Inhalt:
Kamchatka ist nicht nur eine Halbinsel im Nordosten Sibiriens, sondern auch ein strategisch wichtiges Feld im Brettspiel "Risiko", das Lucas, der kleine Sohn eines poltisch aktiven Pärchens immer wieder gerne mit seinem Vater spielt. Argentinien ist in eine rechtsextreme Diktatur gefallen, und die Familie befindet sich deshalb ständig auf der Flucht...
Review:
Eins vorweg: Dieser Film ist für mich einer der Tiefpunkte der Welle von Aufarbeitungen der argentinischen Militärdiktatur 1976-83. Einzig und allein der zugegebenermaßen originelle Einfall mit dem Risiko-Brettspiel hievt ihn gerade noch auf erträgliches Mittelmaß.
Die Story ist eigentlich schnell erzählt. Weil die Eltern des kleinen Lucas für den Widerstand gegen die Militärdiktatur arbeiten, sind sie ständig auf der Flucht vor den Ermittlern und ziehen aus Buenos Aires in ein kleines Dorf in der Pampa um. Dargestellt wird dies aus der Perspektive von Lucas selbst. Deshalb erfährt man erst nach und nach, um was es eigentlich geht, schliesslich soll ja Lucas nicht zu viel erfahren...
So viel man aus dieser eigentlich spannungsträchtigen Story hätte machen können - so wenig wird in diesem Film erreicht. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, alles plätschere vor sich hin. Noch schlimmer: Man fühlt sich in eine eigenartige heile Welt hereinversetzt, die so gar nicht zum ernsten Thema passt. Trotz einiger Szenen wie dem Stromausfall und der Diskussionen der Eltern hinter verschlossenen Türen bleibt Spannung die Ausnahme. Man freut sich also auf ein prickelndes oder auch böses Ende... und bekommt dann einen abrupten Abbruch vorgesetzt, der mehr offen lässt als erklärt, auch wenn zahlreiche Hinweise gegeben werden, das es sich nicht gerade um ein Happy End handelt. Das war zwar auch sicher die Absicht der Macher, wirkte auf mich allerdings sehr unbefriedigend. Wenn es auch zugegebenermaßen zur Story passt.
Die schauspielerischen Leistungen sind auch nicht unbedingt das Wahre. Ricardo Darín, der in "Nine Queens" mit einer akzeptablen Leistung bekannt wurde, wirkt hier einfach nicht wie ein Widerstandskämpfer, sondern wie ein biederer Bürger ohne jegliche Ecken und Kanten, auch seine Partnerin Cecilia Roth ist dabei keinen Deut besser. Vielleicht hätte man hier eine andere Besetzung wählen sollen.
Die Technik dagegen kann man als zufriedenstellend bezeichnen. Schön sind vor allem die Bilder der Pampa, die allerdings vielleicht noch mehr zum leise vor sich her plätschernden Charakter des Films beitragen als die Story.
Fazit: Der Versuch, ein ernstes Thema wie die Militärdiktatur Argentiniens in ein massentaugliches Format zu bekommen, geht bei "Kamtchatka" ziemlich in die Hose. Zwar wird man zeitweise angenehm unterhalten, bleibenden Eindruck macht der Film aber keinen. Gutgemeintes Fastfoodkino in einer erschreckend langweiligen Umsetzung eines eigentlich vielversprechenden Drehbuchs, das einen angesichts der Thematik mit einem bitteren Beigeschmack den Kinosaal verlassen lässt. Die sechs Preise, die der Film gewonnen hat, kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen.
4/10