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Als Jesse Johnson vor einigen Monaten mit „Pit Fighter“ zum ersten Mal auf sich aufmerksam machte, war bereits abzusehen, dass in dem ehemaligen Stuntman („Terminator 3: Rise of the Machines“, „Mission: Impossible III“) und Stunt-Koordinator ein talentierter Regisseur schlummert, der mit limitierten Budgets beeindruckende Ergebnisse erzielen kann.
Nun ist er als Regisseur und Autor in Personalunion endlich wieder zurück und setzt mit „The Last Sentinel“ gleich noch einen drauf.

Sein postapokalyptischer Endzeit-Actioner entspricht so ziemlich allen altbewährten Traditionen des Genres und brüstet sich mit einer stimmigen Atmosphäre in einer entvölkerten Stadt beziehungsweise ihrer Ruinen, wo die letzten Überlebenden den verlorenen Krieg gegen selbst gezüchtete Droiden führen. Einmal mehr wurde der Menschheit also ihr nicht zu Ende gedachter Umgang mit einer futuristischen Technologie zum Verhängnis.

Der ebenfalls mit Implantaten aufgerüstete Soldat Tallis (Don 'The Dragon' Wilson, „Bloodfist“, „Blackbelt“) gehörte zum letzten Aufgebot, das die Menschheit vor ihrer drohenden Ausrottung in den Kampf gegen die überlegene Übermacht schickte. Ohne wirkliche Chance wurden sie dahin gemetzelt.
Aus der verlustreichen Schlacht ging Tallis als einziger Überlebender hervor, um von nun im Verborgenen zu operieren, Ausrüstung zu sammeln und möglichst jeden Feindkontakt zu vermeiden. Erst als er eine schwer verletzte Frau (Katee Sackhoff, „Battlestar Galactica“, „White Noise 2: The Light”) aus einem Hinterhalt rettet und sie gesund pflegt, beginnt er auf ihre Worte hin seine passive Einstellung zu überdenken. Gemeinsam nehmen sie den Kampf auf...

„The Last Sentinel“ zeichnet sich durch eine herrlich schnörkellose Struktur aus, deren Flashbacks die Vergangenheit soweit wie nötig erklären. Ansonsten legt Jesse Johnson hier aber ein eher flottes Tempo vor, konzentriert sich dabei weniger auf die Handlung und dafür umso mehr auf die zahlreichen Actionszenen und eine atmosphärische Umsetzung.
Die ausgestorbenen Straßenzüge, die zerstörten Industrie-Anlagen und die düsteren Katakomben bieten dabei ideale Schauplätze für das trostlose Szenario, in dem die letzten Menschen um ihr nacktes Überleben kämpfen. Die entzivilisierte Welt von "The Last Sentinel" scheint nahezu komplett in die Steinzeit zurückversetzt.
Optisch mit grobkörnigen Bildern, Farbfiltern, HUDs und in den Actionszenen häufig agilen Kameraführungen aufgewertet, mag man dahinter auch gar kein so kleines Budget vermuten. Dafür sieht diese griffige Dystopie einfach zu überzeugend und keineswegs billig aus. Insbesondere kleinere Details, wie Relikte aus der Zeit vor dem Krieg, längst zu Skeletten verweste Leichen oder einfach durch die leeren Straßen wehende Zeitungen, geben den Momenten immer noch einen zusätzlichen Kick.

Die zahlreichen Actionszenen bieten neben blutigen Shootouts und ein wenig Martial Arts auch den blutigen Einsatz von Messer und Schwert, wobei der Fokus aber auf reichlich Gunplay liegt. Der Einsatz ratternder Gatlings gehört dabei selbstverständlich zu den beeindruckendsten Momenten des Films, denn wo so ein Exemplar hinrotzt, wächst kein Gras mehr.
In den größeren Schlachten erinnert die Inszenierung mit ihren ausgebleichten Bildern, umherfliegenden Kieseln, panischen Soldaten und der hektischen Kamera zudem an Steven Spielbergs erprobte „Saving Private Ryan“ – Optik, die ein ähnliches „mittendrin statt nur dabei“ – Feeling kreiert, wenn auch mehrmals auf Kosten der Übersicht.

