Review

Eine ganze Menge von dem, das noch durch die amerikanischen Kinos nach Luft schnappend krault, erreicht in Deutschland die Multiplexe nicht mehr, sondern liegt stattdessen in Rekordzeit als DVD vor (oder, im Umkehrfall, ist auch zwei Jahre später noch nicht erhältlich, sofern man nicht einen Starnamen im Cast hat, der sich auf der Hülle gut macht).
Dabei handelt es sich entweder um nicht ausreichend beworbene Qualitätsware, Schadgut durch zwiegespaltene Kritiken oder Totalschrott, so daß man wie ein Trüffelschwein wühlen sollte, ob sich nicht doch etwas Verwertbares finden läßt.

"Awake", der relativ wenig einspielte, aber auch kaum etwas gekostet hatte, zählt eher zur mittleren Kategorie, denn dem Film wurde so mancher Punch mitgegeben, nachdem er endlich erhältlich war - und weil er eben einen recht namhaften Cast besitzt, hat ihn auch so gut wie jede Filmredaktion begutachtet.
Also haben wir Jared Leto, Kate Bosworth und Sigourney Weaver...ach Moment, haben wir nicht, denn das wäre der Film gewesen, den wir hätten sehen sollen, stattdessen sehen wir jetzt Lena Olin, Jessica Alba und Hayden Christensen - es ist aber wenig wahrscheinlich, ob der Film dadurch sonderlich besser oder schlechter gewesen worden wäre, er ist und bleibt eine durchwachsene Angelegenheit.

Der Plot liest sich als Klappentext-Anreißer natürlich horribel, die Story von dem herzkranken jungen Mann, bei dem die Narkose nicht wirkt und der sich in einer katatonischen Starre befindet, die ihn die schmerzhafte Herz-OP aka Transplantation schmerzhaft miterleben läßt (aufschneiden, Rippen knacken etc.).
Da das für ein Schwelle-zum-Jenseits-Drama vielleicht genug, für einen Thriller jedoch zu wenig ist, hat man noch ordentlich Plot draufgepackt: der junge Mann hat ein Vatertrauma, eine dominante Mutti, eine herzensgute Angestellte, die er bald ehelichen will - was Mama natürlich nicht wissen sollte - und einen guten Kumpel von Arzt, der ihm die Pumpe austauschen soll, obwohl er nur zweite Wahl auf dem medizinischen Sektor ist. Daraus lassen sich dann natürlich eine ganz erklägliche Menge an roten Heringen und Wendehälsen schmieden, die alle nicht das sind, was sie zu Beginn zu sein scheinen - stattdessen ist schwarz weiß und umgekehrt. Da Mutti jedoch der einzig fiese Möpp am Start ist, ahnt man schon bald, was einen zur Halbzeitmarke erwartet.

Den Sinn oder Unsinn der Plotkonstruktion zu diskutieren ist eine individuelle Angelegenheit, es gab jedoch schon bescheuertere Drehbücher, stattdessen muß man mit dem Problem jonglieren, einen komplett inaktiven Hauptdarsteller am Vehikel Handlung teilhaben zu lassen. Also rekapituliert Held Clay alle bisher gezeigten Szenen und betrachtet sie unter dem neuen Gesichtspunkt der neuen Erkenntnisse seiner Scheinnarkose und schon ergibt sich das gute, alte Rashomon-Szenario, zumindest ein Hauch davon. So wandelt Hayden Christensen also nun über die Krankenhausflure und setzt die Verschwörung zusammen, die seinen Tod fest eingeplant hat (von seinem "Tod" erfahren wir schon beim Filmstart, einem so offensichtlichen Downer, daß man automatisch annehmen muß, daß da noch ein Twist kommt).
Über diesen außerkörperlichen Mumbojumbo sind die meisten Kritiker hergefallen, allerdings sind die Szenen gar nicht mal so ungeschickt platziert, denn irgendwie muß man ja die Hintergründe fürs Publikum zusammenfassen. Dabei gerät die Ausgangssituation, die OP samt Trauma und Schmerzen jedoch zur totalen Nebensache (die Agonie wird eh in kurzer Zeit abgehandelt), stattdessen fragt man sich, wie agil so ein Bewußtsein doch sein kann, wenn das Herz schon entfernt wurde.
Natürlich gibts alsbald für den finsteren Plan auch eine knorke Lösung, die wiederum so offensichtlich und vorhersagbar ist, wie der ganze Film, sobald er endlich mal auf Touren kommt.

Die Prämisse ist also nur ein gut gewählter Aufhänger für einen generell ordentlichen, aber letztendlich doch banalen Thrillerplot, den man in allen Einzelheiten durchexerziert bekommt, damit ihn dann auch noch der Dümmste versteht und der seine Gute/Böse-Schemata natürlich auf Sesamstraßenniveau durchzieht, was angesichts der Schauspielerwahl - die generell süße Alba und der allgemein als kalt und unpersönlich empfundene Christensen - noch die interessanteste Variante ist, die aber wiederum total ins Schema paßt.
"Awake" ist keine Mogelpackung, aber seine Möglichkeiten nutzt er selten aus, den Horror der Situation mißbraucht man für einen stinknormalen Krimiplot im Krankenhausmilieu und das Beste, was man darüber sagen kann, ist daß Durchschnittszuschauer mit einem Faible für Krimis und Thriller hier eben einigermaßen solide Kost erwartet, allerdings mit einer Prise Post-Mortem-Esoterik angereichert.
Ein schneller Happen, dem man mehr Klasse hätte antun können und der die Abgründigkeit, die er verdient hätte, in der flachen Mulde von Film nie auch nur annähernd erreicht. (5/10)

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