Den unaufhaltsamen Abwärtstrend seiner Filme sollte der damalige Actionstar Steven Seagal erst 4 Jahre nach seinem zweiten Ökothriller „Fire Down Below“ mit „Exit Wounds“ stoppen können. Den Erfolg seines Kassenknüllers „Under Siege“ sollte er nie wieder wiederholen können. Was ihn dann irgendwann dazu bewog, seine Filme schließlich mit allerlei Ökoschrott vollzustopfen („The Patriot“ sollte das ja noch toppen), wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben. Seinen Fans tat er damit jedenfalls keinen Gefallen.
Wenig variationsreich, aber schön altmodisch dem Muster der Achtziger folgend, präsentiert sich Steven Seagal hier als Marschall der Bundesbehörde, der in kleinen abgelegenen Kaff dem großkotzigen Deponenten Orin Hanner Sr. (Kris Kristofferson, „Convoy“, „Blade“) die Suppe versalzt. Der Unhold lagert große Mengen von Sondermüll in dem dortigen Bergwerk, finanziert großzügig die dort lebende Gemeinde und lebt nicht schlecht von seinen Einnahmen. Dem will Seagal Einhalt gebieten...
Das Ganze hört sich zunächst gar nicht mal so schlecht an. Seagal mal wieder als Ein-Mann-Armee gegen die Schergen des Bösewichts verspricht viele Kloppereien und gebrochene Knochen. Aber denkste was. Drehbuchautor Jeb Stuart, der auch mit „Just Cause“ und „Switchback“ weniger brauchbare Skripte ablieferte, auf der Haben-Seite jedoch immerhin die Vorlagen für „Die Hard“ und „The Fugitive“ verbucht, denkt gar zunächst gar nicht daran Seagal das tun zu lassen, was er am besten kann.
Nein, es kommt der Mensch Steven Seagal zum Vorschein und den wollte ich ehrlich gesagt gar nicht sehen. Kann man die Fürsorge bezüglich des kranken Kinds noch als Beginn der Ermittlungen abtun, so nervt seine Beziehung zu der aus der Gemeinschaft ausgestoßenen Sarah Kellog (Marg Helgenberger, „Species“, „Species II“) bald nur noch. Das liegt gar nicht mal am ausnahmsweise nicht ganz so peinlichen Auftreten Seagals, sondern einfach an der Tatsache, dass so was in einem Seagal-Reißer nichts zu suchen hat. Der Mann ist hier mitunter eher der barmherzige Samariter, denn der ermittelnde Undercovercop.
So hält sich der routiniert inszenierende TV-Regisseur Félix Enríquez Alcalá mit Actionszenen zunächst zurück und lässt Seagal nur kurz handgreiflich werden. Dessen zunehmende Leibesfülle kann hier übrigens noch geschickt versteckt werden. Die schnell geschnittenen Prügeleien reichen zwar nicht seine alten Zeiten heran, bieten jedoch die gewohnten Schauwert. Zumindest choreografisch ist dem Film in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen. Abseits der obligatorischen Handgemenge gibt es nur eine schick fotografierte Jagd mit einem Truck, die dann tödlich in einem Steinbruch endet, zu sehen.
Erst zum Ende, als Seagal dann zusehen muss, wie Hanner mit einem Witz von einer Strafe davonkommt und einen Maulwurf in den eigenen Reihen enttarnt, läuft „Fire Down Below“ dann zur Stärke älterer Seagal-Filme auf. Sein Machogetue (man liebt oder man hasst es) tritt hier genauso wie seine ähm kompromisslose Ader in Erscheinung. Die vorherige, effektvolle aber zu kurze Schießerei in einem Bergwerk kann da leider nicht mithalten.
So bleibt „Fire Down Below“ ein zweischneidiges, übrigens auch wieder von Julius R. Nasso (produzierte in den Neunzigern fast jeden Seagal-Film) produziertes, Schwert, dass zwar einige tolle Kloppereien zu bieten hat, dazwischen jedoch mit einer arg langweiligen Kommune nervt. Mich jedenfalls interessiert Seagal beim Nageln (in beiderlei Hinsicht) und Menscheln nicht. Zwischen den Actioneinlagen verschleppt der Film sein Tempo allzu oft, als das bei „Fire Down Below“ noch von einem guten Seagal geschrieben werden kann.
Fazit:
Durchschnittlicher, schick fotografierter und solide inszenierter Seagal-Klopper, der mit seiner tempolosen Geschichte sehr die Geduld des Publikums strapaziert. Fressbrettpolitur und Bleiausschuss sind zwar über jeden Zweifel erhaben, hätten aber häufiger und härter sein können. Steven Seagal präsentiert sich hier mit allerlei locker flockigen Sprüchen trotz ansetzender Speckschwarte souverän, während die Prominenz wie Kris Kristofferson und Harry Dean Stanton („Escape from New York“) sich hier nicht herausgefordert fühlt.