Review

Der Kraken hat mir in meiner Tierhorrorsammlung noch gefehlt. Im Wasser tummeln sich ja bereits Haie, Piranhas, Killerwale, der Schrecken vom Amazonas und Snakeheads.
Ein riesiger Tintenfisch ist innerhalb dieses Sammelsuriums aber weniger aufregend, weshalb sich der Sci-Fi-Channel der Sache angenommen hat und das Regiezepter in die Hände von Tibor Takacs gelegt hat, dem seit „Gate“ von 1987 nichts mehr so recht gelungen ist.

Also alles etwas preiswerter und weniger auf Effekte als auf eine ausgeklügelt clevere Story ausgerichtet: Zwei rivalisierende Teams sind auf der Jagd nach versunkenen Artefakten und werden vom Kraken daran gehindert.

Super Idee, tolle Umsetzung, unfassbar gelungener Tierhorror mit atemberaubenden Tentakelszenen, - das könnte man zumindest noch während der ersten Minuten hoffen, wenn eine Familie auf hoher See von dem Vieh geholt wird. Erst Vater, dann Mutter, doch Kind überlebt und ist bis in die Gegenwart traumatisiert. Da er im TV zufällig den Bericht über einen mysteriösen Angriff auf ein Forschungsboot mitbekommt, wittert er den Kraken von damals und schließt sich dem Forschungsteam sogleich an, welches auch nichts gegen seine Begleitung hat. Man taucht, findet eine antike Maske und schon stehen die Rivalen auf der Matte (durch schwarze Kleidung gekennzeichnet), die ebenfalls an den antiken Artefakten interessiert sind.

Was folgt, ist viel Gelaber, aber wenig Tierhorror. Held und Heldin benötigen ordentlich Zeit, um sich beim gemeinsamen Abendessen zu beschnuppern, der Bösewicht (ein wandelndes Klischee mit Krückstock und Zigarre, die nie ausgeht), versucht es erst auf die freundliche Tour und lässt später das Forschungsboot der Helden in die Luft jagen, einer wird erpresst und muss Daten mit Tauchstationen herausrücken und man vergisst schon fast, dass es hier um einen riesigen Tintenfisch gehen soll, und nicht um ein Drama, dass wie die dialoglastige Variante von Indiana Jones auf dem Wasser daherkommt.

Da reicht es auch nicht aus, eine Victoria Pratt in der Rolle der Forschungsleiterin die gesamte Zeit bauchfrei herumlaufen zu lassen, wenn man eher Action über und unter Wasser erwartet.
Bis zum etwas temporeicheren Showdown werden lediglich drei Unbeteiligte von einem Partyboot geholt, ansonsten taucht das Vieh lange Zeit ab.

Das mit Logiklöchern und wirr konstruierten Handlungen ausgestattete Finale lässt zumindest ein wenig Spannung aufkommen. Da wird man unter Wasser attackiert, auch auf dem Boot an einem Kran hängend, die feindliche Gang greift zu Pistole und Harpune und der Kraken muss schlussendlich auch noch vernichtet werden.
Aber es entbehrt jeglicher Logik, wenn man sich eingeschlossen auf einem sinkenden Boot befindet und nicht einmal bemüht ist, das Leck 50 Zentimeter neben einem zu stopfen.
Da hüpft man auch ins Wasser, weil da eben noch einer vom Urvieh geholt wurde und stellt sich blindlings den bewaffneten Feinden, weil man sich ja nirgendwo anders aufhalten kann als in der Höhle des Löwen. Doof.

So kommt der eigentliche Tierhorror lediglich zu Beginn und gegen Ende zur Geltung, obgleich die Macher das sicher bewusst kalkuliert haben, da ihre Kreation alles andere als überzeugend wirkt. Das meiste davon kommt aus dem Computer und arbeitet kaum mit den menschlichen Akteuren zusammen, da wurschteln mal ein paar Tentakeln herum, aber Schatten auf Deck sind kaum auszumachen. Zudem quiekt das Vieh wie ein Ferkel am Spieß und glänzt immerzu gummiartig, erinnert ein wenig an diese Gummiteile, die man in den 80ern ans Fenster geschmissen hat, die sich dann von selbst hinab bewegt haben, unter der Zimmerdecke aber üble Flecken gemacht haben.

Blut sprudelt zwar, aber meistens nur unter Wasser. Das wurde so unübersichtlich inszeniert, dass man lediglich einen Tentakel, eine sich windende Person, viele Sauerstoffblasen und etwas rote Farbe sieht. Nur in den ersten Minuten wird einer von einer Seilwinde zerteilt, daran ist der Kraken aber nur indirekt schuld, weil der Alte an der falschen Stelle stand.
Ansonsten kaum Gewaltdarstellungen, kaum Drive, aber immerhin Dive. Denn, solange kein Vieh oder menschlicher Feind unter Wasser angreift, sind diese Szenen an sich recht annehmbar gefilmt.

Der erhoffte Tierhorror bleibt jedoch aus, er gestaltet sich für ein B-Movie noch nicht einmal charmant, sondern eher trocken und humorlos. Dazu kommt eine vollständig vorhersehbare Story, schwache bis talentfreie Darsteller und eine stümperhaft gestaltete Bedrohung.
Bis auf das letzte Drittel schnarchig und nicht empfehlenswert.
3,5 von 10

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