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Underrated Eastwood? Gar peak Eastwood? Oder nur Spaghetti dell'Americano?!

Die ersten fünfzehn Minuten samt blutrotem Intro, garstigem Ausgangspunkt und mächtigem Titelscore sind Westernedelragout, das kann man nicht anders sagen. Bitter, böse, brisant und brillant. Staubig und stark. Unbarmherzig und urig. Hier nimmt sich Hollywood ein glasklares und ungeniertes Beispiel am räudigeren Italowestern dieser Epoche. Danach wird „Hang 'em High“ jedoch etwas ruhiger und beliebiger und amerikanischer, wenn Clint Eastwood zu unrecht gehängt wird, mehr oder weniger vom Galgen springt und um sein Recht, die Wahrheit, die Freiheit kämpft… 

Italienische Schule in Amerika

„Hang 'em High“ im neuen 4K-Anzug und mit voll aufgedrehtem Audioheimkino - das ist schon ein Westerngourmettitel in seinen besten Momenten, zweifellos. Gänsehaut und Größe. Eastwood auf seinem Zenit. Der italienisch-dreckige Einfluss. Trotzdem die Möglichkeiten und Weite Amerikas und Hollywoods. Eine bleihaltige Fusion. Da leckt man schnell Blut, da schluckt man schnell Staub, da schmeckt man schnell Schweiß, da riecht man schnell Schießpulver, da schreit man kühn nach Gerechtigkeit und Vergeltung. Gerade zu Beginn hat einen dieser Western aber mal sowas von am Schlafittchen und an den schwitzigen Eiern. Doch umso länger er geht, desto mehr schnarchen und schleichen sich doch die amerikanische Schule und klassischere Tugenden ein. Was nicht grundsätzlich schlimm ist. Mir persönlich hier aber einen Strich durch die erhoffte Racherechnung macht. Auf galgenhohem Niveau, versteht sich. Immer wieder mit Highlights gesäumt und als Anhänger der Westernschule mehr als einfach gutzuheißen. Glühend, stilvoll, eine ehrliche Haut. Nur eben letztendlich mit zu oft fehlender letzter Härte, Schmutzigkeit und Konsequenz. Somit sicher kein Sergio Leone… aber wer war und ist und wird das schon je sein?! 

Wenn der Galgen die Starpower nicht mehr halten kann

Fazit: „Hängt ihn höher“ beginnt unheimlich intensiv, lässt im Verlauf dann etwas nach, wird nie zum gänzlich brandheißen und brutalen Revenger, wie man es sich wünschen würde, wie man ihn vielleicht rund um Rom zu der Zeit umgesetzt und durchgezogen hätte. Dennoch mit einem astreinen Clint Eastwood als funkelnd-grimmigen Star nah genug am Italien dieser Zeit und an der ersten Westernliga für mich. Aber eben nicht ganz da. Trotzdem für Fans des reitenden Genres tiptop guckbar. Fast schon ein brodelnder Westernmitternachtssnack. 

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