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Joseph Vilsmaier ist wieder da. Wer meine Besprechungen zu "Bergkristall" und "Schlafes Bruder" aufmerksam gelesen hat wird gemerkt haben, dass ich Vilsmaier für einen der wenigen deutschen Regisseure halte, die ihr Handwerk noch verstehen. Vor allem in Sachen Heimatfilm schaffte es Vilsmaier, das (sonst eigentlich zurecht) vollkommen verschmähte Genre mit Beiträgen zu bereichern, die mitunter als großes Kino bezeichnen werden können. Vilsmaier versteht es vor allem durch brillante Bildkompositionen seine Filme aufzuwerten und auch die Geschichten haben es durchaus in sich, auch wenn natürlich einige Flopps dennoch nicht außen vor blieben. So ist z. Bsp. "Bergkristall" zwar in seiner Inszenierung grandios ausgefallen, ansonsten aber eher auf mäßigem Niveau angesiedelt. Dieses Jahr nun hat sich Vilsmaier allerdings dennoch erneut einem Weihnachtsfilm verschrieben, der wieder in den Bergen spielt. Und wieder kann Vilsmaier seine Stärken in Sachen Inszenierung durchaus zur Geltung kommen lassen. Dennoch ist auch "Das Weihnachts-Ekel" unterm Strich nicht wirklich etwas Sonderliches geworden.

Was die Geschichte z. Bsp. angeht, bietet "Das Weihnachts-Ekel" einmal mehr, die zu Weihnachten so beliebte Geschichte des Griesgrams, der zu Weihnachten zum Menschenfreund wird. Dieses mal geht es um den Fernsehreporter Robert Lahnstein, der das Fest der Liebe hasst wie die Pest und sich deshalb jedes Jahr in seine Hütte in den Bergen verzieht. Dieses Jahr allerdings bleibt er, aufgrund eines äußerst hohen Schneeaufkommens, mit seinem Wagen im Schnee stecken und erreicht nur mit Mühe und Not eine tief verschneite Scheune. Diese wird allerdings schon von sechs weiteren Personen als Unterschlupf genutzt und nun heißt es das Ekel zu ertragen. Doch so langsam taut das eiskalte Herz des Miesepeters auf... Ja, ja das hat man schon alles wirklich 1000 Mal irgendwo gehört. Sei es im grandiosen Dickens-Märchen um Ebenezer Scrooge oder in einer seiner unzähligen Verfilmungen. Weihnachtshasser wird zum Menschenfreund. Aus einem notorischen Miesepeter wird ein Freund fürs Leben. Das mag ja alles schön und gut zu Weihnachten passen und wurde durchaus auch schon glaubwürdig und ansprechend auf Zelluloid gebracht. Doch im Jahre 2006 wirkt diese Geschichte dennoch wie ein innovationsloser Abklatsch. Daraus noch etwas ansprechendes zu machen, ist wahrlich schwer.

Doch Vilsmaier hat dies mit seinem Weihnachts-Ekel durchaus geschafft. Beispielsweise sind die Gags des Films teilweise doch recht schön bissig geraten, vor allem in der ersten Hälfte des Films wird mitunter schön schnodderig durch die Gegend gestänkert. Auch später im Film kann die Figur des Robert Lahnsteins hier und da immer noch für ein paar nette Schmunzler gut sein. Sowieso sind die Figuren des Films allesamt recht erfrischend geraten und passen ordentlich zusammen. Sei es eben das Ekelpaket Lahnstein, die aus dem Altersheim ausgerissene Granny Rita Waltleitner, oder eben all die anderen Charaktere. Die Figuren passen, wackeln und haben Luft und sind genauso gestaltet, wie man es von einem luftig-lockeren deutschen Fernsehfilm erwarten kann.

