Ein weiterer Ensemblefilm von Regisseur und Autor James Yuen, der dergleichen Personengeflecht bereits öfters in seiner Karriere angerissen hat und sich auch deswegen hiermit keine grossen Schwierigkeiten bereitet.
Yuen, der anfangs eher als Mann für die Romantische Komödie bzw. das leichte Drama engagiert wurde [ Your Place Or Mine ! , Rumble Ages, My Loving Trouble 7 ] widmete sich später vermehrt dem Cop - Film; wobei diese Elemente immer nur eine Art Hintergrund für die jeweilig ausschweifenden Kalamitäten dienen und entsprechend ihrem verborgenen Potential auch nur bedingt wirken.
Heavenly Mission ging ähnlich wie die anderen in diese Richtung weisenden Red Rain, Clean My Name, Mr Coroner ! und auch Crazy 'n the City beim Publikum eher unter; was neben allen rein qualitativen Gründen sicherlich auch damit zu tun hat, dass man zwischen verschiedenen Stühlen sitzt.
So hat das Projekt theoretisch alles, was aus ihm einen Blockbuster machen sollte: Vor allem die Starbesetzung plus dem gängigen Aufhänger sollte Anlass genug sein, Aufmerksamkeit zu erheischen. Scheitern tut es neben der Unsicherheit eines klaren Genres wieder einmal daran, dass man aufgrund des dialektischen Leitmotives seltsam blutleer wirkt und sich zahlreich plumber Symbolik bedient.
Erstaunlich ist das vor allem angesichts der Tatsache, dass man sich diesmal theoretisch in einem Bereich befindet, in dem sich die Kantonesischen Filmemacher seit durchgängig zwanzig Jahren austoben. Wo man mittlerweile weiss, was das Publikum sehen möchte und was nicht. Der komplexen Geschichte mit simplen Ausgangspunkt eine etwas andere Sichtweise zu geben als üblich ist zwar durchaus angenehm; aber man bekommt trotz allem vorhandenen Materials und der sicher ausgespielten Karten partout keinen eindeutigen Triumph in die Hand. Nicht nur, dass man sich nach einer Weile auf seiner humanistischen Botschaft ausruht und auch vieles dafür tut, diese mit einem immanenten Theismus zu fundamentieren; man erstickt nach einer Weile auch an einem Pulk von Dialogen.
Die Möglichkeit für etwas Grosses stetig in Aussicht, findet man einfach nicht die geeignete Bewegungsrichtung dorthin.
Gangster Yip Chau [ Ekin Cheng ] hat acht Jahre in einem thailändischen Gefängnis gesessen. Als der Tag seiner Entlassung kommt, überschlagen sich die Zeitungen und die Ereignisse. Sowohl seine alten Brüder unter Chu Hung [ Ti Lung ] als auch die Junggauner wie Ghost [ Stephen Fung ] erwarten gespannt auf seine Rückkehr nach Hong Kong. Und die Polizei eröffnet eine speziell auf ihn abzielende Anti - Triadeneinheit, deren Leitung Inspector Song Kwok Ming [ Alex Fong ] übernimmt.
Doch keiner hat mit Yips Wandlung gerechnet.
Die Werbezeile "Is he guilty or not?" trifft das Thema nicht annähernd; zumindest beachtet sie die Tatsache nicht, dass in der Hauptrolle der Gutmensch schlechthin gecastet ist. Auch der Rest ist nach Standard nominiert, aber tut etwas für die Geschichte statt gegen sie. Cheng ist als quasihistorisches Fresko gleichzeitig Bonus, aber eben noch mehr Knackpunkt. Er verkörpert wie kein Anderer den Triadenleader; hat er doch nicht nur in den offiziellen sechs Young and Dangerous Filmen das Synonym des ehrenhaften Kriminellen gespielt, sondern auch in diversen parallelen oder nachträglich formulierten Werken die Rolle des "Chan Ho-Nam" nur unwesentlich abgeändert. Ausserdem ist er generell bedeutungsgleich mit altruistischem Handeln geworden. Man traut ihm nicht einmal im Entferntesten eine bösartige Gemeinheit zu und weiss folglich von vornherein, dass sich sein Yip mit Inbrunst in prosoziales Verhalten schmeisst, ohne Plan B in der Hinterhand auch nur zu erwägen. Womit man schon einmal von Start weg die Gelegenheit für eine Anspannung rund um seine Figur verloren hat und dies auch nur schwer um seine Mitstreiter und Gegner erbauen kann.
Zum Ersteren gehören u.a. sein Anwalt Ma Xue-yan [ Julian Cheung ] und der journalistische Chefredakteur CL Hui [ Eric Kot ], die ihm den Rücken freihalten und und die kommenden Charity - Aktionen an die Öffentlichkeit bringen. Yip besucht gestärkt durch geliehene 30 Millionen USD die Altersheime, um deren Bewohner Geldgeschenke zum Chinese New Year zu übergeben, gründet ein Fond für krebskranke Kinder und verteilt seinen erlangten inneren Frieden an die Gesellschaft.
