Intraoperative Wahrnehmung nennt man den Zustand, wenn Patienten trotz Vollnarkose während der Operation hören und vereinzelt sogar Schmerz wahrnehmen. Zwar kommt diese bei weniger als ein bis zwei Patienten von 1000 vor, - doch die Vorstellung ist bereits der reinste Alptraum.
Also eigentlich perfekter Stoff für einen tierisch spannenden Thriller, doch der entwickelt sich ab einem bestimmten Zeitpunkt in eine völlig ungünstige Richtung.
Clay (Hayden Christensen) muss unters Messer. Als erfolgreichem Geschäftsmann gehört ihm zwar bereits „halb Manhattan“, doch sein Herz muss dringend ausgetauscht werden.
Trotz der starken Einwände seiner herrschsüchtigen Mutter (Lena Olin) lässt sich Clay vom befreundeten Arzt Harper (Terrence Howard) operieren, - ein Fehler, wie sich herausstellt, denn er lebt seine eigene Operation praktisch hautnah mit und muss mit anhören, welches perfide Spiel im Hintergrund getrieben wird…
Ausgegangen von der Horrorvision, diesen Zustand irgendwann womöglich selbst erleben zu müssen, wird der Streifen wohl hauptsächlich seine Klientel anlocken.
Und tatsächlich: In diesen Szenen hat er seine stärksten Momente, wenn Clay mit der beschwörend zitternden Stimme seiner Empfindungen auf die Ärzte einredet, die ihn nicht hören können, das Skalpell angesetzt wird, der nahezu fühlbar stechende Schmerz einsetzt und die Gedanken nur noch vom OP-Tisch zu fliehen versuchen.
Nahe liegend, sich da in angenehmere Bilder zu flüchten, wie etwa die frischen Erinnerungen an Sam (Jessica Alba), die er kurz vor der OP ehelichte, aber die Beziehung ein Jahr vor seiner Mutter verschwieg.
Leider konzentriert sich das Geschehen zu wenig auf die Fakten, die wirklich Spannung hervorrufen, sondern verdaddelt sich mit einer viel zu faden Einleitung ohne sonderlich tief gehender Charakterzeichnungen. Man erfährt ein wenig über das angespannte Verhältnis zwischen Clay und Mom, aber auch von den Problemen der Verheimlichung seiner Beziehung, die auf den ersten Blick jung und frisch erscheint.
Erst als es in den Operationssaal geht, wird die Sache interessanter, sie schlägt im Verlauf jedoch einen fatalen Weg ein, der damit beginnt, dass die Identifikationsfigur im weiteren Verlauf nur noch passiv in Erscheinung treten wird.
Das Problem liegt in der metaphysischen Darstellung – Geist verlässt Körper und turnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit umher, kann aber nicht aktiv in Prozesse eingreifen.
Innerhalb dieser machtlosen Position bleibt dem Zuschauer keine andere Wahl, als allen „gerechten“ Verläufen mit Genugtuung gegenüber zu stehen, doch so richtig befriedigend ist das im Endeffekt nicht.
Hinzu kommen einigen Wendungen, die zum Teil maßlos konstruiert wirken und jeden logischen Zusammenhang ad absurdum führen, - sei es auf medizinischer oder zwischenmenschlicher Ebene.
Was es da mit Dads verdrängter Todesursache auf sich hat, wirkt ebenso deplatziert, wie die undefinierbare Rolle eines neuen Arztes, der für Clays OP vom Nachbarkrankenhaus einspringt. Ferner kann man einige Wendungen früh im Vorfeld erahnen, wann welche Personen den Schalter umlegen, ist teilweise Minuten vorher vermutbar.
Auf darstellerischer Seite ist es ebenfalls kein gutes Zeichen, wenn Lena Olin als Mutter die beiden Hauptakteure Christensen/Alba mühelos an die Wand spielt. Alba lächelt aufgrund einiger Flashbacks aus Egoperspektive zart und liebreizend in die Kamera, kommt aber, was die Glaubhaftigkeit einiger Facetten entsprechen soll, kaum mit den Anforderungen klar.
Christensen hat es da besser, den überaus erfolgreichen Unternehmer mag man ihn zwar kaum abnehmen, doch als Wachpatient ist er recht passabel.
In gewisser Hinsicht bleibt also ein Stück mit Herzschmerz, aber das eben bei weitem nicht voll ausgeschöpft. Handwerklich gibt es zwar kaum etwas zu bemängeln, doch der Patient Drehbuch gleitet den Machern ab einer bestimmten Phase vom OP-Tisch.
Wahrscheinlich hält einen die latent makabere Situation des Geschehens, mit allen phantasievoll alptraumhaften Auswüchsen eher bei Laune, als das, was tatsächlich geboten wird.
5,5 von 10