Vefilmung des Mangas "Bokushi kouryaku" [ auch "Bokkou" ] der japanischen Autoren Hideki Mori und Kenichi Sakemi; ein Projekt, dass bereits 1995 von Jacob Cheung Chi - leung in Angriff genommen wurde und nach fünf Jahren Vorbereitungszeit und den einstweilen Erfolgen von Hero, Musa und Seven Swords auch seine USD 16 Million Finanzierung finden konnte.
Cheung - der sonst eher für Edeldramen zuständig ist und mit ruhigem Arthouse - Kino der Marke Intimates, The Kid, Whatever Will Be, Will Be und Cageman auf sich aufmerksam machte - versammelte für seine aufwendigste und ungewöhnlich expressive Arbeit Beteiligte aus Hong Kong, dem Festland China, Japan und Südkorea vor und hinter der Kamera; wobei er auch stark auf ehedem bekannte, aber nicht mehr unbedingt populäre Gesichter zurückgriff. Natürlich braucht ein derartig professionelles Prestigewerk auch seinen zugkräftigen Star: Andy Lau in der Hauptrolle sorgte dafür, dass die Arbeit von Drehbeginn an Aufmerksamkeit erlangte und durch eine eindrucksvolle Mechanik von actionreicher Unterhaltung mit Botschaft auch an den Kinokassen von Erfolg gegönnt war.
370 vor unser Zeit.
China ist aufgeteilt und in Bürgerkriegen zerrüttet.
General Xiang Yan-zhong [ Ahn Sung-Ki ] von den Zhaos möchte mit 100.000 Mann das Reich Yan angreifen. Genau zwischen diesen beiden Nationen liegt die Stadt Liang, die ungern als Stoßdämpfer herhalten möchte und um Hilfe der Mohisten ausschickt. Diese entsenden keine Verteidigungstruppe, sondern nur einen einzigen Mann: Ge Li [ Andy Lau ].
Er übernimmt das Kommando und die Verteidigung der nur 4000 Einwohner zählenden Stadt.
Wie üblich angesichts einer mehrteiligen, langumspannenden Vorlage und einer in Relation betrachtet ökonomischen Inszenierung versucht man die Exposition durch inserts zu unterstützen und die ausgehenden Informationen in wenigen Sätzen zu quittieren. Der Einstieg geht rasant vonstatten, bekommt nach einigen Startschwierigkeiten Personenwirrwarr und Plotkonstellation der aussergewöhnlichen Bedingung aber ebenso schnell in den Griff und baut dann auf höherem Niveau aus. Der Tatbestand von David gegen Goliath ist ebenso wie die sonstigen Umstände und wie die Forderung nach einer gewaltfreien, von Menschlichkeit bestimmten Gesellschaft universal und somit generisch begreiflich. Der Sachverhalt erscheint nicht nur offenkundig, sondern trotz Facettenreichtum auch leicht nachvollziehbar. Der Zuschauer wird nach wenigen Minuten in die individuellen Schicksale eines umkämpften Schauplatzes verwickelt und hat trotzdem nicht das Gefühl, einer Vorrede und zusätzlicher Auskünfte entgangen zu sein.
Komplett hineingezogen wird man vor allem durch den rapiden Anstieg der Bedrohung. Die Intensität legt einen forcierten, aber nicht fliegenden Start hin und findet in einer allgemein gültigen Übersicht seine sicheren Spannungspunkte:
Ge Li stellt den bereits vor der Aufgabe stehenden König Liang Wang [ Wang Zhiwen ] vor die bessere Wahl des Kämpfens, indem er ihm rhetorisch aufweist, dass eine Kapitulation in ein ebenso tödliches Fiasko ausarten würde wie eine Niederlage. Viel Zeit für Worte bleibt Ihnen nicht. Die Zhaos stehen bereits in Kampfformationen vor den Mauern und zögern nicht lange mit dem Angriff.
Regisseur Cheung schafft es ab der ersten Szenen und auf dem schnellen Blick vor allem, dem Geschehen die epische Grösse zuzuordnen und daraus immer noch ein Komparativ zu entwickeln.
Die wenigen Kompromisse wie das Trimmen der ursprünglichen dreistündigen Fassung auf 130min und das Reduzieren auf vierhundert - leider teilweise auch deutlich erkennbare - CG SFX geraten statt zum Nach- zum Vorteil; das Gleiche gilt für die multilunguale Kooperation.
Kameramann Yoshitaka Sakamoto, Cutter Kwong Chi Leung, Szenenbildner Zhenzhou Yi und Choreograph Stephen Tung Wai waren zwar einzeln schon bei derartig voluminös gesteigerten Produktionen an Bord, aber noch nie im Kollektiv verbundene Mitwirkende; eine Tatsache, die man bei dem fast vollständig harmonisch aufeinander abgestimmten Ergebnis mühelos vergisst. Die Szenen vor und während der grossen Frontattacke sind ausgewogen balanciert, finden jeweils den exakten Szenenübergäng und bilden eine präzis konzertierte Balance. Umfänglich unterstützt durch einen wie immer beeindruckend vorantreibenden, breitsinfonisch gestalteten Klangteppich von Kenji Kawai und in einer so ästhetisch anspruchsvollen Bildgewalt physischer Präsenz, als müsste Cheung seine letzte Tätigkeit als einer der Schirmherren der TV Serien Hero on the Silkroad und Seven Swords of Mount Heaven mit aller Macht ausgleichen.
