Nachdem nun "Seed 2" in den Startlöchern steht und Boll die Namensrechte an die Flachzange Marcel Walz abgegeben hat, der bei "Seed 2" mit der Nackedei-Hupe Micaela Schäfer auf dem Cover wirbt, sah ich endlich mal einen Grund, mein Boll´sches Universum zu erweitern, um gut auf das Sequel vorbereitet zu sein - immerhin hat Uwe auch einige gute Filme gedreht (u.a.: "Darfur" und "Siegburg").
Nun, nach dem Anschauen kann ich Uwe Boll verstehen, dass er nicht mehr an einer Fortsetzung aus eigener Hand interessiert war...
Der Serienkiller Maxwell Seed (Will Sanderson) wird von Detective Bishop (Michael Paré) in seinem Haus mitten im Wald festgenommen - tötet dabei aber noch fünf Polizisten und bekommt dafür die Todesstrafe, die durch den elektrischen Stuhl erfolgen soll. Nach dem zweiten nicht erfolgreichen Versuch wird er für das Publikum für tot erklärt und lebendig begraben. Natürlich schaufelt sich Seed an die Erdoberfläche und will Rache an jedem nehmen, der bei seiner Hinrichtung dabei war...
Was sich jetzt anhört wie eine stinknormale Inhaltsangabe sind schon wahnsinnige 50 Minuten der 80 Minuten Nettolaufzeit. Wie die letzten dreißig Minuten ablaufen, kann sich der genrevertraute Fan ausmalen.
Fangen wir mal mit dem Positiven an:
Okay, dann machen wir mit den negativen Beispielen, die "Seed" zu einem der schlechtesten Filme von Boll machen, weiter:
Die marginale Story ist natürlich nur Mittel zum Zweck, äußerst kreative Tötungsszenen zu zeigen, für die das Ewige Talent Olaf Ittenbach zuständig war. Dennoch hab ich von Itte schon reichlich bessere Effekte gesehen, als bei diesem Schrott hier.
Charaktere zum Mitfiebern sucht man vergeblich - da jeder Schauspieler seinen auf Papier gekritzelten Charakter ohne jeglichen Spaß runterkurbelt. Das gilt auch für Maxwell Seed selbst: Wir haben alle gerne Leute wie Michael Myers, deren Gesicht nie gezeigt wird, aber schon allein an diesem Punkt merkt man, dass Boll nicht in der Lage ist, ein Phänomen zu erschaffen. Selbst im Gefängnis darf Seed seinen Kartoffelsack aufhaben und in allen weiteren Szenen natürlich auch.
Zudem wirkt das ganze Abgefilmte arg billig und sieht dank schrottiger Kameras und Farbfilter (oder was weiß ich, was Boll hier für eine Kacke benutzt) schon fast wie ein Amateurfilm aus.
Ein weiterer Liebestöter sind die nicht immer chronologisch gedrehten Szenen, die zusätzlich für Verwirrung sorgen.
Es gibt nur zwei kleine Aufreger, die hier vielleicht noch erwähnenswert sind: Boll besorgte sich von der Tierschutzorganisation PETA grauenvolle ECHTE Videos, wie Tiere misshandelt und getötet werden. Warum ??? Ja, genau, weil der Killer Seed ein Tierfreund ist. Man gönnt ihm zwar sonst keine Charaktertiefe oder eine einzige Silbe im Film, aber die Tatsache mit den Tieren muss sein, dass man diese PETA-Videos unterbringen kann. Diese echten Snuff-Videos schocken wirklich - haben aber in diesem Film nichts aber so was von überhaupt nichts zu suchen und keine Ahnung, ob Boll den Film dadurch nur härter machen oder ein Mahnmal aufstellen wollte - aber jeder, der bis drei zählen kann, dürfte eine gewisse Tendenz klar und deutlich verspüren. Genauso mit seiner leisen Kritik an den Elektrischen Stuhl. Ohne Worte...
Die andere Sache ist eine Szene, in der eine gefesselte Frau mit einem kleinen Zimmermann-Hammer von Seed bearbeitet wird. Besonders an dieser Szene ist lediglich die Tatsache, dass sie knapp vier Minuten lang geht und ohne Schnitte in einer einzigen Kameraperspektive gezeigt wird. Da blitzt dann auch das einzige Mal so etwas wie kreatives Können durch.
Das war es dann aber auch schon. Wer mich kennt, weiß, dass ich es gerne blutig habe, aber dabei auch drauf bestehe, dass ich mit den Charakteren (einer reicht mir ja völlig aus) mitfiebern kann und eine minimale Story brauche, die wenigstens etwas Sinn ergibt.
So kann man sagen, dass "Seed" in sämtlichen Bereichen ein Totalausfall ist und ich solche Menschen einfach nicht verstehen kann, die sich die teure UNCUT-Version freiwillig ins Regal stellen, nur weil der Film blutig ist. Denn Splatter heißt nicht automatisch gut, sondern kann auch wie bei "Sweatshop" (genau so ein Rotzfilm), mächtig in die Hose gehen.
"Seed" ist stinklangweilig, total unnötig. Total unnötige PETA-Aufnahmen, die Story und sämtliche Schauspieler sind zum Davonlaufen. Keine Spannung, keine Atmosphäre. Nur eben etwas Splatter.
1,5/10