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Dani Levy, Helge Schneider, Adolf Hitler?
Das klingt im Vorfeld ja bereits wie die Satire überhaupt, endlich traut sich mal jemand das zu zeigen, was man als Jugendlicher schon immer fantasiert hat: In Wahrheit war der Führer eine arme Sau, der sich unter der Dusche einen gekloppt und dabei Himmlers Namen gestöhnt hat.
Letzteres ist in Levys Werk natürlich nicht zu sehen, denn entgegen aller Erwartungen und der erheblichen PR im Vorfeld, bleibt der Streifen komplett harmlos und seicht.

Sicher, es ist eine schwierige Gratwanderung zwischen Groteske und Ernsthaftigkeit, dessen geschichtlicher Bezug keinesfalls ins Lächerliche gezogen werden sollte, aber wenn es um Hitler geht, der durch die vielen unnötigen TV-Reportagen schon fast zum Mythos mutiert ist, wird es doch Zeit, ihn mit mehr Biss und Mut vom Sockel faschistischer Anhänger zu stoßen.
Lächerlichkeit ist ein Kernthema und in dem Punkt funktioniert Levys Film teilweise recht gut, doch die wenigen Schmunzler gehen eindeutig auf das Konto von Helge Schneider, der viel zu wenig Zeit hat, sein Talent voll auszuspielen.

Was der Streifen präsentiert, ist nichts Halbes und nichts Ganzes, denn die Rahmenhandlung nimmt einen zu starken Stellenwert ein und beschert dem Betrachter teilweise eher einen dicken Kloß im Hals, statt pointierten Humor.
Demnach war es Goebbels Idee, den ehemaligen jüdischen Schauspieler Grünbaum (Ulrich Mühe) aus dem KZ zu holen, um ihn als Hitlers Moralcoach an die Seite zu stellen, damit der Führer zur Neujahrsansprache im Jahre 1945 den Krieg doch nicht als verloren preisgibt.
Doch in Wirklichkeit planen Goebbels und Gefolge ein Attentat auf Hitler, um es als Tat des Juden erscheinen zu lassen.

Zugegeben, Levy verharmlost die Geschichte nicht. Er zeigt einen gutgläubigen Grünbaum, der sich schnell überzeugen lässt, dass das KZ Sachsenhausen auf seine Forderung hin aufgelöst wurde, was ihm mit einem miesen Trick weisgemacht wird.
Aber dies ist eines von vielen Elementen, die in die Handlung eingebettet wurden und ihr einen todernsten Grundton verleihen, der nur zwischenzeitlich etwas aufgelockert wird.
Sollte der Film nicht eine Groteske, eine Satire oder gar eine Parodie sein? Dafür enthält er zu viele Szenen, die einen tragischen Hintergrund besitzen und sich sehr in den Vordergrund drängen, wie Grünbaums Familiensituation oder die Lage seines Freundes, der angeblich aus dem KZ entlassen wurde. Immer wieder wird ein Schmunzeln von schicksalhaften Ereignissen unterdrückt.

Dabei überrascht mich Helge Schneider immer wieder aufs Neue, denn sein Adolf Hitler ist ein gänzlich armes Würstchen in den letzten Zügen des Krieges und den letzten seiner siegeswilligen Kraft. Schneider krakelt und wütet, um in der nächsten Szene als lethargischer Typ im ekelig gelben Trainingsanzug die Faust ins Gesicht zu bekommen oder einen Hund zu imitieren.
Schneider spielt hervorragend, weiß seit jeher mit seiner Stimme facettenreich umzugehen und versteht es auch hier, die Stimme Hitlers nahezu perfekt zu imitieren, nur manchmal kommt der Helge, der gerne einen Kalauer bringen möchte, ein wenig durch.

Und hier macht sich das Ausmaß verpasster Möglichkeiten besonders bemerkbar. Denn Schneider bringt im Zusammenspiel mit Ulrich Mühe die besten Szenen, hier punktet die Situationskomik und die ruhige, dialoglastige Erzählweise kommt endlich positiv zum Tragen.
Ob sich der Führer am Telefon kurzum mit „Hitler…ja, heil, was ist…“ meldet, unter Grünbaums Anweisungen Liegestütze machen muss oder sich und seinen Hund zu später Stunde abseilt, um bei einem nächtlichen Rundgang nachzudenken, - das sind Szenen, von denen ich gerne mehr gesehen hätte.
Möglicherweise wäre gar ein Kammerspiel mit fast ausschließlich den beiden weitaus unterhaltsamer ausgefallen. Dieses „der Lächerlichkeit preisgeben“ findet hier in Ansätzen statt, wird nur nicht konsequent mutig weiter geführt, weil die Rahmenhandlung zu weit ausholt und sich nicht auf den Kern konzentriert.

Dabei sind nicht nur Schneider und Mühe sehr konzentriert bei der Sache, auch die übrigen Darsteller wissen zu überzeugen, vor allem durch stimmliche Betonung, allen voran Sylvester Groth als Goebbels und Ulrich Noethen als Himmler.
Positiv ist ferner die gelungene Farbgebung und die Wahl der Requisiten hervorzuheben, während die Kamera an einigen Stellen schwächelt und nicht immer auf der Höhe des Geschehens zu sein scheint.

Doch was nützen am Ende ein bemerkenswerter Helge Schneider und ein sauber agierender Ulrich Mühe, wenn die Handlung zu sehr hin und her schwankt, sogar einige Längen aufweist und die beiden dennoch zu wenig Zeit erhalten, um den Zuschauer wirklich zu erheitern?
Letztlich hätte ich mir insgesamt mehr bissigen Humor gewünscht, mehr Mut zur Bloßstellung Hitlers und weniger Drumherum, was nicht nur Langeweile sondern auch unnötige Ernsthaftigkeit ins Spiel bringt.

Mit guten Ansätzen, aber weit hinter seinen Möglichkeiten,
4 von 10

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