Markige Sprüche und ein überraschend prominenter Supportcast (u.a. Keith David, Bokeem Woodbine) runden das kriegerische Geschehen ab, in dem einzig und allein eine denkbar überflüssige Lovestory dem Plot ein wenig den Wind aus dem Segeln nimmt. Gut, episch ausgebreitet wird sie natürlich nicht, aber in so einen Film unbedingt integriert werden hätte sie auch nicht müssen, zumal sie kaum funktioniert und für den Ablauf irrelevant ist.
Trotzdem können sich Freunde der gepflegten B-Actioner hier schon einmal die Finger nach lecken, denn krachen tut es davor und danach schon ganz ordentlich - inklusive beeindruckender Explosionsorgien, halsbrecherischer Stunts und blutiger Shootouts.

Don 'The Dragon' Wilson mangelt es zwar immer noch an Charisma, aber als schweigsamer, einsamer Recke zieht er sich solide aus der Affäre ohne großartig mit Martial Arts glänzen zu dürfen. Dennoch halte ich diesen Film als den besten seiner gesamten Karriere, wobei er mich mit seiner stoischen, wortkargen Art unwillkürlich ständig an Kurt Russell in „Soldier“ erinnert. Katee Sackhoff an seiner Seite, noch ganz im patentierten Starbuck-Modus, tut dem Film merklich gut, weil sie einfach viel lebendiger als der emotionslose Krieger agiert und damit den dringend notwendigen Kontrast zu Tallis bildet.

Viel Inhalt oder gar Innovationen besitzt „The Last Sentinel“ dabei wirklich nicht. Die Background-Informationen werden knapp zusammen gefasst und spätestens nach Sackhoffs Grundausbildung ballert und sprengt sich das Duo ohnehin nur noch durch die Korridore feindlicher Einrichtungen, um eine Lösung zu finden, wie sie die totale Vernichtung der Menschheit verhindern beziehungsweise die Herrschaft der Drohnen beenden können.

Gespart wird natürlich nicht mit blutigen Details, detaillierten Schnippelleien am eigenen (oder fremden) Körper und jeder Menge Leichen, bis es (natürlich) zum alles entscheidenden Finale kommt, wo Tallis dann noch einmal so richtig auf die Kacke hauen darf. Ohnehin immer mit einer stattlichen Überzahl konfrontiert, die mir persönlich zu oft daneben schießt, hat er zum Schluss dann auch alle Hände voll zu tun, um den Kampf noch umzubiegen.

Zu guter Letzt sei noch einmal die Regie lobend hervorgehoben. Jesse Johnson hat ja bisher noch nicht allzu viele Filme gemacht, aber wenn er sich so weiterentwickelt, dann wird er demnächst definitiv in einer höheren Budgetliga spielen. Nun habe ich ein Faible für günstig inszenierte B-Actioner, insbesondere wenn sie sich ein ansprechendes Endzeitambiente zu Eigen machen, aber dies ist der erste Film seit etlichen Jahren, der hinsichtlich Action und Atmosphäre alle Ansprüchen endlich mal wieder gerecht wird. „The Last Sentinel“ besitzt in dieser Hinsicht nämlich richtig Flair und das hat er seinen stimmigen Kulissen und eben seiner Regie zu verdanken. Angefangen bei den Farbfiltern bis hin zu der richtigen Auswahl der Locations, hätte das auch Albert Pyun in seinen besten Tagen nicht besser hinbekommen können, wenn man mal rein die Atmosphäre betrachtet.


Fazit:
Insgesamt also ein überzeugendes B-Movie, das ich vorab schon einmal als Geheimtipp klassifizieren möchte. „The Last Sentinel“ lebt von seiner atmosphärischen Inszenierung, den tollen Kulissen und der harten Action, die manchmal leider der hektischen Kameraführung zum Opfer fällt. Angesichts des niedrigen Budgets muss dies aber wohl als Kompromiss hingenommen werden. Die simple Struktur ist hier ein Trumpf, denn so begibt der die Handlung sich nur selten und dann auch nur kurz auf Irrwege. Don 'The Dragon' Wilson agiert solide und Katee Sackhoff wie man sie mittlerweile dank „Battlestar Galactica“ kennt. Sicherlich kein Film für Intellektuelle, sondern für Fans rauer B-Movies, die sich zugunsten einer flachen Handlung gern auf kernige Action und ein stimmungsvolles Szenario einlassen. Womöglich einer der wenigen wirklich guten B-Produktionen, die man 2007 geboten bekommt. Außer Isaac Florentine und Dolph Lundgren habe zumindest ich ansonsten niemanden mehr auf der Rechnung.

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