Ein ungutes Gefühl…
Auf dem Papier wirkt „Seed“ wie ein verlockender Sicko, ein Slasher, ein Throwback in straightere Video Nasty-Zeiten. Doch in Wahrheit garniert und kaschiert Boll diese simple Prämisse und sein selbst dafür - für diese eher niedrigen Standards - unzureichendes Filmemachertalent mit realen Tiertötungsszenen, sinnloser Gewalt, auch an Babies, modernden Leichen, Mondo-Zügen a la „Gesichter des Todes“, billigsten Schocktaktiken, banalen Splattereien, nahezu null Handlung - nur um davon abzulenken, dass er noch nichtmal dazu in der Lage ist seinen „Hatchet“ oder „Shocker“ zu machen. Was für'n Typ, dieser Uwe Boll. Ziemlich ätzend… „Seed“ handelt von einem stummen Psychopathen, Serienmörder und Schwerverbrecher, der nach drei fehlgeschlagenen Tötungsversuchen auf dem elektrischen Stuhl lebendig begraben wird - und der sich dann selbstredend ausgräbt und auf seinen persönlichen Rachefeldzug gegen die Anstaltsleitung begibt…
Uwe Boll: Die Wurzel allen Übels?
Ich glaube durch einige erzwungene Tabus, No-Gos und Fuck Yous hätte Boll wohl gerne, man würde seinen „Seed“ mit Deodato, Lenzi, dem Serben oder der neuen französischen Härte gleichsetzen. Aber diesen Gefallen kann und will ich ihm nicht machen. Denn egal ob „Martyrs“, „Cannibal Holocaust“ oder auch nur einfache Slasher mit Sack über'm Kopf aus den 80ern - alle machen viel mehr Spaß und sinnvoll Saftiges als dieser Grützenterror. Wenn man sieht wie echte Hunde gehäutet werden (warum gibt PETA dem Typ solche Aufnahmen?!) oder ein (fiktives) Baby verhungert, dann lässt das wohl kaum einen kalt und versetzt Körper + Geist schon erstmal in einen zitternden Zustand. Doch das allein ist ja noch kein Qualitätsmerkmal oder etwas von Boll Erreichtes. „Seed“ kann nicht, er will nicht. Die berüchtigte „Stuhlszene“ beraubt sich durch grausame CGI selbst fast aller Wirkung. Filmisch, erzählerisch, charakterlich ist das wertlos, eine Null. Ralf Möller als Anstaltsleiter ist einfach nur lächerlich. Vieles ist kaum erkennbar im Dunkeln. Das ist nicht trashig, nicht spaßig, nur schlecht. Das Ende ist eine Mischung aus gemein und Kopfschütteln. Die anfänglichen Tierszenen tun rein gar nichts zur Sache. Und sowas bekommt auch noch eine Fortsetzung… „Seed“ ist Dreck. Selbst unter Gorebauern (zu denen ich mich oft genug selbst zähle!) hat das noch einen viel zu guten Ruf.
Mondo trifft Slasher?
Fazit: Uwe Boll als reinster Provokateur… „Seed“ ist beileibe kein auch nur ansatzweise guter Film, aber er hinterlässt „immerhin“ ein fieses Gefühl in der Magengegend. Allein durch den schwer anzusehenden Tiersnuff. Was natürlich ungut ist. Und doch irgendwie auch „Sinn“ der Sache bzw. Ziel des Ganzen. Wenn der Rest dann jedoch dermaßen dämlich, zerstückelt und dilettantisch ist, die Wirkung gänzlich verpufft, dann bekommt man immer mehr einen guten Eindruck davon, warum den Mann viele nicht nur für einen der schlechtesten Regisseure, sondern auch keinen allzu guten Menschen halten… „Seed“ macht mehr unnötige und abartige Sachen als „Postal“ - und das muss man erstmal schaffen. Beide Daumen runter.