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„Crying Freeman“ wurde einmal als Anime verfilmt, dreimal in real, wobei „Killer’s Romance“ die wohl nüchternste Adaption des Mangas darstellt.
Relativ parallel zur zweiten Hongkongvariante „Dragon from Russia“, die mehr auf Drahtseilakrobatik und phantastische Elemente setzte, gedreht inszeniert „Killer’s Romance“ die Geschichte um den unfreiwilligen Killer nahezu ohne jegliche mythische Überhöhung, welche die anderen Adaptionen (und auch die Vorlage) ausmachten. Vielmehr orientiert sich der Film an den damals angesagten Gangsteractionfilmen in der Tradition von John Woos Heroic Bloodshed-Epen.
Dementsprechend ist Hauptfigur Yo (Simon Yam) kein zum Auftragsmörder herangezogener Töpfer, sondern der Sohn eines Gangsterbosses, der sich bisher immer aus den Geschäften heraushalten konnte – ehe der Papa bei einem Attentat dahingemeuchelt wird. Die klassische Gangstergeschichte, denn durch den Rachegedanken motiviert übernimmt der Sohn nicht nur das Ruder, sondern begeht auch die ersten (Rache-)Morde im Auftrag der Familie.

Bei einem seiner Aufträge hat Yo allerdings eine Zeugin: Emu (Joey Wang). Er soll auch sie liquidieren, kann es aber nicht. Während er die Liebe für sich entdeckt und zu Emus Beschützer wird, erkennt er auch, dass die Mörder seines Vaters vielleicht nicht diejenigen sind, die er dafür hält…
Als Adaption der „Crying Freeman“-Story ist „Killer’s Romance“ mit seinem Verzicht auf Mythik und Poesie der Vorlage die am ehesten auf Realismus getrimmte Adaption, aber auch am weitesten weg von der Vorlage: Keine 108 Drachen, keine übermenschlichen Kräfte des Freeman, ja selbst das Weinen nach jedem Mord fällt weg. Insofern ist „Killer’s Romance“ nur ein HK-Actionfilm unter vielen, dessen Killer-verliebt-sich-in-Zeugin-Story an sich auch ohne den Bezug auf den Manga funktionieren würde.
Als Reißer von der Stange ist Phillip Kos Film aber durchaus brauchbar, legt er doch ein ordentliches Tempo an den Tag und kaschiert sein sichtbar knappes Budget so gut es geht – wenngleich bei einigen Action- und Stuntszenen schon durchscheint, dass Schmalhans der Küchenmeister war. Ko macht jedoch das Beste aus der Produktionsbedingungen und auch aus dem Script, dessen Subplots um eine Vertraute Yos und deren ebenfalls der Organisation angehörigen Bruder den Film leider nur bedingt weiterbringen, dessen Mainplot trotz einiger Vorhersehbarkeit aber einige Kurzweil bietet.

Den Actionoverkill mancher artverwandter Produktion darf man leider nicht erwarten, was sicherlich auch budgetbedingt ist, doch wenn es rummst, dann darf man sich auf Geschlitze, Geprügel und Geballer der temporeichen Art einstellen, denn ganz im gewohnten HK-Stil der späten 80er und frühen 90er wird hier noch auf handgemachte Art und Weise kräftig ausgeteilt und eingesteckt, wobei die Choreographie vielleicht nicht an die Arbeiten eines John Woo, eines Cory Yuen oder eines Yuen Woo Ping heranreicht, sich aber doch sehen lassen kann.
Ebenfalls sehen lassen kann sich Simon Yam, mittlerweile als Schauspielschwergewicht aus Fernost durchaus etabliert, damals noch in jüngeren Jahren und noch nicht ganz so geübt wie heute, aber doch mit recht ausdrucksstarkem Schauspiel. Joey Wang dagegen wirkt ein wenig austauschbar, die Nebendarsteller ganz solide, wenn auch teilweise mit einem Hang zum Overacting geschlagen.

Insofern sollte man alles andere als eine werkgetreue Verfilmung erwarten, dann kann man sich an einem recht soliden, brauchbar inszeniert, wenn auch eher uninspirierten HK-Actioner erfreuen. Immerhin: Kos nüchtern-realistischen Ansatz wählte keine andere Verfilmung des Stoffes, womit auch „Killer’s Romance“ seine Daseinsberechtigung hat.

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