Im Grunde handelt es sich um eine Art Subgenre des Thrillers oder der Kriminalgeschichte. Ausgelöst durch ein Ereignis in der Gegenwart wird die Vergangenheit in Frage gestellt. Bisher als real geltende Ereignisse wirken plötzlich unglaubwürdig, so daß die Protagonisten gezwungen werden, immer tiefer in ihre Erinnerungen vorzustoßen bis sie zum Ausgangspunkt gelangen.
Klassiker dieses Genres sind meist Filme ,in denen Psychiater versuchen in die Seele des Verwirrten hineinzusehen, um so an ein mögliches schreckliches Ereignis heranzukommen, so wie Michael Douglas in "Sag kein Wort!", der versucht Brittany Murphy eine Zahl aus ihrem Unterbewußtsein zu entlocken. Oder der Film zeigt das gesamte Geschehen in umgekehrter Reihenfolge wie in "Memento", wo wir sozusagen schrittweise an den Anfang zurückgeführt werden. "Number 23" ist irgendwie eine Mischung aus beidem und dazu noch ein Jim Carrey-Film, der hier zwar keinen Witzbold spielt, aber für ihn nicht untypisch einen Menschen, der langsam dem Wahnsinn zu verfallen scheint.
Walter Sparrow (Jim Carrey), der als Hundefänger arbeitet, schildert uns zu Beginn, durch welchen Zufall er in den Besitz des geheimnisvollen Buches "Number 23" gelangt ist. Im Gegensatz zum deutschen Film "23", der sich ausschließlich dem Phänomen dieser Zahl widmet, ist das hier nur der Aufhänger für Sparrows sich steigernde Paranoia. Immer mehr erkennt er in sämtlichen Realitäten des Alltags die 23 und - obwohl die in "Number 23" beschriebene Detektivstory scheinbar von anderen Menschen handelt - entwickelt Walter Sparrow immer stärker das Gefühl, daß es sich um seine eigene Geschichte handelt und die ist noch nicht zu Ende geschrieben...
Das Problem bei Jim Carrey Filmen ist, daß es sich immer um Jim Carrey Filme handelt. Er ist hier der absolute Sympathieträger und sieht teilweise richtig cool aus, aber er bleibt immer er selbst. Vielleicht wollte Regisseur Schumacher auch gerade diese Erwartungshaltung nutzen, denn Carreys Spiel verwirrt den Zuseher, da man nie sicher sein kann, ob das wieder einer seiner Wahnsinnstrips ist oder eine tiefenpsychologische Reise in die eigene Vergangenheit. Auch die parallel gezeigten Fantasieszenen in einer Art Comicstil, die eine Verknüpfung seiner Träume zu den in "Number 23" gelesenen Kapiteln darstellen, tragen nicht zur Aufklärung bei und so folgt der Zuschauer gespannt dem immer stärker in einen Strudel treibenden Geschehen.
Auch atmosphärisch ist der Film in dieser Phase absolut überzeugend, aber er hält diesen Stil und seine Spannung nicht aufrecht. Vielleicht ist das auch gar nicht möglich, denn natürlich kommt "Number 23" mit der Zeit der Auflösung näher und das schöne Verwirrspiel, daß vor allem für Spannung sorgte, wird durch eine nett erzählte, aber letztlich nicht wirklich originelle Lösung aufgeklärt. Das wäre nicht weiter tragisch, aber so bleibt zum Schluß das etwas schale Gefühl zurück, an einem Film ohne emotionale Tiefe teilgenommen zu haben, obwohl sich dieser ja gerade diesem Thema widmete.
Fazit : lange spannend erzählter und atmosphärisch dichter Film mit einem sympathischen Jim Carrey, der hier wieder als Charakterdarsteller auftritt, aber letztendlich immer er selbst bleibt.
"Number 23" ist ein Film, bei dem man nichts verkehrt macht und der auf jeden Fall für Unterhaltung sorgt, dabei aber ohne Tiefe und emotionale Bindung bleibt. Trotz des Themas über Paranoia und mögliche schreckliche Ereignisse in der Vergangenheit, bleibt das Gefühl zurück, an einer netten Fingerübung teilgenommen zu haben - technisch sauber, ordentlich gespielt, aber nichts für eine lange Erinnerung (6/10).