Des weiteren protzt Vilsmaier auch dieses Mal wieder mit einer Inszenierung, die sich gewaschen hat. Angefangen bei den mitunter extrem verschneiten Kulissen, die er mit seiner Kamera gar prächtig und fürs Auge unheimlich verwöhnend eingefangen hat. Die prächtig verschneite Bergwelt birgt eine Atmosphäre in sich, die man nur als knisternd und einzigartig bezeichnen kann. Meter hohe Schneedecken, unberührt wirkende Natur und mitten im Nirgendwo dann eine warm wirkende Scheune, die behütender kaum wirken kann. Ja, Vilsmaier versteht es einfach, wie man grandiose Bilder einfangen kann, die selbst die banalsten Geschichten groß wirken lassen. Auch wenn das TV-Produkt noch bei weitem nicht an die Inszenierung des Kinofilms "Bergkristall" heranzukommen vermag, so ist es trotzdem eine Wonne, dem Treiben in diesen Kulissen zuzusehen.

Dennoch kommt man nicht umhin, einige spürbar große Löcher und Ungereimtheiten in der Handlung auszumachen. Leider wirkt das Drehbuch hinten und vorne nicht ganz rund und immer wieder gibt es Logikbrüche, die selbst ein Laie zu erkennen vermag. So ist es z. Bsp. mehr als wunderlich, dass Lahnstein, als er sich von der Scheune, nach einem Streit, entfernt, durch meterhohen Schnee waten muss und später sogar in einem zugefrorenen Gewässer einbricht, während einige Figuren später im Film, schon nach wenigen Metern Fußmarsch, eine Polizeistation erreichen und dabei auch kaum durch allzu hohe Schneemassen gelaufen sein dürften. Oder eine weitere Szene, in der Lahnstein sich anscheinend noch ganz ohne Schwierigkeiten bewegen kann, obwohl er kurz davor für Minuten im eiskalten Wasserloch eines zugefrohrenen Gewässers verbracht hat. Und seine ganze Wandlung vom Ekel zum Menschenfreund ist leider auch kaum nachvollziehbar gestaltet worden. Da hätte Drehbuchschreiber Rolf-Rene Schneider hier und da doch noch etwas Feinschliff an seine Geschichte ansetzen sollen, denn so hat man eher das Gefühl, als würde es in kurzer Zeit davon eine Extended Version auf DVD geben, was aber wohl eher unwahrscheinlich ist.

Dafür können aber die Schauspieler, im Gegensatz zu "Bergkristall", wieder vollkommen überzeugen, zumindest für eine TV-Produktion. Fritz Wepper z. Bsp. gibt hier wirklich ein absolut prima gespieltes Ekelpaket ab und seine Rolle nimmt man ihm wirklich zu jedem Zeitpunkt ab. Oder Ruth Drexel, die sich ja schon des längeren von ihrem reinen "Bullen"-Image lösen will und hier ihre Rolle, der etwas verwirrten Granny, ebenfalls super zur Schau stellt. Dazu dann noch einige weitere bekannte Gesichter die ebenfalls in Ordnung gehen. So muss das sein!

Fazit: Unterhaltsames Weihnachtsprodukt aus dem Hause Vilsmaier, dass zwar erst einmal mit einer äußerst altbackenen Geschichte aufwartet, diese aber dann mit wunderbaren Figuren, sowie vielerlei netten Witzen aufzuwerten vermag und alles in eine Inszenierung verpackt, die zeitweise atmosphärischer kaum sein könnte und mitunter Eye-Candy pur bedeutet. Auf einige äußerst ärgerliche Plot-Holes hätte man zwar verzichten können, aber alles in allem kann man sich diesen gemütlichen Film schon einmal in der Weihnachtszeit anschauen, wenn man mit Vilsmaier-Filmen etwas anzufangen versteht und nichts gegen leicht verdauliche Weihnachtsfilme hat. Jedenfalls weit besser als das, was uns Sat. 1 mit seiner Weihnachtsgansgeschichte bereitet hat. Vilsmaier eben!

Wertung: 6,5/10 Punkte

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