Glorreiche Landschaftsaufnahmen differieren mit beachtliche Schauwerten im Kampf um das eigenwillig poetische Liang; eine Art ummauerter Zufluchtsort in der Wüste, in der ausser Staub, Sand und funktional eingerichteten Häuser alles abgestorben erscheint und das sichtlich kühle Wetter kurz vor Winter die Ungastlichkeit noch unterstreicht. Eine Eroberung erscheint im Motiv unsinnig, zumal man allerhöchstens ein Zwischenspeicher für das eigentliche Ziel des Yan - Reiches darstellt und die Zhaos eh noch einen weiten Weg vor sich haben. Das Bild ist weniger kräftig als bei Tsui Hark und auch nicht so ausgefeilt wie bei Zhang Yimou, lässt seine Farben ausbleichen und beschränkt sich auf viel Braunschattierung, abgewechselt mit beigen, natürlichen Ton - in - Ton Kompositionen; in den Nuancen nicht frei von melodramatischen und sentimentalen Akzenten. Die Sprache ist utilitaristisch opulent, aber nicht opernhaft, sondern erdig und massiv wirkend; teilweise sogar grobkörnig. Fotografische Berauschung ergibt sich weniger durch suggestive Einfälle und Stilisierungen, sondern aus grossflächig stationierter Kriegstechnik und schiere Massenszenen, in denen unzählbare Aufmärsche ganze Landstriche einnehmen.
Zhaos hostile force lässt einen tödlichen Pfeilregen auf die Eingeschlossenen niedergehen, die sich dem Schadensfeuer mit Ressourcen der Natur, Schutzwall und Bollwerk aus dem taktischen Lehrbuch und unkonventionellen Methoden Ge Lis erwehren. Schwefelhaltiger Nebel sorgt für eine Giftkur, zusätzlich werden Bogen, Steine, Feuer, Öl, Wasser und Abfälle in der aktiven Defensive eingesetzt. Umfangreich ausgespielte, aber stetig übersichtliche Gefechte im Heer und Scharmützel Mann gegen Mann wechseln sich mit Fallen, Hinterhalte und Spionage ab; zu violente Einstellungen in der mächtigen Breitwandfotografie werden ausgeblendet. Man zeigt nicht die Gewalt, sondern die Konsequenzen.
Dabei versucht man, eine formelle und inhaltliche Überladung zu vermeiden und geht in beiden Bereichen den Weg durch die Hintertür; einfach aussehen und einfach sein widerspricht sich ebenso wie die Annahme, die David gegen Goliath Stellung zugleich auf Gut gegen Böse anpassend umzumünzen.
Der Verteidigungskrieg wandelt sich zu einem Massaker um, in dem die erst Bedrängten nach und nach auch jede Möglichkeit nutzen, den Feind mit allen Mitteln selbst bei der Niederlegung von Waffen auszulöschen und im Haß auch Unschuldige und Kinder nicht zu verschonen.
Aus einer rechtfertigenden Apologie wird eine moralisch fragwürdige Offensive, die sich wenig um die ideologische Theorie von Mòzi [ 468-376 AD ] scherrt und die chinesische Philosophie der umfassenden Menschenliebe in Blutbad und Gemetzel auflöst.
Regisseur Cheung nutzt in der Vermittlung fundamentaler Ideen und ethischer Grundfragen das didaktische Prinzip der Präfiguration: Intuition vor Exaktheit.
Fragen nach Recht und Unrecht werden nur von Wenigen gestellt; neben dem eigenständig Tugenden Ge Li sind es noch der Bogenschütze Zi Tuen [ Nicky Wu ], Königssohn Liang Shi [ Choi Si Won ] und Kavalleristin Yi Yue [ Fan Bing-Bing ], die aber wegen ihren Auffassungen ebenfalls in den Zyklus von Unterdrückung, Aufstand und nächster Suppression geraten. Ist die Geschichte historisch lokalisiert und dort höchstens mit unadressierter Systemkritik versehen, so lässt sie sich problemlos auf andere Settings übertragen und weist auch aktuelle politische Bezüge auf. Die parabelhaft auf z.b. Kolonialismus, Militarismus, Opportunismus, Mißbrauch von Religion im Glauben an eine angeblich gute oder gar heilige Sache oder einen gesamtweltanschaulichen Konflikt verweisen können. Werte wie Toleranz, Rücksicht und friedliche Koexistenz werden assoziativ angesprochen, ohne sie debattierhaft auseinander zu nehmen oder erzieherisch zu behandeln. Hintergründe der Schlacht werden vereinfacht, nicht ausgespart; ohne aber ganz die potenziell mögliche seelische und thematische Dimension zu erreichen.
Vor allem fehlt der emotionale Widerhall. Neben einigen Dissonanzen in der Dramaturgie und etwas steifen Darstellern kommt der Gewissensentscheid des Protagonisten nie richtig zur Wirkung: Die Tragik, dass er den Krieg dahin bringt, wo er Frieden verbreiten möchte und Gewalt ausüben muss, wo er helfen will.