Wenn er nicht gerade in Ausübung individueller Tugendhaftigkeit zum Allgemeinwohl verwickelt ist, cruist er als weissgekleidete Lichtgestalt über die offene See. Immer den missgünstigen Feind am Hacken.
"You were a gangster and you'll always be !"
Das Böse tut dann auch sein Bestes, um der buddhistischen Soteriologie wenigstens etwas Scherereien zu bereiten; dass Regisseur Yuen sich auch auf andere Konstellationen konzentrieren vermag und letztlich eine in der Gesamtheit interessante Umgebung zeichnen kann, gereicht dem Film eindeutig zum Vorteil.
Das Andersdenken seines verschieden perspektivischen Umfeldes sorgt für die notwendigen Konflikte; in der man Boden gut macht statt ihn nur an die durch Gott geleitete Einstellung von Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit zu verlieren. Und nun beherrscht der Film auch sein paradigmatisches Metier, statt es bloss in Gesinnung und Wermaßstäbe zu konservieren.
Die Aufteilung in verschieden hierarchische Machtverhältnisse und Rivalendreiecke, die sich abwechselnd in changierenden Situationen überschneiden sowie die formelle Behandlung von Polizei- und Triadengenre gibt dem Inhalt erst seine genauere Artikulation. Grossanlegte Observationen, im Verborgenen durchgeführte Spionageaktionen, ein Bombenanschlag, ein Messerattentat, eine Geiselnahme, mehrere Einbrüche und weitere offene oder indirekte Konfrontationen sind alle in wunderbar defätistischer Grundstimmung dargebracht. Das technische Repertoire oftmals beeindruckend in Szene gesetzt, in den Dienst der Entfaltung eines breitgefächerten Überblicks gestellt und ganz allgemein mit dem virtuosen Hang zu etwas Grossem verbalisiert.
Eine bis auf wenigen Ausnahmen feste Staffelung der Subjekte, die immer wieder vertretene Motive in Gegensatzpaaren repräsentieren. In einer alternierenden Abfolge von Sequenzen unterschiedlicher Haltung.
Akzentuierte Verlangsamung von Schauspielergesten. Materialistisches Zweckdenken bei Anwalt Ma. Der psychopathische Ausdruck bei Ghost und sein eigener eruptiver Privatkrieg um die Vorherrschaft in der Kriminalität. Das taktisch - operative Vorgehen der staatlich unerbittlich jagenden Task Force. All dies wird in durchdachten, lebendigen Bildmontagen und verbindender ästhetischer Prägung dargereicht.
Sowohl die Charakterisierung als auch die Zuspitzung der Situationen sind soweit in sich stimmig; man bekommt die Gegenüberstellungen nicht nur verknüpft, sondern deutet und verdeutlicht auch und treibt die Plastizität des Bildes voran.
In den Requisiten und Kulissen ausgesprochen aufwendig gehalten und dennoch eine unprätentiöse Wiederspiegelung erreichend, vermeidet man durch eine angenehm spielerische Leichtigkeit die sakrale Überbetonung und trockene Ernsthaftigkeit anderer zeitgleicher Arbeiten wie Operation Undercover, On the Edge, Confession of Pain oder Election 2. Die Ausfahrten in ferne Länder wie eben Thailand, Macau oder Kambodscha bringen zwar rein narrativ recht wenig und hätte man sicher auch vernachlässigen können, geben dem selektierenden Wechselspiel aber eine ausgiebige Dimension und brechen eine etwaige urbane Monotonie sukzessiv auf.
Dies tröstet zumindest darüber hinweg, dass man wie so oft in letzter Zeit erneut den Biss früherer Filme schlichtweg vergisst. Mit Yip als Handlungszentrum und "Selbstlosigkeit" als vermeintlich tragfähige Grundlage kann man nur verlieren. Der allzu strikte Blick seiner konsequentialistischen Ethik, in der Taten gänzlich danach zu beurteilen sind, wie kostbar und erstrebenswert ihre Folgen sind, vermeidet jegliche Grauabstufung. Traditionelle Lösungsmodelle werden ebenso bevorzugt wie personale Typisierungen, und auch die Mängel in der dramaturgischen Durcharbeitung des Drehbuches sind nur gravierend, weil man jeglichen Stress, Druck, Härten und physische Aktivitäten auf ein Minimum reduziert. Wo ist ein Ringo Lam, wen man ihn braucht ?
Da kann man nur hoffen, dass Derek Yees kommender Protégé seine vollmundigen Versprechen einlösen kann und auch endlich mal zur Sache geht.