Hayden Christensen spielt einen jungen Milliardär, an dem bald eine Herztransplantation durchgeführt werden soll. Da ihm der Anästhesist zu wenig des Narkotikums verabreicht, erlebt er die Operation bewusst mit, ohne sich bewegen zu können, ohne den Ärzten ein Signal geben zu können, dass er noch bei Bewusstsein ist. Noch während der Operation muss er nun feststellen, dass er hintergangen wurde und, dass einige Personen aus seinem Umfeld von seinem Tod profitieren.
Anesthesia Awareness ist ein medizinisches Phänomen, bei dem die betroffenen Patienten ihre eigene Operation bewusst miterleben. Und als Ausgangsituation für einen Thriller ist es definitiv eine geniale, innovative Idee, einen Patienten während seiner Herztransplantation aufwachen und feststellen zu lassen, dass er während der Operation ermordet werden soll. Hieraus hätte man einen der spannendsten und atmosphärischsten Thriller der letzten Jahre machen können, wobei der ambitionierte Versuch leider an einigen Fehlern scheitert, aber ein rundum unterhaltsames Thriller-Drama ist "Awake" allemal.
Allein die Vorstellung, in der Haut der Hauptfigur zu stecken, während sie miterlebt, wie sie während der Operation ermordet werden soll, erzeugt schon eine dichte Atmosphäre, die Regie-Debütant Jobey Harold über weite Strecken halten kann. Auch wenn gezielte Schockmomente, die er durchaus hätte einbringen können, meist fehlen und der Score ebenfalls weder düster noch spannend ist, fesselt der Film so allein schon über weite Strecken. Die Aufnahmen der Transplantation wirken erschreckend realistisch und üben damit ebenfalls eine gewisse Faszination aus. Was Harold nicht so gut gelingt ist die, auf Hochglanz polierte Optik und die dazu passende Kameraführung, die den Film merkwürdig distanziert und steril wirken lassen.
Der dramaturgische Aufbau ist dabei stimmig und effektiv, auch wenn das Finale durchaus ausbaufähig gewesen wäre. Anfangs stellt Harold seine Figuren vor, auch wenn vor allem bei den Nebenfiguren jegliche emotionale Tiefe fehlt, womit der Film relativ langsam anläuft, aber ab dem Moment, in dem die Operation schließlich startet, ist Spannung vorhanden. Harold beschleunigt das Tempo immer weiter und steigert seinen Spannungsbogen damit permanent, womit die kleineren Lücken im Plot, die teilweise etwas überkonstruierten Handlungsstränge in den Hintergrund treten. Für ein Drama ist der Film vor allem zum Ende hin viel zu unglaubwürdig und überkonstruiert, als Thriller funktioniert "Awake" hingegen ziemlich gut.
Leider wirken die Darsteller der distanzierten, sterilen Machart kaum entgegen und hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. So kommt Hayden Christensen, der ja sowieso nicht für schauspielerische Glanzleistungen bekannt ist, nicht über das Mittelmaß hinaus und erregt nicht das Mitleid für seine Figur, das er gebraucht hätte. Jessica Alba spielt eher dürftig und hölzern und scheitert damit an ihrer Rolle. Immerhin überzeugt Terrence Howard auf ganzer Linie und Lena Olin ist als Mutter des Milliardärs enorm gut besetzt.
Fazit:
Für ein Drama ist "Awake" zu überkonstruiert, zu unglaubwürdig, als Thriller kommt er nicht sonderlich weit über das Mittelmaß hinaus, da die Darsteller eher mittelmäßig sind, der Film zu langsam anläuft und das Finale nicht gänzlich zündet. Im Mittelteil baut "Awake" jedoch vor allem aufgrund seiner brillianten Grundidee und der ordentlichen Inszenierung Spannung auf und unterhält alles in allem auf zufrieden stellendem Niveau.
65%