Milián und die Venus mit Pelz.
"Il Diavolo e l'acquasanta", aus dem Jahr '83.
((Um es, in Bezug auf die United-Video-DVD-Fassung (als Scheibe mit deutscher Tonspur alternativlos) kurz zu machen: Ein United-Video-Praktikant mit leichten Sehstörungen und Schluckauf hat mittelschwer abgenudeltes VHS von einem schon leicht angezählten Röhrenfernseher abgefilmt; irgendwann ließ zumindest der Schluckauf nach.))
Don Gaetano Morelli (prima: Piero Mazzarella), Priester der Gemeinde Castelfranco, der wegen seiner unkonventionellen Art vom Bischof argwöhnisch beäugt wird, vereitelt beherzt einen Selbstentleibungsversuch des nach karrierekillender Knieverletzung von suizidalen Anwandlungen befallenen, aber dennoch ungeheuer großmäuligen und mindestens ebenso schlitzohrigen Ex-Fußballprofis Marangoni (Milián). Woraufhin sich dieser mit der Argumentation 'Du hast mich nicht in Ruhe krepieren lassen, nun musst Du Dich um mich kümmern' (dass die Suizidversuche nur vorgeblich und eine Gaunerei waren wird angedeutet) mitsamt Freundin (bleibt etwas farblos: Savina Geršak) dreist im Haus des gutmütigen Priesters einnistet, um fortan in rauen Mengen Pasta und Gebäck zu vertilgen, das eigene kaputte Leben zu verfluchen und zwischenzeitlich mit lukrativen Gaunereien Castelfranco und Umgebung unsicher zu machen. Sehr zum Leidwesen Morellis, der sich nun nicht mehr allein seiner unhübschen Haushälterin (die sympathische Margherita Fumero mal wieder als Schreckschraube) erwehren muss, die ihn mit schwülstigen Liebeserklärungen terrorisiert. Dass Morellis Herz wiederum für den örtlichen, so schlecht organisierten wie trainierten Viertligisten-Fußballclub schlägt, weckt schon den einen oder anderen Verdacht, wie es in dieser routiniert gemachten, aber doch recht launigen Komödie weiterlaufen könnte...
Der Film ist so schlecht nicht. Auf dem Niveau eines mittelprächtigen Celentano-Films ist er allemal - und tatsächlich hätte auch Celentano in der Hauptrolle gut funktioniert. Die Pointen und Kalauer - selbstredend kommen aus dem Munde Marangonis/ Miliáns wieder hübsch zotige Sachen - sind teilweise ganz witzig, woran auch die sehr passable Synchronisation der Hauptrollen ihren Anteil haben dürfte.
Regisseur Bruno Corbucci hatte zu dem Zeitpunkt schon neun seiner "Superbulle"-Filme mit Milián als Commissario Nico Geraldi/ Toni Maroni abgedreht, und es mutet auch so an, als mache Geraldi (der besonders exzentrische ab dem zweiten Sequel der Reihe) mal eben ein wenig Urlaub in diesem Film (wie gewohnt mit dezentem Kajal und dunkler Lockenpracht, über die er stets einen Hut gestülpt hat) - dabei spielt er, ganz urlaubsgemäß, auch etwas zurückgenommen.
Corbucci, der ja durchaus was auf dem Kasten hat, geht dabei inszenatorisch ausgetretene Pfade, wenn er etwa wiederholt einen Marangoni mit in sich gekehrtem Kajalblick präsentiert, das Bild wird diffus und schärft sich wieder (soweit es die DVD-Qualität zulässt) für dessen Erinnerungen an grandiose Fußballtage. Milián, Mazzarella und Fumero sind aber letztlich ein gut funktionierendes Trio, das die eine oder andere schöne Situationskomik erzeugt - mit den dreien hätte man einen weit besseren Film machen können.
Mit den klassischen Don Camillo-Filmen hat "Don Camillo und das Schlitzohr" noch weniger zu tun als Hills im gleichen Jahr entstandener, filmisch überlegener (aber von der Kritik abgestrafter) "Don Camillo"/ "Keiner haut wie Don Camillo" - und in Corbuccis Fim ist noch dazu weit und breit kein kommunistischer Bürgermeister in Sicht. Wie so oft wird aber kauzige Priesterhausromantik präsentiert - dampfende Pasta auf dem urigen Holztisch vorm riesenhaften Kruzifix. Dazu kommen einige verschrobene Randprotagonisten, von denen auch so mancher zur Gaunerei neigt. Und an einigen Stellen wagt sich der Film gar in Richtung Satire auf katholische Umtriebe vor, etwa wenn nach einer vermeintlichen Mariensichtung die halbe Gemeinde in Verzückung verfällt - was jedoch kaum den Eindruck mindert, dass es sich bei "Il Diavolo e l'acquasanta" um einen reichlich naiven Film handelt.
Zum Katholizismus kommt full frontal nudity, da sind die Italiener erfreulicherweise frei von falscher Scham, und so wird Priester Morelli zu "allem Übel" mit der nackten Savina Geršak konfroniert: Ganz hübsch, aber es gibt mehr Pelz zu sehen als auf einer russischen Zobelfarm.
Schlimm ist, das muss noch erwähnt werden, eines der beiden musikalischen Hauptthemen des Filmes, eine Kirmesmusik, deren Dämlichkeit sofort alle Bilder penetriert. Kaum zu glauben, dass Maurizio De Angelis (Oliver Onions) der Urheber ist.
Unterm Strich ein anspruchsloses, aber entspanntes, nicht ganz unwitziges Filmchen mit dem entsprechenden, unverwechselbarem Italo-Flair; für Milián-Fans (ich bin so einer) keine Enttäuschung.