Review

Mit gesundem Argwohn konnte man in den letzten Jahren die Schaffenskurve des deutschen Nachwuchsregisseurs Timo Rose verfolgen, wobei qualitative Schwankungen beträchtlich waren.
Mit „Barricade“ kehrt er ein wenig zu den Wurzeln des reinen Splatterfilms zurück und präsentiert einen lupenreinen Terrorfilm, der nicht an derb-blutigen Szenen spart.

Und er demonstriert sogleich wo es langgeht, als fünf Camper der Reihe nach abschlachtet werden: Rauer Splatter ohne Rücksicht auf Verluste. Nur ein kleiner Schock tut sich zunächst auch auf, da die ersten Opfer grottenschlecht steif agieren, so dass vorerst das schlimmste an schauspielerischer Leistung zu erwarten wäre, was glücklicherweise ganz und gar nicht der Fall ist.

Auf Handlungsebene macht es sich Rose denkbar einfach, indem er die Amerikaner Nina (Raine Brown) und Michael (Joe Zaso) mit Kumpel David (André Reissig) in den Schwarzwald zum Campen schickt, wo eine degenerierte Kannibalenfamilie bereits auf ihre nächsten Opfer wartet.
„Pure Animal Instinct“ in deutschen Naturschutzgebieten, - nun ja.

Zunächst gibt es eine Menge Smalltalk der drei Hauptfiguren und dazwischen immer wieder etwas namenloses Kanonenfutter, um die Stimmung unter den Gorehounds konstant zu halten. Dennoch tun sich im ersten Drittel einige Längen auf, die auch die durchaus brauchbaren Darsteller nicht gänzlich kaschieren können.
Wesentlich besser wird die Handlung, als einer der Truppe spurlos verschwindet, der zweite in eine Falle tritt und die letzte Person versucht Hilfe zu holen.
Besonders die letzte halbe Stunde gibt noch mal ordentlich Gas.

Und gerade in den Belangen, auf die der Genrefreund verstärkt achtet, hat sich Timo Rose deutlich gesteigert. Beginnend bei den wirklich schmodderigen Masken der Hinterwäldler, über die Ausstattung deren morbiden Domizils und natürlich den Bluteffekten, kann sich das Gesamtergebnis gut sehen lassen.
Da wird geschlagen und geschossen, viel geschlitzt und geöffnet, die Eisenstange geht auf den Kopf, die Brustwarze flöten und von verätzter Gesichtshaut bis abgetrenntem Arm kommt eine Menge Kunstblut zum Einsatz.

Darüber hinaus arbeitet die Kamera fast durchweg variabel, fängt Szenen aus der Distanz ein um die Landschaft zur Geltung kommen zu lassen, weiß Nahaufnahmen der Gesichter gezielt einzufangen und ist innerhalb schnellerer Szenen immer auf Höhe der Protagonisten. Lediglich während einiger Folterszenen wackelt sie etwas zu hektisch.
Weiterhin fällt der Score positiv auf, nur einige wenige Hip-Hop-Tracks wirken völlig deplatziert, wobei sie während des Abspanns recht gut ins Bild passen.

Als wirklich überraschend erweisen sich die zwei amerikanischen Darsteller, die nicht erst seit gestern vor der Kamera agieren, was man ihnen deutlich anmerkt. Raine Brown kommt besonders im letzten Drittel so richtig in Fahrt, aber auch Timo Rose himself weiß in einer glaubhaften Nebenrolle zu überzeugen, ohne wie in früheren Werken selbstdarstellerisch zu wirken. Negativ fallen hier wirklich nur die kleinen Nebenrollen auf.

So stellt „Barricade“ einen grundsoliden Backwood-Slasher dar, der auf handwerklicher Basis erstaunlich sauber über die Bühne geht, vielleicht ein paar Verfremdungen und auf alt getrimmte Szenen zuviel einbringt, im Endeffekt aber überzeugt.
Was zu Beginn ein wenig dialoglastig ausfällt, gerät in der zweiten Hälfte zum reinen Terrorfilm, der nicht mit brachialer Gewalt und fiesen Rednecks zurückhält.
Und wenn da gekloppt, gejagt und gewürgt wird, hat das den Drive, den man eigentlich von amerikanischen Mittelklasse-Produktionen erwartet.
Insofern: Daumen hoch für die Schwarzwald-Kannibalen,
6,5 von 10

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