Verrückten zwischen Genie und absoluter Geschmacklosigkeit fördert man Filmprojekte wohl nicht - Sie, Herr Levy, Sie sind da schon ganz ein anderer.

Schon die Geschichte an sich läßt nicht auf ein Meisterwerk hoffen, aber vielleicht paßt ja der Rest. Leider tut er es nicht. Die Idee, Helge Schneider als Adolf Hitler zu verpflichten klingt nahezu genial. Praktisch stellt sich diese Umsetzung schon als viel schwieriger heraus. Helge gibt sicher auch sein Bestes hinter seiner Maske, die ihn zur Unkenntlichkeit zerstellt; er konnte sich wohl nicht aus den ihm verpaßten Ketten befreien. Hier wurden die Fans um einen neuen Helge-Schneider-Film beschissen. Ulrich Mühe ergeht es fast ähnlich, hat er doch eine Rolle auferlegt bekommen, die sich zwischen Tiefgründigkeit und Komik nicht ganz einpendeln kann. Letztendlich das Mimikspiel vollständig einzustellen mag hier noch als das Logischste erscheinen. Jedoch gerade das Zusammentreffen dieser beiden Hauptcharakteren hat mir viel versprochen, aber diese Begegnungen wirken recht blass - den Vergleich mit einem Kammerspiel sind sie nicht wert - man gibt spätestens am 3. Lehrtag des Führers die Hoffnungen auf eine gelungene Unterhaltung auf.

Ein paar Lacher darf man in dem Film dann doch erwarten, spätestens wenn Hitler seine Weltkugel öffnet und diese sich als Medizinschränkchen für seine Anti-Depressiva herausstellt oder er Goebbels Reden bloßstellt und ihn mit "Wollt ihr den totalen Krieg?" nachäfft. Alles weitere, das man erwarten darf sind Zoten oder banal auf Judenwitze getrimmte Kalauer - am fehlplatziertesten wirkt neben Ulrich Noethen als Himmler der kurze Auftritt Katja Riemanns, der nur die Zeit zum Finale vorantreiben soll. Dieses weiß auch nichts unerwartetes mehr zu verbergen und bringt den Film über die Eröffnungssequenz des Filmes zu einem überraschend schnellen und unbefriedigend zurück lassenden Schluß. Schade, daß alleine die Thematik dem Film einen nicht ungeachtet bleibenden Erfolg bringen wird und das kleine Genie Schneider sich dem großen Publikum erneut nicht beweisen kann.

Mühe (dies soll kein Wortspiel darstellen) gab man sich bei der Umsetzung von Mein Führer schon, dies merkt man manchen eingeschobenen Ideen schon an, nur ist dieser Führer leider genausowenig gut wie auch richtig schlecht und ist deshalb leider keinen Kinogang wert - auch keinen Videothekenbesuch - vielleicht in Zukunft einmal einen langweiligen Sonntag-Abend, wenn das Fernsehprogramm herhalten muß! Wir brauchen den Führer nicht, heilen wir uns selbst!

(5 Punkte)

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