Besser spät als nie - so in etwa kam ich nun endlich dazu die erste Staffel der Zeichentrickserie zu Todd McFarlanes einstiger Gelddruckerei "Spawn" zu sehen. Der junge Verlag Infinity brachte damals in den 90ern dieses Comic nach Deutschland und so auch zu mir. In Amerika längst ein großer Erfolg mit zahlreichen Ablegern (Curse of the Spawn, Manga Spawn, Medievil Spawn, Sam & Twitch, zwei Graphic Novells, etc.) konnten mich die ersten Hefte nur bedingt überzeugen. Die Zeichnungen und Collorierung ließen die Brillanz späterer Hefte vermissen, doch spätestens nach Greg Capullos Einstieg befand man sich zumindest zeichnerisch auf dem richtigen Weg. Zudem konnte man grandiose Autoren wie Neil Gaimann, Frank Miller oder Alan Moore für einzelne Hefte gewinnen (die Violater Mini-Serie ist grandios - möchte gar nicht wissen wie viele Eltern ihren Kleinen unwissend dieses vor Gewalt nur so strotzdende Heft am Kiosk kauften). Man kann sagen, für eine Comic-Serie deren Ende nicht abzusehen war und ist, war die Qualität der Bilder fantastisch um nicht zu sagen das Beste bis dato erhältliche. Auch die Geschichte unterschied sich (zum Glück) vom Marvell Einheitsbrei. Auch hier geht es um einen Superheld, doch weitaus düsterer und Antiheroenhafter als gewohnt.
Al Simmons war einst Soldat im Dienste Amerikas, wurde jedoch in Vietnam getötet und landete - zahlreicher Morde sei Dank - in der Hölle. Aufgrund seiner ausgezeichneten Qualifikationen will ihn der Teufel (erst im Verlauf der Geschichte wird klar, dass es noch lange nicht der oberste aller Luzifers ist) zum General seiner Armee für den Kampf gegen die himmlischen Heerscharen machen. Doch Al schafft es dem Feurigen einen Deal abzuhandeln. Er darf noch einmal zurück auf die Erde und seine Frau sehen, dafür willigt er ein, den Krieg gegen Engel und andere göttliche anzuführen (der im übrigen auf unserem netten Planeten ausgetragen wird).
Er kommt also zurück, jedoch nicht in seiner früheren Gestalt sondern mit dem verfaulten Gesicht eines Toten, der selbst dem Cryptkeeper zur Ehre gereichen würde. Nicht nur dass er in dieser Form niemals seiner Frau entgegentreten kann, nein, seit seinem Tod sind einige Jahre ins Land gegangen. Seine Frau ist mittlerweile mit seinem ehemaligen besten Freund verheiratet und hat auch noch ein Kind - Al selbst konnte keines mit ihr zustande kriegen.
Zu recht fühlt sich unser "Held" also vom gefallenen Engel betrogen und pfeift auf den Deal.
So das grobe Gerüst. Dass sein Tod Resultat einer Verschwörung im Dienste zwielichtiger Mafiosi, gnadenloser Waffenschieber und der Hölle war, was pädophile Politikersöhne, meuchelnde Engel und ein schmieriger Clown damit zu tun haben, das sol sich jeder selbst in dieser tollen Zeichentrickserie für Erwachsene (kein Emfehlung) ansehen.
Im Gegensatz zum miesen Realfilm hält sich diese Serie nämlich sowohl storymäßig als auch stilistisch nah ans "Buch".
Die Zeichnungen sind sehr einfach, aber nutzen toll den Schatten, was auf Grund des düsteren Szenarios sehr toll aussieht. Ebenso beteiligt an der fesselnden Atmosphäre sind der sehr filmische Schnitt, der passende Soundtrack und vor allem die tiefe Stimme des Hauptdarstellers. Toll, so hab ich mir beim lesen der Comics seine Stimme vorgestellt.
Nun ist mal wieder nicht alles Gold was glänzt (und sei`s noch so dunkel). Der Zeichenstil überzeugt zwar, ist jedoch sehr einfach gehalten. Vor allem die Hintergründe sind sehr lieblos und detailarm gezeichnet. Da hätten sich die macher eher an den japanischen Animes orientieren können. Ausserdem werden trotz größerer Nähe zur Geschichte natürlich zahlreiche Handlungsverläufe ausgelassen. Aber Kenner der Comics werden mir zustimmen wenn ich sage, dass dies nicht unbedingt schlecht sein muss - so wurde bis auf die Chapell-Story zum Glück die unlogische und vor allem unmotivierte Handlung um die Youngbloods (aus einem hierzulande unbekannten Comic) weggelassen. Man merkt das sich McFarlane noch mal mit seiner Story auseinandergesetzt hat und sie entschlackt hat - einige lächerliche Passagen fehlen auch. Sie orientiert sich eher am Stil der Hefte ab etwa Nummer 14/15. Größter Knackpunkt allerdings: Die Serie ist nur im Ausland und nur auf englisch erhältlich. Klar, enie deutsche Synchro kann einiges kaputt machen, aber im Gegensatz zu manch anderer Serie hätte diese einen Deutschlandstart wirklich verdient. Weiteres Manko: Es wurden nur 3 Staffeln produziert, so dass Spawn - The animated series offen endet.
Schade drum!