Ein Werwolf, der Märchen in Reimform ins Spiel bringt und einem Girlie die Jungfräulichkeit nimmt, bevor er sie kalt stellt, - riecht nach unterhaltsamen Trash für die Partyrunde, bringt aber seit den typischen Genrebeiträgen der 80er, wie etwa der „Werwolf von Tarker Mills“, rein gar nichts Abweichendes.
Die Identität des sich zu Vollmond Verwandelnden wird so ziemlich von Beginn an deutlich, daraus macht der Plot kaum einen Hehl.
Mal wieder der böse Stiefvater, der die Typen einer Studentenverbindung erst warnt seine Jagdhütte zu betreten, dann bis auf Heldenpaar Derek und platonischer Freundin Sam alle auslöscht, um schließlich von den Überlebenden zur Strecke gebracht zu werden.
Wirklich spannend ist das selten, aufgrund der vertraut wirkenden Figurenkonstellation aber ausreichend sympathisch, um über die meiste Zeit zu unterhalten.
Denn nach einiger Vorlaufzeit, die der typischen Charaktereinführung eines Slashers gleicht, ist man zunächst ein wenig verwundert, den Schauplatz der Jagdhütte so rasch wieder zu verlassen und lediglich zwei Personen beizuwohnen, die Stiefvater hinterher spionieren.
Doch Richard Tyson blüht in der Rolle des fiesen Mitch, der seine sexuellen Gelüste ebenso wenig unter Kontrolle hat wie seine ausufernden Beleidigungen, richtig auf.
Demgegenüber ist das Storyelement der ewig langen Freundschaft zwischen den Helden, die nach einigen Streitigkeiten zu einer Beziehung heranwächst, ein eher langweiliger Anteil, der lediglich durch kleine Humoreinlagen (DNA-Probe, Motorrad streikt) bei Laune gehalten wird.
Aber es gibt ja schließlich noch den Werwolf und seine blutigen Auftritte.
Mal abgesehen von der wahrlich minderwertigen Maske, die wie ein Restposten eines Kostümverleihs wirkt, können sich die Gewaltszenen durchaus sehen lassen, - zumindest jene ohne Dazutun aalglatter Computereffekte. Da werden Köpfe abgeschraubt, Beine zerfleischt, Haut tief aufgerissen, ein Gesicht abgehebelt und ein Bauch durchbohrt. Andere Szenen spielen sich zwar im Off ab, lassen jedoch genügend Blut vors Objektiv spritzen.
Ansonsten herrscht besonders im Mittelteil ein deutlicher Mangel an Konfrontationen, das kurze Aufleuchten roter Klüsen und Knacken im Arm, sowie das Ausspionieren des Verdächtigen lassen für einige Zeit ein wenig Drive vermissen.
Gegen Showdown wird es hingegen wieder turbulenter, der Schauplatz wird abermals in die Jagdhütte verlegt, zufällig vor Ort streunende Teens verwurstet und mit Pfeil, Bogen und Silbermesser zurückgeschlagen.
Das Ende böte gar ein Sequel, soviel Potential wie das thematisch verwandte „Ginger Snaps“ bietet der Grundstock jedoch nicht.
So sorgen ein anfängliches Weichei und eine toughe Auto-Mechanikerin für ein halbwegs munteres Treiben, der Running Gag mit einem flüchtenden Reporterteam bringt ab und an ein leichtes Schmunzeln und wenn der Werwolf zulangt, kommen gelegentlich auch Splatter-Freunde auf ihre Kosten, - alle übrigen Horrorfans sollten nicht zuviel erwarten, denn Humor mit Biss gepaart, kam beispielsweise in „American Werewolf“ deutlich besser zur Geltung.
5,5 von 10